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Stephan Krawczyk gibt Konzert in Wiesenburg

Wiesenburg. Stephan Krawczyk kennen viele als einen Aktiven der DDR-Bürgerbewegung. Wegen seiner kritischen Liedtexte geriet er ins Visier der Stasi, wurde verhaftet und musste letztlich die DDR gegen seinen Willen verlassen. Am 25. Oktober um 19 Uhr tritt er in der Kunsthalle Wiesenburg auf.

Dabei war sein Weg als Liedermacher und Schriftsteller absolut nicht vorgezeichnet. Stephan Krawczyk wurde 1955 in Weida in Thüringen geboren. Seine Eltern waren Kriegsflüchtlinge aus Schlesien und musikalische Erziehung stand nicht unbedingt im Mittelpunkt bei der Familie. Mit 14 Jahren bekam er erstmals eine Gitarre in die Hand. „Es war am ersten Weihnachtsfeiertag. Ich nahm die Gitarre und spielte auf Anhieb Hänschenklein auf der E-Seite“, erinnert er sich heute schmunzelnd. Ich bin begabt, dachte sich der Junge und wünschte sich selbst eine Gitarre, die er auch bekam. Autodidaktisch lernte er das Instrument.

Nach Abitur und Armee studierte Stephan Krawczyk Konzertgitarre an der Franz-Liszt- Hochschule in Weimar und wird freiberuflicher Sänger. 1981 gewann er den nationalen Chansonwettbewerb der DDR „für hervorragende  künstlerische Gesamtleistung“. Drei Jahre später zog er nach Berlin. Nachdem er anfangs Texte anderer vertonte, begann er dann, auch selbst zu schreiben.

Aber worüber sollte er schreiben? In der DDR gab es viele Tabu-Themen wie Reisefreiheit oder Meinungsfreiheit. Das integrierte Stephan Krawczyk in seine Texte und kam damit beim Publikum gut an. Einige dieser Lieder singt er heute noch. Später, in den neunziger Jahren, begann Stephan Krawczyk auch Prosa zu schreiben. Für seine Erzählung „Mein Vater“ erhielt er den Bettina-von-Arnim-Literaturpreis. Es folgen drei autobiografische Romane, das erste mit dem Titel: Das irdische Kind.

Von 1978 bis 1983 war Stephan Krawczyk Mitglied der Folk-Gruppe Liedehrlich. Das Platten-Label Amiga veröffentlichte eine Schallplatte von Liedehrlich, was unter den Verhältnissen in der DDR einer Anerkennung als Staatskünstler gleichkam. Doch er entschied sich für einen anderen Weg. Nach seinem Umzug nach Berlin 1984 befreundete er sich mit der Theaterregisseurin Freya Klier. 1985 wurde ihm die Berufserlaubnis mit der Begründung entzogen, er würde weder über künstlerische, noch moralische Fähigkeiten verfügen. In Wahrheit passten seine Texte den DDR-Oberen nicht ins Konzept. Seiner Lebensgefährtin erging es ebenso. Sie durfte  nicht mehr inszenieren. „Wir waren ein Paar mit Berufsverbot“, erzählt er. Aber wir lassen uns nicht vertreiben, waren sich beide einig. So blieben als einzige Auftrittsmöglichkeiten die in den Kirchen.

Die Stasi beobachtete beide auf Schritt und Tritt, es gab sogar einen Mordanschlag mit Nervengift. 82 Spitzel waren auf das Paar angesetzt. 1988 wurde Stephan Krawczyk verhaftet, er hatte an einer offiziellen Demonstration teilgenommen und eine Rücknahme des Berufsverbots gefordert. Man stellte ihn vor die Wahl – Zwölf Jahre Gefängnis oder Ausreise. Letzteres wollte er eigentlich nicht, aber sein Anwalt, ebenfalls ein „IM“ der Stasi, wie sich herausstellte, tat seinen Teil dazu, dass sich Stephan Krawczyk 1988 für die Ausreise entschied. Erst am 2.12.1989 durfte er erstmals wieder in die DDR einreisen.

Heute spielt die DDR für Stephan Krawczyk keine Rolle mehr in seinen Liedern. Es gibt ausreichend andere Themen, die er aufgreifen kann. Die Zuhörer sind immer wieder begeistert von seinen Auftritten. Seine Texte und auch die Prosa, die er darbietet, regen nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen an. Und wenn die Konzertbesucher am Ende sagen: Sie haben uns glücklich gemacht – ist das für Stephan Krawczyk der schönste Lohn.

Die Menschen glücklich machen will Stephan Krawczyk nun auch mit seinem Benefizkonzert für den Wiesenburger Park. Denn seit kurzem lebt er auf dem Wiesenburger Schloss. Stephan Krawczyk ist sehr naturverbunden und wollte raus aus Berlin. Durch eine Bekannte wurde er auf Wiesenburg aufmerksam und war sofort begeistert. Nicht nur vom Schloss, sondern auch vom Park. Mit seinem Konzert will Stephan Krawczyk einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Anlage leisten. Die Besucher dürfen sich nicht nur auf Lieder zur Gitarre freuen, Stephan Krawczyk spielt auch Bandoneon und Maultrommel.

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