Landtagswahl Brandenburg, Günter Baaske

Im Gespräch mit Günter Baaske

Potsdam-Mittelmark. Fläming 365 hatte die Gelegenheit, zu einem Gespräch mit Günter Baaske, langjähriges Mitglied des Brandenburger Landtags. Gleich die erste Frage betraf seinen Entschluss, jetzt nicht mehr für den Landtag zu kandidieren:

Eva Loth: Herr Baaske, wann haben Sie sich entschieden, nicht mehr für den Landtag zu kandidieren? War es eine langfristige Entscheidung, oder eher eine kurzfristige?

Günter Baaske: Nein, es ist gewachsen im Laufe dieser Legislaturperiode. Und dann habe ich auch eine Weile gebraucht, die Nachfolge zu finden. Und da war ich sehr zufrieden, als Melanie schließlich gesagt hat, sie würde im Wahlkreis 18 antreten. Ich werde sie auch sehr stark darin unterstützen, dass sie diesen Wahlkreis gewinnt, weil sie die entsprechend passende Person für diesen Wahlkreis ist, ihn sehr gut kennt und großes Durchsetzungsvermögen hat. Und insofern habe ich keine Bange, dass sie auch die Wahl gewinnt.

Eva Loth: Melanie Balzer ist ja  eine der wenigen Frauen. Warum gibt es eigentlich so wenige Frauen im Landtag?

Günter Baaske: Also in unserer Kreistagsfraktionen zum Beispiel haben wir fast nur Frauen. Neben Dietmar Otto und noch einem Kollegen sind wir die paar Hähne im Korb, und die Frauen besetzen die Führungspositionen. Melanie ist Fraktionsvorsitzende, und der Fraktionsvorstand ist ansonsten auch ausschließlich mit Frauen besetzt. Und auch Ausschusspositionen werden bei uns vielfach von Frauen besetzt. Nicht weil sie Frau sind, sondern weil sie einfach gut sind. Und Frauen brauchen weibliche Vorbilder.

Eva Loth: Aber im Landtag, wenn man so da mal in die Runde blickt, sieht es natürlich ein bisschen anders aus. Da sehe ich vorrangig Männer sitzen.

Günter Baaske: Das hängt damit zusammen, dass gerade die konservativen Parteien nicht diese Quotierung wie die Grüne oder Linke oder auch die SPD haben. Und wenn dann die konservativen Parteien in Größenordnung gewählt werden, dann hat das eben den Effekt, dass dort fast nur Männer sind. Bei der AfD zum Beispiel sieht man das sehr, sehr deutlich. Dort sind Frauen die Ausnahme.

Eva Loth: Ist denn so eine Quotierung sinnvoll, oder sollte man nicht danach gehen, wer welche Sachen besonders gut kann und macht?

Günter Baaske: Danach sollte es gehen. Das ist richtig. Und danach geht es auch. Man darf das mit der Quotierung nicht überziehen. Da, wo gute Frauen antreten, sollte man ihnen aber auch die Chance einräumen, wirklich nach vorn zu kommen und zu zeigen, was sie können. Aber man sollte es nicht übers Knie brechen und unbedingt krampfhaft Positionen mit Frauen besetzen, nur weil sie Frauen sind.

Eva Loth: Auch für Sie jetzt noch mal die Frage nach der Europawahl. Haben Sie dieses extreme Ergebnis erwartet?

Günter Baaske: Ja, das entsprach ja im Wesentlichen den Ankündigungen der Wahlforscher. Und insofern war das vorhersehbar. Einerseits wissen wir auch, dass populistische Parteien europaweit im Aufwind sind. Die Leute machen sich nicht mehr in Gänze die Mühe, Nachrichten, die sie aus dem Internet ziehen, zu vergleichen mit Fakten und zum Beispiel mal einen Faktencheck aufzurufen. Die gibt es ja inzwischen schon sehr gut sortiert. Und dann laufen die Leute natürlich mitunter tatsächlich Vorstellungen hinterher, die uns alle nur wundern lassen, wie man so einen Quatsch glauben kann. Aber es gibt die Menschen, die das tun.

Eva Loth: Jetzt hat das Bündnis Sahra Wagenknecht ja irgendwo eine Lücke gefunden zwischen den etablierten Parteien und den rechten Parteien. Was halten Sie denn von diesem Bündnis? Haben die eine Chance?

Günter Baaske: Also auch dieses BSW ist eine sehr populistische Partei, die Dinge ankündigt, ohne zu sagen, wie man sie umsetzen kann. Das springt auf den populistischen Zug auf. Inwieweit wir in Brandenburg mit solchen Leuten zusammenarbeiten können, muss man sehen. Wir werden in Brandenburg nicht über Krieg und Frieden in der Ukraine entscheiden. Wir werden in Brandenburg auch nicht über große bundespolitische Themen entscheiden. Und insofern geht es um den Pragmatismus, den das BSP hier im Lande zeigen muss. Wie kriegen wir die Bürger von A nach B? Wie wollen wir die Leute dort beruhigen, wo eine Straße am Grundstück vorbeiführen soll und und und und … Das sind Dinge, die man in Brandenburg lösen muss. Da muss das BSW zeigen, ob sie Leute dafür hat, die so eine Politik umsetzen können.

Eva Loth: Noch eine letzte Frage, wird Dietmar Woidke wieder Landeschef?

Günter Baaske: Da bin ich sehr zuversichtlich. Niemand ist so verbunden mit dem Land wie Dietmar, und er ist ein sehr fleißiger, sehr ruhiger, aber auch besonnener Politiker. Aber vor allem ist er sehr, sehr kenntnisreich. Und mit dieser Weisheit beschlagen dürfte er kaum zu schlagen sein.

Eva Loth: Vielen Dank für das Gespräch.

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