Niederwerbig. Amrei Bauer lädt auch in diesem Jahr nach Niederwerbig ins Annemirl-Bauer-Haus ein. Hierher hatte sich ihre Mutter zurückgezogen, als sie in der DDR Arbeitsverbot erhielt. Im vergangenen Jahr erinnerte die Tochter an den 85. Geburtstag und den 35. Todestag ihrer Mutter. Der gute Besuch und der große Erfolg der Veranstaltung ermutigten sie, diese zu wiederholen.
„Widerständig, radikal, unvergessen“, so ist die Veranstaltung überschrieben, bei der es auch gilt, Annemirl Bauer für sich zu entdecken. „Als eine der kompromisslosesten Stimmen der DDR-Kunstszene verband sie Malerei, Text und gesellschaftskritische Haltung zu einem ausdrucksstarken Lebenswerk. Mit ihrer unerschrockenen Haltung stellte sie sich gegen staatliche Bevormundung und patriarchale Machtstrukturen – ein mutiges künstlerisches Vermächtnis, das neu entdeckt werden will“ – und genau das will Amrei am 31. August 2025 präsentieren.
Dann findet ab 14.00 Uhr eine Diskussion unter dem Titel „Alibifrau mit eingeschlossenem Selbst“ statt. Mitdiskutieren werden profunde Kenner der Künstlerin. Regisseur Torsten Körner hat den Film „Die Unbeugsamen- Guten Morgen, ihr Schönen“ gedreht, in dem Bauer ein Kapitel gewidmet ist.

Kunsthistorikerin Susanne Altmann hatte Bauers Werk in der Ausstellung „Medea muckt auf – Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang“, die in Dresden und im Wendemuseum Los Angeles zu sehen war, präsentiert. Swenja Leiber ist preisgekrönte Autorin und wird nicht nur diskutieren, sondern auch aus ihrem neuesten Buch, „Kazimira“, lesen. Darin steht eine Frau im Mittelpunkt, die für Selbstbestimmung kämpft. Auch Tochter Amrei Bauer wird mitreden, moderiert wird die Gesprächsrunde von der RBB-Journalistin Hilke Grabow.

Ergänzt wird die Veranstaltung durch Führungen durch die neue Ausstellung, in der unbekannte Werke der Künstlerin vorgestellt werden. Für die musikalische Umrahmung sorgt Suzanna. „Eine der ausdrucksstärksten Stimmen Berlins, singt Lieder von Alexandra. Außerdem Romalieder und traditionelle osteuropäische Melodien bei denen sie von Daniel Weltlinger an der Geige und Valerij Pysarenko mit der Gitarre begleitet wird“, berichtet Amrei Bauer. Sie hofft auf guten Besuch der Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Brandenburgischen Literaturrat und dem Literarischen Colloquium Berlin stattfindet und durch das Land Brandenburg und den Landkreis Potsdam-Mittelmark gefördert wird. „Denn ich hoffe, dass wir es etablieren und jedes Jahr stattfinden lassen können“, blickt Amrei Bauer in die Zukunft.
Die Künstlerin Annemirl Bauer wurde nur 50 Jahre alt und starb 1989, im Jahr des Mauerfalls. In Niederwerbig hatte sie Ruhe und Zuflucht gesucht, da sie in der DDR nach kritischen Äußerungen zum Mauerbau mit Berufsverbot belegt war. Ihr Wohnhaus beherbergt ein Bauer-Archiv, das ihre Tochter Amrei eingerichtet hat. Das Wohnhaus gehört zu den so genannten „Frauenorten in Brandenburg“.

Mit dieser Initiative will man an besondere Frauen erinnern, da die meisten Gedenktafeln Männern gewidmet sind und Frauen häufig unsichtbar im öffentlichen Raum sind. Inzwischen gibt es 45 davon im gesamten Brandenburg. Das Haus von Annemirl Bauer fällt nicht nur durch die davorstehende Gedenktafel, sondern auch durch die Gemälde an den Giebeln auf. So hängt am Giebel des ehemaligen Stallgebäudes das „Bild einer hergezogenen“, ein Selbstbildnis der Malerin. So konnte jeder sehen, wer dort wohnte.
Im verwunschenen Künstlergarten erwartet die Besucher*Innen ein liebevoll angerichtetes Buffet mit kulinarischen Köstlichkeiten aus Blumen und Kräutern.
31.08.2025, ab 14.00 Uhr
Veranstaltungsort: Annemirl-Bauer-Haus, Dorfstraße 10, 14822 Niederwerbig
Teilnahmebeitrag: 12 Euro
Anmeldung: info@landseminare.de
(Fotos: © Archiv Annemirl Bauer)
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Eine Antwort
Toller Artikel! Was für ein unglaubliches Leben, was für ausdrucksstarke Werke, die Geschichte ausdrücken. Nicht zu verstehen, dass Annemirl Bauer nicht so bekannt war, wie sie es hätte sein sollen, weil sie einfach die beste Künstlerin weit und breit war. Die Mutigste! Schön und so begabt! Ich muss natürlich dabei sein.