Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark,Heimatkalender

Kostenlose unternehmerische Webinare für das Gemeinwohl

Fläming. Chris Rapport aus Deetz arbeitet im Institut für nachhaltige Entwicklung und Strukturpolitik engagiert mit. Das Institut ist auch im Fläming aktiv. Für uns Anlass, das Institut und Chris Rappaport einmal näher vorzustellen.

Andreas Trunschke: Herr Rappaport, stelle Sie bitte den Verein und sich persönlich kurz vor.

Chris Rappaport: Das Institut für nachhaltige Entwicklung und Strukturpolitik ist ein eher stiller Verein, der aber seit 20 Jahren hauptsächlich andere gemeinnützige Vereine unterstützt. Ich selbst beispielsweise habe mehrere Jahre für die Refugees in Potsdam die ganze Betreuung der Bundesfreiwilligen. Wir haben uns die unternehmerische Beratung von Vereinen und kleinen Betrieben auf die Fahnen geschrieben.

Andreas Trunschke: Und Sie selbst?

Chris Rappaport: Ich bin ja in der Region sehr engagiert in Vereinen und auch bekannt. Deshalb möchte ich doch lieber über den Verein reden.

Andreas Trunschke: Was bietet der Verein konkret im Fläming und in der Zauche an?

Chris Rappaport: Aktuell und ganz konkret betreiben wir ein Projekt, in dem wir kleine Unternehmen und Vereine unterstützt, indem wir sie kostenfrei beraten. Wir beraten bei der der Entwicklung der Unternehmen. Das richtet sich aber auch an Vereine, die ja auch wirtschaftlich tätig sein können. Im Kern geht es uns darum, Sozialunternehmen oder Gemeinwohlunternehmen voranzubringen.

Für uns und für die Förderstellen Bundeswirtschaftsministerium und europäische Unternehmen ist wichtig, dass nicht nur kapitalistische Unternehmen laufen. So interpretiere ich das.

Andreas Trunschke: Warum könnt ihr eine so hochwertige Dienstleistung kostenlos anbieten?

Chris Rappaport: Wir werden durch die EU und das BMWK im Rahmen des Programmes „REACT with impact – Förderung des Sozialunternehmertums“ unterstützt.

Andreas Trunschke: Wie sieht eine solche Beratung aus?

Chris Rappaport: Wir haben als Verein einen Unternehmensberater dazu geholt. Das machen wir schwerpunktmäßig nicht selbst, sondern da arbeiten wir mit freien Unternehmern zusammen. Von September bis Dezember bieten wir zu allen Bereichen der Unternehmensführung und der Gemeinwohlorientierung informative Webinare an.​

Wenn in diesen Webinaren konkrete Einzelberatung nachgefragt wird, werden wir versuchen, auch diese anzubieten. Aber erst mal wird versucht, in Online-Beratungen zu helfen. Ich bin gespannt. Wir haben über zehn verschiedene Fachberater zu Fachthemen, die dann jeweils ein zweieinhalbstündiges Webinar vorbereiten. Insgesamt 25 Stück sind in Planung. Diese Fachleute konnten wir uns mit der Förderung einkaufen. Jetzt schauen wir, wie groß der Bedarf bei den Unternehmen und Vereinen ist. Dafür ist auch dieses Interview sehr hilfreich.

Andreas Trunschke: Welche Themen werden in den Webinaren angesprochen?

Chris Rappaport: Zu den angebotenen Themen gehören Gesellschaftsrecht, Finanzamt, Steuern, Strategie und Geschäftsfelder, Entwicklung, Digitalisierungsberatung, Personalentwicklung. Also es ist alles, was in einem Unternehmen vorkommen kann. Die Teilnehmer sollen sich auch selbst beteiligen und Fragen stellen. Vielleicht entstehen daraus weitere Themen. Wir wollen uns am Bedarf orientieren.

Aber erst mal sind es Themen, die alle Teilnehmer interessieren könnte und die werden so angeboten. Zwei Seminare pro Woche und jetzt ab Ende September geht das los und dann gucken wir, wie was läuft. Also für mich ist das neu. Bisher bin ich mit Unternehmensberatern zu dem Verein oder dem Unternehmen gefahren. Jetzt ist es online.

Andreas Trunschke: Okay, wenn ich jetzt als Unternehmen oder als Verein zu Ihnen komme, wie läuft es ab? Ich sage mal Hallo, das klingt irgendwie interessant, oder wie?

Chris Rappaport: Im Moment sind wir noch sehr intensiv in der Vorbereitung. Ein Anwalt mal so für zweieinhalb Stunden zu gewinnen, das machen wir auch nicht täglich. Der bereitet sich dann vor, spricht das mit uns ab, was wollen wir, was sehen wir an Problemen? Welche Erwartungen haben die Vereine und kleinen Unternehmen?

Auch die Teilnehmer kommen erst so langsam dazu. Noch ist das ein Modell, bei dem man nie ganz genau weiß, wo man landet. Das ist eben nicht Standard.

Hinzukommt, dass gemeinwohlorientierte Unternehmen auch keine gewöhnlichen Unternehmen sind. Neben der Gewinnerzielung setzen sich diese Unternehmen noch soziale Ansprüche oder auch. Wir müssen noch schauen, inwieweit die Unternehmen das schon für sich definiert haben. Selbst die EU hat sich mit dem Thema schwergetan, weil es da keinen feststehenden Begriff gibt. Also die haben über eine Seite geschrieben, was aus ihrer Sicht Gemeinwohl ist. Unsere Teilnehmer sollen die Teilnehmer das lesen und verstehen, was die EU fördern will. Sie müssen ankreuzen, dass sie diesen Anforderungen entsprechen.

Andreas Trunschke: Ihr Angebot ist also nicht für jedes normale Unternehmen, sondern es muss gemeinwohlorientiert sein.

Chris Rappaport: Man muss den Anspruch haben, über das reine Unternehmertum hinaus engagiert zu sein.

Andreas Trunschke: Wie viel Plätze gibt es denn?

Chris Rappaport: Dadurch, dass es online ist, ist die Teilnehmerzahl nicht fest begrenzt. Wir haben für uns gesagt, das könnten bis 1000 Leute sein. Aber wenn wir einen Kern von 25 bis 50 erreichen, die engagiert mitarbeiten, dann ist das schon gut.

Andreas Trunschke: Woher können die Teilnehmer kommen?

Chris Rappaport: Hauptsächlich der Fläming. Aber ich habe es auch in der Stadt Brandenburg schon ein bisschen bekannt gemacht.

Andreas Trunschke: Und das ist wirklich kostenfrei?

Chris Rappaport: Ja, das ist kostenfrei. Die EU zahlt das, aber nur für einen begrenzten Zeitraum. Ich bin gespannt, ob darüber hinaus dann der Kontakt mit den Teilnehmern bestehen bleibt. Dann müsste man nachdenken, wie die Unternehmensberater weiter tätig sein können. Die sind ja nicht gerade günstig. Aber das Projekt selbst ist ausfinanziert und läuft bis bis Ende des Jahres. Deswegen sind wir ja so intensiv dabei, dass wir jetzt in den nächsten vier Wochen die Werbetrommel rühren.

Andreas Trunschke: Zum Schluss, wo muss ich mich melden, wenn ich jetzt Interesse habe?

Chris Rappaport: Das läuft alles bei mir zusammen. Wer Interesse hat, der schreibt mir, vielleicht auch dieses und jenes Thema. Danach machen wir ein Erstgespräch, wo ich hauptsächlich die Fragen der EU zu beantworten sind und sich die Teilnehmer kennen lernen können. Auch wenn das meiste online laufen wird, brauchen wir doch einzelne Vor-Ort-Seminare.

Andreas Trunschke: Herr Rappaport, vielen Dank für das Gespräch und die Informationen.

(Artikelfoto: Chris Rappaport arbeitet auch als Ortchronist und gibt den Heimatkalender für Potsdam-Mittelmark mitheraus)

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