Wiesenburg. Geht man in eine Parfümerie, wird man von den vielen unterschiedlichen Düften fast erschlagen. Und dann hat man die Qual der Wahl, für sich selbst oder auch als Geschenk den richtigen zu finden. Viele Frauen und Männer legen zunehmend Wert auf Naturkosmetika und verträgliche Rohstoffe.
Aber oftmals sind diese nicht so einfach zu erkennen und hinter den unverständlich aufgelisteten Inhaltsstoffen befinden sich in Cremes und Parfüms Substanzen, die der Verbraucher eigentlich nicht haben möchte. Was liegt also näher, als sich seine Produkte, wie z.B. die Gesichtscreme selbst herzustellen.
Dazu braucht man natürlich eine Anleitung. Gabi Sußdorf stellt in ihrer Fläminger Seifenmanufaktur seit Jahren Naturkosmetik her. Die neuste Kreation, die seit Dezember 2022 in Wiesenburgs Touristerei zum Kauf bereit liegt, ist eine Seife mit Extrakten des Wiesenburger Parkprinzesschens. Das ist eine Rose, die speziell für den Wiesenburger Schlosspark gezüchtet wurde. In diesem Rosensommer nun sollte der edle Extrakt – ein betörend duftendes Hydrolat – an zwei Workshopterminen in der Alten Schule Wiesenburg auch in eine Pflegecreme Einzug halten. Das Besondere war, dass die Teilnehmerinnen zusehen konnten, wie der Duftextrakt hergestellt wird. Dazu wurden, natürlich mit Erlaubnis von Parkleiter Ulrich Jarke, erst einmal Rosenblüten des Wiesenburger Parkprinzesschens gesammelt. Anschließend – nach einem schönen Spaziergang durch den Park zur Alten Schule – erklärte Gabi Sußdorf die Funktionsweise der Destille. Sie hat sich eine kleine 2 Liter-Kupferdestille zugelegt. Damit kann sie 500 ml Pflanzenhydrolat herstellen. Begeistert erzählte sie von geplanten privaten Destillationsversuchen – allem Möglichen kann man dufttechnisch auf die Spur kommen. Sie möchte in Zukunft auch mit Baumrinden, Erde und mit Essbarem, wie Schinken experimentieren.
Schinken hatte aber im Rosencreme-Workshop natürlich nichts zu suchen – hier drehte sich alles um Wiesenburgs Parkprinzesschen. Bei der Rosenhydrolat-Gewinnung handelt es sich um eine Destillation direkt aus dem Wasserkessel heraus. Andere Pflanzenextrakte werden eher im Wasserdampf – in einem Aromakorb – extrahiert, was bei der Rose aufgrund von Rosenwachs-Anteilen nicht der optimale Weg ist. Solche und noch weitere Informationen bekamen die Teilnehmerinnen an beiden Tagen, denn es wurde gemeinsam destilliert. Die Destille wird mit Wasser gefüllt, hinein kommen die vielen Rosenblätter oder eben auch andere Natursubstanzen. Über eine Heizplatte wird das Wasser erhitzt und nimmt im Wasserdampf die unterschiedlichen Duftbestandteile der Rosenblätter mit. Über das sogenannte Geistrohr wird der Wasserdampf wieder flüssig und es entsteht das Destillat. Gabi Sußdorf fing das Hydrolat in drei Phasen der Destillation getrennt voneinander auf. Der Grund dafür ist, dass unterschiedliche Duftbestandteile der Rosen zu verschiedenen Zeiten der Destillation in den Wasserdampf übertreten. So riechen die ersten 100 ml ganz anders als die letzten 100 ml. Die Teilnehmerinnen konnten ihre Nasen beim Erschnuppern der unterschiedlichsten Aromen üben und dann entscheiden, welche Fraktion sie in ihre eigene Creme einarbeiten wollten.
Während die Destille vor sich hin köchelte, besprach Gabi Sußdorf mit den Gästen die Theorie der Cremeherstellung. Dabei erklärte sie genau, welche Rohstoffe für die Haut gut und welche unvorteilhaft sind. Unsere Haut „produziert“ viele eigene Pflegesubstanzen durch hydrolytische enzymatische Prozesse in den Hautzellen selber. Diesen Prozess möchte die gelernte Laborantin durch eine kluge Zusammenstellung der Cremerezeptur unterstützen. In den Gläsern und Flaschen, die auf dem Workshoptisch standen, fanden sich etliche Rohstoffe wieder, die unsere Haut durch eben diese eigene Arbeit kennt und auf die sie entsprechend positiv reagiert. Natürlich fanden keine mineralölhaltigen Zutaten Einzug in die Creme.
Die Teilnehmerinnen hatten auf verschiedenen Wegen von dem Kurst erfahren, über Social Media, über den Flämingverteiler, durch Veranstaltungen, wie den „Offene Höfe Tag“ in der Nuthe-Nieplitz-Region, den Gabi Sußdorf auf ihrem früheren Standort in Tremsdorf, im nördlichen Teil der Reiseregion Fläming, veranstaltet und über Zeitungsmitteilungen. Sie kamen aus Berlin, Beelitz, aus dem Landkreis Teltow-Fläming und auch aus Sachsen-Anhalt. Gespannt warteten alle auf den fertigen Rosenextrakt, damit sie endlich ihre ganz persönliche Hautcreme herstellen konnten. Diese Art des Workshops sollte Gabi Sußdorf unbedingt wiederholen.
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