Wiesenburg/Mark, Schmerwitz. Mit vollgepackten Taschen muss die brandenburgische Bundestagsabgeordnete der Linken, Anke Domscheit-Berg, erst mal zum Auto, ehe es zum Gespräch mit Rita Neumann auf dem Gut Schmerwitz geht. „Ich hab grad den halben Töpferladen aufgekauft“, meint sie lachend, „das sind ja so wunderschöne Sachen, die man dort herstellt.“ Nach dem leckeren Mittagessen im Töpfercafe geht es in den Konferenzraum des Gutes, wo sich Geschäftsführerin Rita Neumann eigentlich überlegt hat, was sie alles erzählen will – und dann doch alles anders kommt.

Immerhin das Gut eine bewegende Geschichte hinter sich. In früheren Zeiten war es ein herrschaftliches Gut, später ein volkseigenes und Zweckbetrieb der Suchhilfeorganisation „Synanon“, wo dann etwa 500 Süchtige betreut wurden. Nach dem Verkauf arbeitet das Gut jetzt mit der Scarabäus Suchthilfe zusammen.

Rita Neumann hat bereits als Lehrling auf dem Gut angefangen, hat also ihr ganzes Arbeitsleben dort verbracht und ist seit nunmehr 25 Jahren Betriebsleiterin. Aufmerksam lauscht Anke Domscheit-Berg den Ausführungen und freut sich besonders, dass der Betrieb Lehrlinge ausbildet und auch anschließend übernimmt. Auch wenn bei der Auswahl der Bewerber inzwischen hart ausgesucht wird.

Aber schnell ist man bei einem Thema, welches nicht nur das Gut sondern die gesamte Region betrifft, die Digitalisierung. Da gibt es im gesamten Fläming immer noch große Lücken, was nicht unbedingt die Ansiedlung von Firmen und auch das Verbleiben der jungen Menschen in der Region fördert. Anke Domscheit-Berg kennt das Problem gut. Und kämpft mit ihrer Fraktion, dass sich schnell etwas ändert.

Da die Telekom immer noch das Monopol hat und zudem die Bundesregierung größter Einzelaktionär des Unternehmens ist, gestaltet sich die Sache nicht ganz so einfach.„Dabei ist es nicht immer nur das finanzielle, sondern auch die praktische Umsetzung“, so Domscheit-Berg. Planen sei das eine, aber oftmals seien die Tiefbauer teurer geworden und gerade für den geplanten Zeitraum nicht zu bekommen. Auch die Technologie, die verarbeitet werden soll, sei nicht auf dem notwendigen Stand. Anke Domscheit-Berg erzählt von ihrem Besuch in Schweden, wo die Kommunen die Glasfaserkabel selbst legen und die Telekommunikationsanbieter sich dann in das Netz einkaufen. Positiver Nebeneffekt – 50% der Gebühren bleiben bei der Kommune. Zumindest konnte sie Rita Neumann sowie die Kreisvorsitzende der Linken Potsdam-Mittelmark, Astrit Rabinowitsch, und den Bürgermeister von Wiesenburg/Mark, Marco Beckendorf, bestätigen, dass derzeit die Förderrichtlinien für den Telekommunikationsausbau überarbeitet werden.

Neugierig war Anke Domscheit-Berg aber auch darauf, was auf Gut Schmerwitz neu geschaffen wurde. Begeistert nahm die Abgeordnete den neuen Hofladen in Augenschein und ließ sich von Rita Neumann erklären, welche Produkte auf dem Gut selbst hergestellt werden. Beim Gang durch die Lagerhallen wurde auch gefühlt, wie sich frisch geerntetes Getreide und andere Feldfrüchte anfühlen. Trotz der Trockenheit war die Ernte nicht so schlecht, wie erwartet, so Rita Neumann. Gar keine Berührungsängste hatte Anke Domscheit-Berg bei der Besichtigung des Hühnerstalls. Schnell zog sie sich Überzieher an und stand inmitten der Hühnerschar. Nach anfänglichem Respekt ließen die sich dann mit einer Handvoll Futter anlocken und fraßen der Bundestagsabgeordneten praktisch aus der Hand. „Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal hier“ so Anke Domscheit-Berg beim Abschied begeistert.

Auf ihrer Sommertour war Anke Domscheit-Berg zwei Tage in Potsdam-Mittelmark unterwegs. Der eng gestrickte Zeitplan ließ nicht viel Zeit für die ganz langen Gespräche, aber die Abgeordnete konnte sich einen guten Überblick verschaffen, was in der Region passiert. Sie informierte sich über die Drahtzieherei Wiesenburg, deren Lage weiterhin ungewiss ist und für deren Erhalt sie sich mit ihrer Fraktion einsetzt. Auch das Coco.Nat in Glien stand auf dem Besuchsplan neben vielen Gesprächen und Diskussionsrunden.
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