Wiesenburg: Drahtwerkpläne nehmen Gestalt an

Wiesenburg. Die Pläne zur Revitalisierung des Geländes der ehemaligen Drahtzieherei in Wiesenburg/Mark nehmen Gestalt an. Die Gemeindevertretung fasste in ihrer vergangenen Sitzung die dafür notwendigen Beschlüsse. „Sehr viele freuen sich über die schnelle Nachnutzung, so dass keine neue Brauerei entsteht“, freut sich auch Bürgermeister Marco Beckendorf, denn diese ist dem Verfall preisgegeben und wohl nicht mehr zu retten. Es gibt bereits jetzt viele Interessenten, die Flächen auf dem Drahtwerksgelände pachten oder kaufen möchten, so der Rathauschef. Als Vorteil sieht er, dass bereits Hallen und Gebäude stehen und außerdem das dortige Verwaltungsgebäude mit Duschen, Toiletten, Teeküche und Kaffeeautomat genutzt werden können. Ebenso stehen dort Büroräume zur Verfügung. „Das ist ein Mehrwert gegenüber anderen Gewerbegebieten“, so Beckendorf. So kann man die Objekte zu ortsüblichen und im Verhältnis zu anderen relativ günstige Preisen anbieten. „Deshalb wird es gut funktionieren“, ist er sich sicher.

Erster Schritt für die Neuentwicklung ist die Liquidation der Wirtschaftsfördergesellschaft. Durch den Wegfall der Einnahmen der ISAF Drahtwerke GmbH wird sich die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft zum Negativen verändern, denn zum 31.12.2020 werden die Pachtzahlungen enden. Man erwartet dadurch jährliche Verluste von knapp 27.000 Euro. Der sich ebenfalls in Liquidation befindende Pächter Lincoln Electric hat eine neuen Liquidator. „Endlich haben wir einen Ansprechpartner“, so Marco Beckendorf. Einen Termin zur Abwicklung des Pachtvertrages soll es, so die Hoffnung des Bürgermeisters, noch in diesem Monat geben. Im Moment hat er den Eindruck, dass es diesbezüglich wirklich voran geht. Das Gelände der Drahtzieherei wird wieder an die Gemeinde übertragen. Eine Machbarkeitsstudie für die Revitalisierung wurde bereits unter großem Interesse der Bevölkerung vorgestellt. Jetzt gilt es, die nächsten Schritte einzuleiten.

Das etwa 5,4 ha große Areal wurde zu DDR -Zeiten ausschließlich durch die Drahtzieherei Wiesenburg genutzt. Die Erschließung war dementsprechend ausgerichtet. Von 1989 bis 1992 wurde das Werk durch die Treuhand verwaltet. 1992 wurde die Drahtzieherei Wiesenburg GmbH gegründet und 1998 durch die ISAF Italien übernommen. 2015 erfolgte die Verschmelzung der Werke Wiesenburg und Brielow zur ISAF Drahtwerk GmbH, die 2017 durch Lincoln Electric per Pachtvertrag übernommen wurde. Eigentümer des Geländes ist die kommunale Wirtschaftsfördergesellschaft. Teile des Betriebsgeländes standen jahrelang leer. Inzwischen ist die Produktion dort komplett eingestellt. Die Gemeinde möchte diese Flächen nun für neue Ansiedlungen herrichten und dabei den Ansprüchen von Klein- und Kleinstbetrieben im ländlichen Raum gerecht werden.

Die Kostenschätzung für die Gesamtmaßnahme beläuft sich gemäß der Machbarkeitsstudie auf knapp 5 Millionen Euro. Der Eigenanteil zur Umsetzung der Baumaßnahmen beträgt 435.000 Euro. Für die Erschließung bis Leistungsphase 3, die Bauleitplanung und Beratungsleistung schlagen etwa 109.000 Euro zu Buche. Mit der Liquidation der Wirtschaftsfördergesellschaft und der Übertragung der Grundstücke an die Gemeinde, werden auch die Rücklagen der Gesellschaft, voraussichtlich zwischen 200.000 und 300.000 Euro an die Gemeinde übergeben. Die genaue Höhe wird erst am Ende der Liquidation feststehen. Diese müssen laut der mit dem Landkreis geschlossenen sanierungsrechtlichen Vereinbarung zur Eindämmung der Bodenkontaminationen eingesetzt werden. Mit der Revitalisierung des Geländes wären diese Zwecke jedoch erfüllt und die Rückstellungen könnten als Eigenanteil eingesetzt werden.

Das gesamte Thema wurde mehrfach in der Gemeindevertretung besprochen. Es wurde ständig über den Sachstand informiert. So wurde nun ein Beschluss gefasst und der Weg zur Revitalisierung des Geländes frei gemacht.

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