Felder bei Reetz, Windpark Reetz. Reppinichen

Schwere Geburt bei Beschlüssen zum Windpark – Gemeindevertretung Wiesenburg fällt erste Entscheidungen

Wiesenburg/Mark.Nachdem das Projekt Windpark noch einmal in den betroffenen Orten – Reppinichen, Reetz und Reetzerhüttenbei den öffentlichen Ortsbeiratssitzungen vorgestellt wurde, war nun die Gemeindevertretung Wiesenburg an der Reihe.

Zwei Beschlüsse standen zur Debatte. Der eine zur Bürgerbefragung, der andere zum Verteilungsschlüssel der gesetzlichen Abgaben.

Zu beiden gab es noch einmal intensiven Gesprächsbedarf. So wies Claus Wichmann von der Bürgerinitiative „Naturpark statt Windpark“ darauf hin, dass die genannten Zahlen doch recht optimistisch seien. Auch sei aus seiner Sicht die Kommunikation der Gemeinde nicht unbedingt ergebnisoffen gewesen. Der Windpark stehe im Konflikt mit der jahrzehntelangen Entwicklung des Naturparks. Außerdem ist die Errichtung außerhalb eines Windvorrangsgebietes vorgesehen. Dabei kam auch das geplante Gesetz der Landesregierung zur Sprache. In diesem sollen Windparks nur noch in dafür ausgewiesenen Gebieten errichtet werden dürfen. Diesen Punkt konnte Bürgermeister Marco Beckendorf entkräften, denn das gilt nur für Kommunen, die noch keinen Regionalplan haben. Diesen hat Wiesenburg jedoch. Trotz der sehr konträren Interessenlage verliefen, abgesehen von ein paar taktischen Fouls, die Gespräche insgesamt sehr fair ab.

Gemeindevertretung Wiesenburg,
Gemeindevertretung Wiesenburg

Zum Verständnis erläuterte Johannes Blatt noch einmal den jetzigen Planungsstand. Seit etwa einem Jahr hat sich eine Arbeitsgruppe mit dem Thema beschäftigt und Grundlagen ausgehandelt. Ja, man sei sich durchaus bewusst, dass das Areal kein Windvorrangsgebiet sei. Deshalb müsse die Gemeinde auch Baurecht schaffen. Und man sehe auch, dass es für die Bewohner der betroffenen Ortschaften ein tiefer Einschnitt sei, nicht nur in die Natur, sondern auch in das Leben. Und so sei die Verteilung der gesetzlich festgelegten Einnahmen auch nicht spekulativ.

Um weiter arbeiten zu können – oder eben auch nicht – gibt es demnächst eine Bürgerbefragung. Diese erfolgt per Briefwahl. Stimmberechtigt sind alle Einwohner, die zum 1. Januar 2026 sechzehn Jahre alt sind und ihren Hauptwohnsitz in Reppinichen, Reetz oder Reetzerhütten haben. Stichtag ist der 13. März. Die Auszählung erfolgt öffentlich. Die Frage nach der Sicherheit der Wahl beantwortete Kämmerin Kornelia Feldmann mit einem klaren JA.

Nicht ganz einige war man sich jedoch bei den Auswahlpunkten auf den Stimmzetteln. Ja oder nein war klar, jedoch nicht der dritte Punkt. Dieser sollte für diejenigen sein, die sich nicht entscheiden können oder denen das Thema nicht wichtig ist. Die Energie-AG hatte als Auswahlmöglichkeit vorgeschlagen: die Gemeindevertretung soll entscheiden. Das stieß auf Widerstand und man einigte sich schließlich auf die Formulierung: ich stehe dem Vorhaben neutral gegenüber.

Auch der Verteilungsschlüssel für die Abgaben fand nicht bei allen Zuspruch. Im Verhältnis 80:20 sollen die betroffenen Orte mit 80 Prozent bedacht werden, 20 Prozent verbleiben in der Gemeinde. Einige befürchten eine Spaltung in Orte erste und zweiter Klasse. Marco Beckendorf erklärte dazu, dass das EEG ausdrücklich sagt, dass das Geld für die betroffenen Orte einzusetzen ist. „Es wird sicher nicht für goldene Bürgersteige verwendet“, so der Bürgermeister:

„In allen drei Orten besteht erheblicher Verbessrungsbedarf bei der Infrastruktur.“

Martin Bauer, Geschäftsführer vom Landgut Reppinichen, wies noch einmal darauf hin, dass der Verteilungsschlüssel bereits öffentlich kommuniziert wurde. „Wenn wir jetzt etwas ändern, werden wir unglaubwürdig“, so Bauer. Immerhin ist er das Ergebnis monatelanger Beratungen.

Beide Beschlüsse wurden angenommen, wenn auch letzterer nicht einstimmig. Acht Gemeindevertreter stimmten mit ja, vier mit nein, einer enthielt sich. Nun gilt es, das Ergebnis der Bürgerbefragung abzuwarten. Die Gemeinde hatte im Vorfeld kommuniziert, sich daran zu halten und dem Bürgerwillen zu folgen. Erst dann kann die Arbeit mit der Schaffung von Baurecht und auch einem städtebaulichen Vertrag weiter gehen. Dieser kann dann auch nach Terminabsprache eingesehen werden.

(Artikelfoto: Das Für den Windpark vorgesehene Areal, von Reetz aus gesehen)

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11 Kommentare

  1. Man kann nur hoffen, dass die Bürger*Innen in der Bürgerbefragung dem Projekt im Landschaftsschutzgebiet, das nur durch die wahnsinnige Gesetzesänderung von Habeck 2022 (BNatSchG Par. 26 Abs. 3) möglich ist, eine Absage erteilen. Immerhin hat die Gemeinde Wiesenburg eine Bürgerbefragung zugelassen, Bürgermeister Dr. Pulz bzw. die Stadtverordneten in Bad Belzig lassen dies nicht zu und gehen über die Bürger hinweg, was definitiv eine Schande ist!

  2. Schade, dass die Gemeindevertretung den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan ernsthaft in Betracht zieht. Seit Dezember 1997 gibt es den Naturpark. Sehr viele Projekte sind seitdem im privaten und öffentlichen Bereich realisiert und haben die Attraktivität unserer tollen Natur- und Kulturlandschaft zur Grundlage. Mit den Beispielen Bad Belzig und Wiesenburg/Mark sind weiteren Begehrlichkeiten Tür und Tor geöffnet. Wenden sich nun beide Kommunen vom Erhalt und der weiteren Entwicklung des Naturparks ab? Wenn kein Windvorranggebiet, warum wurde dann überhaupt die Schaffung von Baurecht in Betracht gezogen? Und warum wurden nicht die umgesetzten Aktivitäten der letzten fast 3 Jahrzehnte und die mit den Windparks verbundenen „Beschädigungen“ gegenübergestellt?

    1. Sagt die Frau, die mir 2005 versprochen hat, das der Truppenübungsplatz Altengrabow nicht wieder reaktiviert wird und ich mein ganzes Geld, Zeit und Leben in ein Haus mit Grundstück investiert habe, um jetzt neben einem NATO Truppenübungsplatz zu wohnen, auf dem seit 2019 auch mit Haubitzen geschossen werden darf.

      1. Herr Seliger,

        was ist Ihr Problem? Wir leben in einer anderen Zeit. Vor über 20 Jahren hätte niemand erwartet das alles so kommt, wie es nun gekommen ist.
        Davon abgesehen, selbst Frau Klembt ist sicher nicht davon ausgegangen, zumal es auch nicht in ihrer Zuständigkeit fällt über solch ein Thema zu entscheiden.
        Des Weiteren ist niemand gezwungen dort zu bleiben, wo es einen nicht gefällt. Der große, große Vorteil einer freien, demokratischen Welt 🙂

    1. Die gehört dort genauso wenig hin, wie irgendwelche Windräder.

      Sind wir doch mal ehrlich, wenn man dort nicht wohnen muss und Geld in Aussicht gestellt bekommt. Wem interessieren dann die paar Deppen, die dort wohnen? Richtig niemanden…

  3. „Die Gemeinde hatte im Vorfeld kommuniziert, sich daran zu halten (an das Ergebnis der Bürgerbefragung) und dem Bürgerwillen zu folgen“ – wie kann die Verwaltung das zusagen?
    Ist es nicht so, dass am Ende die Gemeindevertreter frei entscheiden? Die Bürgerbefragung kann lediglich dazu dienen, bei der Entscheidungsfindung zu helfen, aber letztendlich bindend ist das Ergebnis für keinen Gemeindevertreter.

  4. Am21.02.2026 war ich auf der letzten Informationsveranstaltung vor Briefwahlabstimmung der BI in Reetz. Es war für mich sehr erschreckend zu sehen, mit wieviel Unwissen Wiesenburg die Gemeinde zu einem positiven Bild des Investoren-Projekts zu einer für sie positiven Abstimmung manipuliert. Hier geht es nicht um erneuerbare Energien, es geht ausschließlich um Geld. Geld, was Wiesenburg möglicher Weise versenkt hat und deshalb dringend braucht. Als Beobachter dieser letzten Vorträge bleibt mir nichts anderes übrig als auf meiner inoffiziellen Webseite „agers.world“ einige aufklärende Zeilen zu hinterlassen. Wie viele andere Betroffene hoffe ich, der Zug ist noch nicht abgefahren und das Profiteur Projekt kann noch abgewendet werden.

  5. Ist doch super. Der Naturpark wird abgeschafft! Dann können wir gleich noch einen richtigen Wirtschaftsstandort aus der Region machen. Am besten 6 neue Wohngebiete, 2 neue Industriegebiete, direkte Autobahnanbindung und vieles Mehr!!! Natur ist sowieso schei**, die braucht der Mensch ja nur zum Überleben.

    Lasst uns einfach alles betonieren! Den kann man auch grün anstreichen.

  6. So, Wahl ist durch, die Reetzer sagen mehrheitlich nein und ausgerechnet der Reetzer Ortsbeirat will, den Willen der Bürger ignorieren und dennoch dafür stimmen… 😀 sich dann, aber wundern, warum immer mehr die AfD wählen. Genau wegen solcher Politik, liebe Leute…

    Wenn die Bürger schon befragt werden, wenn auch nicht bindend, dann sollte man sie dennoch nicht ignorieren! Das macht Demokratie nun mal aus, wir müssen nicht alle einer Meinung sein, aber die Mehrheiten auch einfach mal akzeptieren!

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