Bad Belzig, Niemegk. Die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel e.V. lud bereits zum 16. Mal zu 48 Stunden Fläming ein. Entlang der Burgenlinie Hoher Fläming, die die Burg Eisenhardt, Schloss Wiesenburg und Burg Rabenstein einschließt, warteten moderne Busse im 30-Minuten-Takt auf alle neugierigen Gäste, die die Naturschönheiten, Sehenswürdigkeiten und diversen Aktionen im Fläming erleben wollten.
Neben Kranepuhl, Lühnsdorf, Grubo und anderen Flämingdörfern hielten die Busse auch in Niemegk. Hier überraschte der kleine Hof von Gabi Hilgendorf in der Belziger Straße mit großen Schätzen aus der Vergangenheit, zum Beispiel Geschirr und Haushaltswaren aus der DDR-Zeit, Brautkleidung aus den 1950er Jahren oder Möbeln, die weit über 100 Jahre zählten. In dieser Fundgrube geht Gabi Hilgendorf ihrem Hobby nach und restauriert alte Stühle, deren Geflecht nach vielen Jahrzehnten gerissen ist. Besuchende konnten ihr beim Stuhlflechten über die Schulter schauen, während sie mit geübten Fingern dem Möbelstück zu seinem ursprünglichen Nutzen verhalf. „Das Wiener Geflecht oder auch Achteckgeflecht ist das meist verwendete Muster. Für eine Sitzfläche brauche ich ungefähr sechs bis acht Stunden“, erzählte Hilgendorf.
Zum ersten Mal öffnete Familie Schulze in der Großstraße die Tore. Äpfel, Birnen und anderes Obst als Frucht oder verarbeitet als Marmelade bot die Frau des Hauses von der eigenen Streuobstwiese an. In dritter Generation lebt Familie Schulze auf dem Hof zwischen alten Gemäuern und Bäumen.

Fast wie in einer anderen Zeit saß darunter im Schatten eine Frau entspannt am Spinnrad: Marion Wiegand. Sie und Monika Quellmann sind seit zehn Jahren befreundet. Während Monika Quellmann Alpakas am Stadtrand von Niemegk hält, spinnt Marion Wiegand deren Wolle. „Die Wolle wird nach dem Scheren erst gewaschen und gekämmt, das Stroh und Heu aussortiert und wird dann verschickt zum Kardieren“, erklärte Wiegand. Hierbei werden die zuvor ungeordneten Fäden in eine parallele Anordnung gebracht:
„Dann können wir anfangen mit dem Spinnen.“
Daraus entsteht eine hundertprozentige Naturwolle, aus der die vielseitigsten Kleidungsstücke gestrickt werden können. Neben ihren vier Alpakas hält Monika Quellmann auch drei Merino-Schafe, deren Wolle ebenfalls über viele positive Eigenschaften verfügt. „Es tut mir in der Seele leid, dass manche die Wolle wegschmeißen“, so Quellmann.

Ebenfalls auf dem Hof der Familie Schulze traf man Christiane Lorey aus Marzahna an, die achtzig Rosensträucher auf ihrem Vierseitenhof ihr Eigen nennen darf. „Es sind unterschiedliche Rosenarten mit unterschiedlichen Duftrichtungen. Wenn man alles zusammen in einem Produkt verarbeitet, hat man erst die Fülle dieser ganzen Möglichkeiten“, strahlte sie:
„Ich schneide die Rosenblüten morgens und zupfe die Rosenblätter ab. Ein Teil wird gleich luftgetrocknet, oder ich verarbeite sie frisch zu Gelee oder Marmelade. Manche lege ich ein, zum Beispiel in Wodka. Ein paar Wochen oder Monate lasse ich sie dort drin. Anschließend wird es gesiebt und gemischt mit Zuckerwasser und fertig ist der Likör.“
Ohne Alkohol bot sie auch Sirup aus Rosenblättern an. Christiane Lorey ist sehr experimentierfreudig und kann sich zukünftig weitere Geschmacksrichtungen vorstellen.

Nach einer kurzen Stadtführung mit Jutta Linthe oder die Besichtigung eines der ältesten und schönsten Rathäuser Brandenburgs, das 1570 erbaut wurde, erklangen ungewöhnliche Töne vom Kirchplatz gegenüber. Statt Orgelmusik waren bekannte Songs aus Rock, Pop und Neue Deutsche Welle (NDW) von „Dings & Bums“ zu hören und luden ein zu einer kleinen Pause unter den schattigen Bäumen.
Auch in diesem Jahr waren 48 Stunden zu kurz, um jede Naturschönheit, Sehenswürdigkeit oder die angebotenen Aktionen engagierter Menschen im Fläming zu sehen und zu erleben.

Die nächsten 48 Stunden Fläming werden voraussichtlich am 13. und 14. September 2025 stattfinden.
Möchten Sie Kontakt aufnehmen? Gabi Hilgendorf: 033843/51037, Monika Quellmann: 0152/52972783, Christiane Lorey: 033747/709977.
(Artikelfoto: Gabi Hilgendorf zeigte die Kunst des Stuhlflechtens)
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