Bad Belzig. Helga Kästner ist tot. Die Bad Belziger Ehrenbürgerin und Chronistin starb am 22. Januar 2025 im Alter von 89 Jahren. Die Nachricht von ihrem Tod verbreitete sich in Windeseile und löste tiefe Betroffenheit aus. Helga Kästner starb infolge einer Lungenentzündung im Klinikum Brandenburg an der Havel.
Mit den mehr als 120 Chroniken aus Bad Belzig und der Region, die sie in Eigenregie oder als Mitautorin verfasste, hinterlässt sie einen Schatz, für den ihr auch nachfolgende Generationen noch Dank und Anerkennung zollen werden.

Für dieses Engagement wurde Helga Kästner, gemeinsam mit ihrem bereits 2022 verstorbenen Ehemann Günter Kästner, im Jahr 2020 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Belzig ausgezeichnet. Bereits 2004 war der pensionierten Lehrerin für ihre Bemühungen um die Bewahrung der Heimatgeschichte das Bundesverdienstkreuz verliehen worden.
Geboren wurde Helga Kästner am 25. August 1935 in Niemegk. Ihr Interesse an der Vergangenheit wurde früh geweckt, schon in Kindertagen. Konkret auf dem Dachboden der Niemegker Schule, die ihr Vater damals leitete. Dort lagerten kleine geschichtliche und archäologische Funde, teilweise vom Bau der Autobahn und teilweise vom geschichtsinteressierten Vater zusammengetragen. All diese Dinge zogen das Mädchen von damals magisch an – ein altes Sprichwort sagt „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“.
1955 lernte Helga Kästner, die auch beruflich in die Fußstapfen des Vaters getreten war, ihren späteren Ehemann Günter kennen. Zwei Jahre später heirateten die beiden. Fortan wirkten sie als Lehrer in Bad Belzig. Zwei Kinder wurden ihnen geboren, Ralf und Kathi.
Mitte der 1980er Jahre erfuhr der Belziger Heimatkalender eine Renaissance. Helga Kästner, die unter anderem als Deutschlehrerin arbeitete, wurde gebeten, das Korrekturlesen zu übernehmen. Der alte, neue Heimatkalender wurde damals zum Brückenbauer für ihr heimatgeschichtliches Interesse. Fortan ließ es sie nie wieder los. Die ersten kleinen heimatgeschichtlichen Aufsätze aus ihrer Hand ließen nicht lange auf sich warten.
Der Wechsel in den Ruhestand wurde für Helga Kästner und ihren Ehemann dann ein Unruhestand. Eine Chronikveröffentlichung folgte der nächsten. Helga Kästner leitete an, half Interessierten, sich in der Materie zu vertiefen, unterstützte Projekte und Initiativen und begleitete zahllose Buchprojekte bis zur Drucklegung. Immer an ihrer Seite war Günter Kästner, der das Bildmaterial für die Veröffentlichungen beisteuerte – ein unschlagbares Team.
Beide erfuhren bis zu ihrem Tod große Zuneigung und Anerkennung – was, wie Helga Kästner einmal sagte, „die familiäre Harmonie günstig beeinflusste“.
Der Schreibtisch, hinter dem Helga Kästner bis kurz vor Silvester 2024 saß und an Chronikprojekten arbeitete, bleibt jetzt für immer leer. Zwei Bücher standen kurz vor der Fertigstellung.
„Sie wird uns mit ihrem Wissen fehlen“, sagt Bad Belzigs Gästeführerin Inge Richter tief betrübt. Voller Dankbarkeit blickt sie zurück. „Immer wenn Helga Kästner neue historische Funde gemacht hatte, die auch für unsere Stadtführungen von Interesse waren, ließ sie uns daran teilhaben“, so die 75-Jährige und ergänzt:
„Helga war für uns Gästeführer ein unerschöpflicher Wissensquell. Sie wird uns fehlen.“
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Ein Kommentar
Ich hoffe es findet sich jemand, der die zwei Bücher zu Ende bringen kann.