Bad Belzig. Als Feuerwehrmann oder –frau kann man sich die Einsätze nicht aussuchen. Auch wenn am kommenden Tag ein großes Fest geplant hat. Einige Kameraden hatten am Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Bad Belzig noch ziemlich dunkle Augenringe. In der vorangegangenen Nacht wurden sie nämlich zu einem Einsatz in den Kurpark gerufen. Dort brannten vier Reihencarports. Ein Übergriff des Feuers auf die Wohnhäuser konnte verhindert werden. Aber die Kameraden konnten sich erst gegen drei Uhr ins Bett fallen lassen, um dann um sechs wieder aufzustehen, denn es mussten ja das Fest vorbereitet werden.
Die Bad Belziger Wehr hat derzeit 60 aktive Einsatzkräfte. Dabei stehen die Frauen den Männern in nichts nach. Besonders stolz ist man auf die Kinder- und Jugendfeuerwehr. „Unser Nachwuchs ist gesichert“, verkündet Ortswehrführer Raphael Thon in seiner Ansprache nicht ohne Stolz. 36 Kinder und Jugendliche sind dabei und lernen so alles, was ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau wissen muss. Zusätzlich gibt es die Alters- und Ehrenabteilung. Dort sind derzeit 14 Mitglieder dabei. Bisher konnte man auch bei der Feuerwehr mit 65 Jahren in Rente gehen. Wird das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben, kann man auch so lange im Einsatz bleiben. „Dann können wir alle noch einmal in den aktiven Dienst zurück holen“, so Thon mit einem Schmunzeln. 120 Mitglieder hat die Feuerwehr in Bad Belzig insgesamt. Diese durchlaufen auch Sonderausbildungen. Aber man sucht natürlich immer nach neuen Mitgliedern. „Es ist ein interessantes und spannendes Hobby“, so Raphael Thon, „denn die Aufgaben sind viel facettenreicher geworden.“
Auch Bürgermeister Roland Leisegang würdigte die Arbeit der Bad Belziger Feuerwehr. „Wir schlafen mit Euch immer ganz ruhig“, betonte er. Leisegang freut sich, mit welcher Qualität die Kameraden ihre Aufgaben meistern. Und über den guten Anteil an Frauen in der Wehr.
Der Tag der offenen Tür wurde auch dazu genutzt, Kameraden zu befördern und ihnen ihre Teilnahmenachweise für bestandene Lehrgänge zu überreichen.
Beförderungen
Zum Feuerwehrmann/Frau wurden befördert: Sophie Jöchen, Jeremy Mai, Jupp Ludwig, Lars Annuschkewitz, Enrico Blonske und Jonas Rudolph. Oberfeuerwehrmann kann sich nun Pascal Köpernick nennen. Jens Kloos, Melanie Thon und Rebecca Czermin dürfen sich Hauptfeuerwehrmann nennen. Franziska Gesicke würde zum Löschmeister und Torsten Hagedorn zum Hauptlöschmeister befördert.
Rebecca Czermin durfte noch eine weitere Urkunde in Empfang nehmen. Sie ist nach erfolgreicher Ausbildung die erste Drehleitermaschinistin seit Bestehen der Bad Belziger Freiwilligen Feuerwehr. Die 34 jährige ist seit 12 Jahren dabei. Ihr Interesse kommt nicht von ungefähr, ist sie doch seit vielen Jahren mit Ortswehrführer Raphael Thon zusammen. Auch die gemeinsame Tochter ist dabei. Die Arbeit ihres Partners hat Rebecca Czermin fasziniert. Da sie Notfallsanitäterin von Beruf ist und im Rettungsdienst arbeitet, gab es schon vorher oft Berührungspunkte. Nun schätzt Rebecca Czermin die Kameradschaft der Feuerwehrleute untereinander. „Es ist wirklich wie eine große Familie, jeder hilft jedem und man kann sich aufeinander verlassen“, sagt sie. Für Rebecca Czermin ist es Lebensaufgabe, Menschen zu helfen. Bisher ist sie auch noch nie an ihre Grenzen gestoßen und hofft, dass es so bleibt.
Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Bad Belzig
Aber man konnte sich auch über geschichtliches der Bad Belziger Wehr informieren. Wilhelm Lüdecke präsentierte die Chronik der FFW in Wort und Bild. Der 80 jährige ist seit 60 Jahren in der Feuerwehr dabei und hat in seiner aktiven Zeit den Brand des Rathauses 1972 miterlebt und mit gelöscht. Der Alarm wurde fast auf den Tag genau, am 16.06.1972, vor 47 Jahren nachts gegen ein Uhr ausgelöst. Wilhelm Lüdecke wohnte genau gegenüber und war so, wenn auch aufgeregt, schnell am Einsatzort. Prekär war die Sache mit dem Turm. Wäre er nach hinten gestürzt, wären noch andere Gebäude in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber er fiel nach vorn auf den Marktplatz. Zu allem Unglück platzen auch noch die Wasserleitungen, deren Rohre damals aus Blei waren, auf Grund der großen Hitze. Wilhelm Lüdecke hat sofort alle Sicherungen ausgeschaltet, um die Sicherheit der Kameraden zu gewährleisten. Die Brandursache wurde übrigens nie wirklich geklärt. Übrigens brannte es am selben Ort bereits 1914 schon einmal. Damals war das jetzige Bürgerhaus betroffen.
Vorführungen
Gespannt warteten die vielen Gäste nun auf die angekündigten Vorführungen. Diese wurden sogar mit einem Sirenenton eingeleitet. Diese ertönt normalerweise nicht mehr im Stadtgebiet, alle Alarmierungen laufen über einen Pieper. Aber zu diesem Anlass war sie zu hören. Nach dem Auftritt des Jugendfanfarenzuges zeigte die Einsatzabteilung, wie sie sich in ein brennendes Haus vorarbeiten müssen, um dort eine verletzte Person zu bergen. Moderator Jens Gruszka erklärte dabei die Ausrüstung und die Vorgehensweise. Für die Atemschutzgeräte brauchen die Kameraden ebenfalls eine spezielle Ausbildung, die regelmäßig erneuert werden muss, ebenso fällt in festen Abständen eine ärztliche Untersuchung an. Diese muss zeigen, ob die Kameraden weiterhin den Anforderungen gewachsen sind.
Die Kinder beschäftigten sich danach mit dem Thema Rettungsgasse. Die Medien zeigen immer wieder, dass es oft nicht so läuft, wie es sich die Einsatzkräfte wünsche. Dabei kann es für das Leben der Verunglückten um Minuten gehen. Zumal gerade im ländlichen Raum die Anfahrtszeiten zu einer Unfallklinik einkalkuliert werden müssen. Zuerst zeigten die Kinder, wie es nicht sein sollte um dann eine perfekte Rettungsgasse zu bilden. Am Nachmittag simulierte die Jugendfeuerwehr einen Brandeinsatz. Außerdem beschäftigte man sich mit Gefahrguteinsätzen zum Thema Radioaktivität. Und schließlich kam auch noch die Drehleiter zum Einsatz und somit auch Rebecca Czermin.
Aber es gab auch sonst viel zu sehen und zu lernen. Die Gäste konnten sich die verschiedenen Einsatzfahrzeuge erklären lassen und selbst das kleine Strahlrohr in die Hand nehmen und damit ihre Zielgenauigkeit an einem Holzhaus testen, wenn auch manchmal mit Papas Hilfe. Auch die historischen Feuerwehrhelme konnten aufprobiert werden. Und neben selbstgebackenem Kuchen gab es natürlich die beste Erbsensuppe der Stadt!
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