Dahnsdorf. Ob das Festival für Freunde zum elften oder zwölften Mal stattfindet scheint umstritten. Während im gedruckten Programm die Eröffnung des 11.Festivals angekündigt wird, spricht man im Netz vom zwölften. Unzweifelhaft ist jedoch, dass es ein Erfolg ist. Was mit 30 Künstlern begann, zieht heute rund 500 Besucher auf das Festivalgelände „Hof Dahnsdorf“ an. In diesem Jahr vom 1. bis 4. August.

„Wir hatten dieses Jahr etwa 150 Bewerbungen von Künstlern, davon haben wir dann 36 ausgewählt“, berichtet Stefanie Hintzsche, die beim veranstaltenden Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Und tatsächlich haben die Männer und Frauen um die Festivalgründerin Marie Golüke ein mannigfaltiges Programm zusammengestellt. Perfomance, Tanz, Musik, Kino, Lesung, Ausstellungen Theater, Workshops, Installationen und Kindertheater wurden ausgesucht und fanden großen Zuspruch.
Aus den zu Ausstellungs- und Theaterräumen umgestalteten Stallungen und Scheunen hörte man lachende Kinder und interessierte Erwachsene über die Kunst reden. Auf den Freiflächen konnten Installationen bewundert werden. Viele Besucher picknickten auf den Wiesen und Freiflächen, Besucher jeden Alters waren dabei und das erfreute die Veranstalter. „Wir wollen alle ansprechen“, sagte Hintzsche.
Und so freut man sich darüber, dass auch die Dahnsdorfer nach und nach den Weg auf den Hof finden. „Es kommen immer mehr und das tolle ist, dass man uns auch hilft, sofort mit handwerklichem Beistand als auch zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr, die uns Bänke und Tische aufstellt und die Kirchengemeinde, die die Kirche für Besucher und Künstler öffnet“, sagt Stefanie Hintzsche.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte die „Brandenburg Reihe“ bekommen. Sechs Angebote konnte wahrgenommen werden. Vor allem das Theaterstück von Julia Strehler war für die Dorfbewohner von Interesse. In „Brachland- ein Stück aus Dahnsdorf“ traten Marie Golücke und Sebastian David auf und werden die Aufführung am 28. und 29. September 2024 eigens für die Dahnsdorfer wiederholen. Darin wird die wechselvolle Geschichte des Kuhstalls erzählt und dessen Wandlung vom Rinderstall zum Kulturort.
Pandora Pop hat mit Schülern aus Bad Belzig den Audiowalk „Wald ein – Wald aus“ entwickelt. „Wir recherchierten zu Klima, Waldwirtschaft und Wolf; wir dachten uns Geschichten aus der Perspektive des Waldes aus und gaben ihm eine Vielzahl von Stimmen: dem Moos, dem Schachtelhalm, dem Wolf, der Buche, den Pilzen und Myzelien und, na ja, auch dem Müll im Wald. Anstatt zu fragen, wie der Mensch denn richtig mit dem Wald umzugehen habe, fragten wir uns lieber, was der Wald eigentlich mit dem Menschen zu schaffen habe. Und so schickten wir die Menschen mit Kopfhörern auf den Ohren durch einen abgesteckten Pfad im Wald, um die Probleme der menschlichen Zivilisation mal für ein Stündchen hintanzustellen“, erzählt die Künstlerin, die von allen Klassenstufen der Freien Schule Fläming unterstützt worden ist.
Im Dschungel konnte man durchgehend den „Flämingliedern“ lauschen. „Das Projekt ‚Flämings Volkslieder neu gedacht‘ soll alte Volkslieder wiederbeleben und neue Volkslieder schaffen. Deshalb hat der Burgchor Bad Belzig sich mit alten Liedern auseinandergesetzt, neue Lieder gesucht und gedichtet, die Lieder neu eingesungen und, um sich dem aktuellen Zeitgeist anzupassen, die Lieder als Musikvideos aufgenommen“, heißt es im Programm.
Auch „The Late Train“ zählt in diese Reihe. „The Late Train – das Musikensemble stammt aus Berlin. Und nimmt sein Publikum mit auf eine Reise durch die Musik der späten Renaissance bis zur frühen Klassik. Wer das Programm genau las, konnte feststellen, dass es keine Parallelangebote gab, wer wollte, der konnte alles mitnehmen.
Auch die Zukunft, die eigentlich schon Gegenwart ist, war auf dem Gelände vertreten. „AI.Cube – Talkbox“ war da und konnte von allen ausprobiert werden. Man konnte sich darin mit einer KI unterhalten und seine Ansichten zu den die Person interessierenden Fragen äußern. Das von der mabb geförderte Projekt wird von Alex, ebenfalls einem mabb-TV und -Radioprojekt, in einigen Brandenburger Städten angeboten und wird dann zu einer TV-Sendung. „Die Box ist sprachgesteuert, es geht um Fragen und Erzählungen aus dem Leben, die man unter Umständen gegenüber einer KI offener erzählt“, erklärt Markus Sorychta von Alex.

Über das Festival und dessen Geschichte sprachen wir mit der Gründerin Marie Golüke.
Andreas Koska: Marie Golüke ist 35 Jahre alt. Die junge Frau wurde in Dahnsdorf geboren. Dann zog sie weg und kam irgendwann mal wieder in ihre Heimat, die Region zurück. Seit kurzem ist sie sogar Stadtverordnete in der Stadt Bad Belzig. Das Festival für Freunde läuft jetzt seit 11 Jahren, zum zwölften Mal. Weshalb hast du es damals gegründet und wie ist es dazu gekommen?

Marie Golüke: Also ich war 23 Jahre alt und habe noch in Hamburg Theaterwissenschaft studiert, Performance Artist und habe sehr viele Künstler kennengelernt in den verschiedenen Städten, wo ich studiert habe. Und ich habe schon immer genetztwerkt. Und dann habe ich so Leute, Leuten vorgestellt und dann zusammen mit ihnen Arbeiten gemacht. Und dann dachte ich, man könnte es vielleicht einfach fortführen. Und zwar hier in dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, wo für mich, als ich noch Teenager war, so was gefehlt hat.
Andreas Koska: Es ist hier ein tolles Gelände, wie ich ja feststellen konnte. Ist das das Gelände deiner Familie?
Marie Golüke: Nee, der Hof Dahnsdorf hat noch bis vor einem Jahr Hagen und Petra Claus gehört. Ich war mit ihrem Sohn zusammen gewesen, mit 14 war er meine erste große Liebe und daher kannten wir uns.
Andreas Koska: Na ja, aber inzwischen habt ihr ihn erworben als Verein?
Marie Golüke: Nee, nee, das nicht. Also der Hof ist immer noch in privater Hand. Der gehört mittlerweile einem aus unserem Team. Und der Kuhstall, der gehört aber mir und einem aus unserem Team.
Andreas Koska: Wenn du auf die 11 Jahre zurück denkst, das erste Festival für Freunde und heute das zwölfte, was hat sich verändert? Ist es gewachsen oder etwa gleich geblieben?
Marie Golüke: Es ist auf jeden Fall gewachsen. Wir haben mit 30 Leuten angefangen. Jetzt sind wir so bei so 400 bis 450. Und die Acts sind mehr geworden. Jetzt haben wir 36 Events und es sind halt viel mehr Gäste. Wir haben wirklich nur mit Künstlern angefangen und dann haben die ihre Freunde mitgebracht und so ging es immer weiter. Und ist das nicht schön.
Andreas Koska: Und es wird und soll wirklich weiterlaufen. Wenn es gut geht, wird es auch den 20. Geburtstag irgendwann mal geben. Ich habe ja den Eindruck, dass die Leute sich hier alle sehr wohl fühlen. Wie ist es mit den Dahnsdorfern selbst?
Marie Golüke: Die fühlen sich ja auch wohl, die kommen meistens Samstag und Sonntag. Genau. Ich glaube, dass wenn wir das Stück über Dahnsdorf spielen, habe ich auch gehört, dass viele kommen wollen, weil es natürlich auch sie interessier, es geht ja um ihr Dorf. Es kommen ja viele Familien her, aber auch ältere Leute,das sind so ganz bunt gemischte Generationen. Und die Leute aus dem Dorf helfen auch mit, wenn wir ein Problem haben. Wir hatten mal Generatorausfall, dann haben sie geholfen. Die Feuerwehr überlässt uns Bänke, wir dürfen in die Kirche. Also das ist ganz toll.
Andreas Koska: Sehr schön. Und in dem Stück über Dahnsdorf wer hat es geschrieben, warst du das?
Marie Golüke: Nee, das war nicht ich. Das war Julia Strehler, wir haben so eine Theatergruppe, die heißt „Wenn Orte sprechen“ und da geht es darum, über Orte Stücke zu machen. Und sie hat auch dann das Stück geschrieben.
Andreas Koska: Und Stück spielst du und wer noch?
Marie Golüke: Mit mir spielt Sebastian David.
Andreas Koska: Und ist es die Geschichte dieses Hofes, wo wir uns jetzt befinden? Oder ist es Geschichte des Dorfes an sich?
Marie Golüke: Es ist die Geschichte des Kuhstalls. Es geht um den Kuhstall und sozusagen dessen Reise, weil mein Papa hat da gearbeitet, wo die Bühne war. Zu meiner Teenagerzeit bin ich da immer hingegangen, um meinen Liebeskummer alleine auszusitzen. Und jetzt hab ich ihn halt gekauft, sozusagen. Und auch die Vision, einen Kulturort draus zu machen und über diese Wandlung erzählt das Stück.
Andreas Koska: Dann wünsche ich dir und dem Verein viel Glück und viel Erfolg weiterhin.
Marie Golüke: Danke.
Neben den Einnahmen aus den Eintrittsgeldern darf sich das Festival über die Unterstützung vom Fonds Soziokultur und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam freuen, sowie dem Partnern für Demokratie Hoher Fläming aus Mitteln des Bundesprogramms Demokratie leben.
Das Festival wird es auch im kommenden Jahr geben, die Vision ist jedoch größer. „Wir wollen den Ort zu einem ganzjährig genutzten Kulturstandort machen“, sagt Stefanie Hintzsche und hofft dabei auf die Zustimmung und Hilfe der 60 Vereinsmitglieder.
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