Niemegk. Natürlich nicht selbst, sondern nur seine Songs, meisterhaft interpretiert von Kantor Winfried Kuntz.

Die Niemegker Kirche war gut besucht. Einige kamen wegen der Orgelklänge, andere gezielt wegen den Songs von Bob Dylan. Viele waren schon beim Queen Konzert dabei. Das kam so gut an, dass mit Bob Dylan nun die zweite Veranstaltung dieser Art stattfand.
Bob Dylan ist einer der bekanntesten Singer/Songwriter der 60er Jahre. Der inzwischen 82jährige hat Lieder geschrieben, die in die Musikgeschichte eingegangen sind. Nicht alle landeten in den Charts ganz oben, einige erst, nachdem sie von anderen Bands gecovert wurden. So ist „Tambourine Man“ den meisten nur als Titel der Byrds bekannt, „Knockin´on heavens door“ oft durch Guns and Roses.
Die Entstehung von „Knocking on Heaven’s Door“ ist eng mit dem Film „Pat Garrett und Billy the Kid“ verknüpft, für den Bob Dylan sowohl als Schauspieler als auch als Komponist tätig war. Der Regisseur des Films, Sam Peckinpah, bat Dylan, einige Songs für den Soundtrack zu schreiben. Dafür bekam er eine Minirolle in dem Film.

Pfarrer Daniel Geißler erzählte zu jedem Lied die Geschichte und auch den Inhalt, denn Bob Dylan ist wegen seiner Stimme oft sehr schlecht zu verstehen. Anfangs machte Dylan Folkmusik, wollte sich aber der neuen elektronischen Musik auch nicht verschließen. Das nahmen ihm seine Fans sehr übel, so dass er sogar ans Aufhören dachte. „Aber dann kam der Heilige Geist über ihn, und er machte weiter“, erzählte Daniel Geißler. Er hatte für seinen neuen Song nur Versmaß und Silben im Kopf, beim Schreiben kamen dann die Worte.
Bob Dylan schrieb kurze und auch lange Lieder. „Like a Rolling Stone“ ist ein Titel von über sechs Minuten. Die Seite einer Single hatte damals jedoch nur Platz für drei Minuten pro Seite. So mussten sich damals die Radiosender regelmäßig beim Publikum entschuldigen, wenn das Lied nach der ersten Strophe abbrach – sie mussten erst die Platte umdrehen. Auch ein Lied für seine Frau Sarah nahm Ausmaße an. Es sollte eigentlich nur kurz werden, aber Dylans Gedanken reihten sich aneinander und so wurde der Song am Ende zwölf Minuten lang.

Eines der bekanntesten Lieder ist wohl „Blowing in the Wind“. Das wurde sogar in der DDR im Musikunterricht behandelt, wie sich Daniel Geißler erinnert. Aber nicht alle Lieder von Bob Dylan lassen sich auf die Orgel übertragen. Da hilft auch ein Virtuose wie Winfried Kuntz nicht. Deshalb bekamen die Zuhörer auch zwei Song von Neil Diamond, einem Weggefährten Dylans, zu hören. Eine Orgel kann eben mehr als nur Kirchenlieder.
Die Zuhörer waren begeistert. Pfarrer Daniel Geißler hatte beim Queen-Konzert Videos eingespielt, damit die Gäste auch etwas zu sehen bekamen. Zu Dylans Zeiten gab es so etwas noch nicht, also hatte er die Kirche mit Plattencovern dekoriert. Diese konnten am Ende gegen eine Spende erworben werden.
Wer mehr über Bob Dylan und auch seinen Weg zum Glauben erfahren möchte, im Buchhandel gibt es eine Vielzahl an Büchern über den Künstler. Darin findet man auch verschiedenste Anekdoten aus seinem Schaffen. Eines der Bücher erhielt Kantor Winfried Kuntz als Dankeschön.
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