Bad Belzig. Seit 1999 werden Denkmäler des Monats ausgezeichnet. Inzwischen ist man bei Nummer 311.

Organisiert wird alles von der Arbeitsgemeinschaft historische Stadtkerne, die am 22. Mai 1992 gegründet wurde, und der 31 Städte des Landes Brandenburg angehören. Ihr Ziel ist es, die historischen Stadtkerne vor dem Verfall zu retten, die historische Bausubstanz zu bewahren, mit neuem Leben zu füllen und dabei den hohen Ansprüchen des städtebaulichen Denkmalschutzes Rechnung zu tragen.
Auch Bad Belzig beteiligt sich seit vielen Jahren, wie Jens Schulze vom Bauamt erklärt, denn es muss sich beworben werden. So waren in Bad Belzig zum Beispiel bereits die Zisterne und der Brunnen auf Burg Eisenhardt und auch das Reißiger Haus Denkmal des Monats. Für das kommende Jahr steht der Markplatz im Fokus für eine Bewerbung. In diesem Jahr wurde die Wiesenburger Brücke Denkmal des Monats. Auf einer Veranstaltung unter der Brücke wurden unter großem Interesse der Bevölkerung Urkunde und Plakette von Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung in Potsdam, an Bürgermeister Robert Pulz übergeben. Zusätzlich erfuhren die Anwesenden viel Interessantes über die Geschichte der Brücke von Ortschronistin Monika Schwarz.
Die Brücke verbindet die Altstadt mit dem umliegenden Gebiet. Sie überspannt den alten Stadtgraben und befand sich in der Nähe des ehemaligen mittelalterlichen Stadttors in Richtung Wiesenburg. So ganz genau kann man das Baujahr nicht feststellen. Die älteste erhaltene Darstellung stammt von Albert Baur. Er zeichnete das Bauwerk 1836, damals hatte die Brücke noch zwei Bögen.

Die historische Altstadt von Belzig wurde früher von einem Wall und einem Mauerbereich mit einem vorgelagerten Stadtgraben geschützt. Diese Verteidigungsanlagen wurden an verschiedenen Stellen von Stadttoren unterbrochen. Das mittelalterliche Stadttor in Richtung Wiesenburg, es wurde 1843 abgerissen, wurde durch eine vorgelagerte Brücke über den Stadtgraben mit der Umgebung verbunden. Die Gasthöfe „Zum Adler“ (heute Sitz des DRK) und „Zum Goldenen Löwen“ (heute Wohnhaus, aber viele Jahre immer noch Gasthof) lagen stadtauswärts links und rechts der Straße direkt hinter der Brücke. Sie luden etwa seit 1870 vor oder nach dem Marktbesuch in der Altstadt zur Rast ein. Daneben befanden sich vor allem Scheunen. Im dreißigjährigen Krieg wurde die Mauer zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Früher führte der Burggraben auch Wasser. Da es aber immer wieder zu Überschwemmungen kam, wurde 1966 der Bach etwa auf Höhe der Wallstraße verrohrt und tritt unterhalb der Kirche wieder ans Tageslicht. In Erinnerung geblieben sind die extremen Hochwasser aus den Jahren 1907, 1928/29 und vor allem das aus dem Februar 1940. Teilweise stand das Wasser bis über den Brückenbogen und überflutete die gesamte Brücke. Zu Zeiten, als die Brücke noch nicht gepflastert war, kamen besonders die Fuhrwerke und Last wagen kaum in die Stadt.
Auch die Umgebung der Brücke wurde nach und nach erweitert. So begann man 1894 mit dem Bau des Landratsamtes und 1896 mit dem Bau des Postamtes. Aber die Brücke war auch sehr schmal und vor allem schräg gepflastert. So sammelten sich Schmutz und Wasser bei schlechtem Wetter immer wieder in der Mitte. Das war ein Problem besonders zu den Markttagen. Dann waren, so wurde es festgehalten, immerhin 8.350 Fußgänger und 255 Fuhrwerke auf dem Weg in die Stadt, dazu kamen Karren und anderes. 1900 bewilligte die königliche Regierung 11.000 Mark zur Verbreiterung der Brücke. In diesem Zuge erhielt sie auch eine bessere Pflasterung. Den Bitumenbelag erhielt sie erst 2001/2002, als auch die Gehwege erneuert wurden. Ein besonderes Merkmal ist auch die offene Gestaltung. So hat sie ein leichteres Aussehen und man kommt sich nicht vor wie in einem Tunnel.
(Artikelfoto: Auszeichnungsveranstaltung unter der Wiesenburger Brücke)
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