Bad Belzig. 90 Fässer edelsten Whiskys lagern derzeit in der Destilliere von Tim Eggenstein in Bad Belzig. Denn es braucht Zeit, ehe aus den Zutaten ein perfektes Destillat wird. In diesem Fall mindestens Sieben Jahre. Der „American Oak“ bekommt seinen Namen durch die Lagerung in speziellen Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Diese enthält weniger Tannine (Gerbstoffe), wodurch das Getränk einen milderen Geschmack bekommt. Bei der Herstellung werden die Fässer ausgebrannt, wodurch das Holz ein wenig karamellisiert. So entstehen vanillige und süßliche Geschmacksnoten.
Tim Eggestein war schon immer ein Freund von Regionalität und Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Urs Kunz, Chocolatier auf der Burg Eisenhardt, kreierte er bereits leckere Whiskypralinen. Aber auch für Gewürze wird sein Whisky verwendet. Mit dem Berliner Start Up „Spicebar“ entwickelte er einen Whiskypfeffer. Hierbei werden die Pfefferkörner in Whisky eingelegt. Der Pfeffer eignet sich besonders gut für Steaks und gibt diesen noch einmal einen gewissen Pfiff.
Jetzt gibt es wieder etwas Neues – den Whiskystollen. Ein derartiges Gebäck hat Tim Eggestein in einem Feinkostgeschäft in Dresden entdeckt und sofort gedacht: das können wir auch. Mit Bäckermeister Christian Gehricke fand er einen Partner. Aber es dauerte ein wenig, ehe die Rezeptur zur Zufriedenheit ausfiel. „Wir haben mit verschiedenen Sorten experimentiert“, sagt Tim Eggenstein. Nach einigen Verkostungen fiel die Wahl schließlich auf „American Oak“. Jedoch kann der Whisky nicht einfach dem Teig hinzugefügt werden, sonst würde die Hefe nicht aufgehen, wie der Bäckermeister feststellt. Immerhin wird der Stollen nach einem alten, traditionellen Familienrezept gebacken. So werden also die Rosinen in den Whisky eingelegt. Diese geben dann den Geschmack an das Gebäck ab.
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Anfangs wurden zum Test 20 Stollen gebacken. „Die waren bereits am ersten Wochenende ausverkauft“, freut sich Tim Eggenstein. Er hatte sie seinen Gästen zur Verkostung gegeben und die Stollen schlugen ein wie eine Bombe. „Die wären an liebsten nachts um zwölf zum Bäcker gerannt, um Stollen zu kaufen“, schmunzelt er. Die Resonanz fällt also überaus positiv aus. Bisher gibt es den Stollen nur bei Bäcker Gehricke und in der Destilliere. Jetzt wird gemeinsam überlegt, wo man ihn noch vermarkten könnte.
Hergestellt wird der gute Tropfen aus Gerstenmalz, einem Veredlungsschritt des Getreides. Aus dem Malz wird mit Hilfe von Enzymen Zucker, daraus wird ein Wassergemisch hergestellt. Schließlich wird Hefe zugesetzt, die den Zucker „auffrisst“ und so entsteht der Alkohol. Das funktioniert ähnlich wie die Weinzubereitung in einem Ballon zu Hause. Auch in den Gärbehältern im Gärkeller blubbert es kräftig, wie man an einem draußen angebrachten Glasbehälter sehen kann. Diese Mischung kommt schließlich in die „Brennblase“, die immerhin 500 Liter fasst. Da der Alkohol bereits bei 70 Grad verdampft, das Wasser aber erst bei 100 Grad, kann das Destillat so vom Wasser getrennt werden. Das Destillat nach dem Brennen hat dann immerhin einen Alkoholgehalt von 80 % Vol. Zur Reifung wird es auf die Fassstärke von 55 % heruntergesetzt und dann heißt es, mindindestens drei Jahre warten.
Natürlich ist bei der Herstellung von Lebensmitteln eine penible Sauberkeit gefragt. Jeden Abend wird gespült und gewischt, bis alles glänzt. Im Moment übernimmt Lukas diese Aufgabe. Lukas lernt bei Tim Eggenstein den Beruf des Brauers und Mälzers. Er wollte schon immer etwas mit Lebensmitteln machen und hatte ein Studium begonnen. Das gab er auf: „Aber das letzte Unterrichtsfach war Getränkelehre.“ So kam eins zum anderen und Lukas in die Destilliere von Tim Eggenstein. Diesem werden auch in Zukunft die Ideen nicht ausgehen. Wer nun zu Weihnachten etwas ganz Besonderes auf die Kaffetafel bringen möchte, sollte sich unbedingt einen der Whiskystollen kaufen. Auch als Geschenk ist dieser bestens geeignet.
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