Jürgen Ast stellt seinen Dokumentarfilm in Rädigke vor
Rädigke. Stelle dir vor, du könntest mit Hilfe einer Zeitmaschine in das ganz normale Leben der Menschen von vor über 80 Jahren eintauchen – ohne das Wissen von heute, ohne die üblichen Politikerreden, ohne Wertungen von Experten. Was haben diese Menschen tagsüber getan und am Abend in Ruhe niedergeschrieben? Ihre Lebensgeschichte, ihre Gefühle, Hoffnungen und Ängste? Du erfährst es – da sie nicht mehr am Leben sind – aus erster Hand dank ihrer Tagebücher.
Daniel und Jürgen Ast (sowie Eva Röger) haben darüber einen 4-Teiler produziert. Einen Zusammenschnitt von 90 Minuten präsentiert der Niemegker Jürgen Ast nun in der Fläming-Bibliothek im Gasthof Moritz in Rädigke am 17. März 2026. Die Produzenten unterlegen die Tagebuchnotizen nicht nur mit historischen Filmsequenzen sondern arbeiten – wie schon beim Stalin-Film – mit den Mitteln der graphic novel. Der Animationszeichner Vincent Burmeister gibt dadurch den sieben Protagonisten eine Lebendigkeit, die mehr zeigt als nur ein altes Foto. Er macht buchstäblich die Gedanken sichtbar.
Da im Film die gesamte Zeitspanne des Krieges von 1939 bis 1945 beleuchtet wird, ist die Darstellung von Entwicklungen möglich. Was haben die Menschen damals gedacht? Wer glaubte an die große Zukunft? Gab es Enttäuschungen? Wer machte Kompromisse, um zu überleben? Wer litt und wer profitierte?
Da ist der Soldat, der gleich am Anfang des Krieges eingezogen wird und an verschiedenen Fronten kämpfen muss. Da ist das BDM-Mädchen, der erst spät bewusst wird, dass sie Halbjüdin ist. Da ist der kritische Lokalpolitiker, der alles aus der Distanz sieht. Da ist der Nazi, der bis zuletzt an den Endsieg glaubt und der Jude, der nicht aus Deutschland fliehen will und an das Gute glaubt.
Die Filmemacher erheben nicht den Zeigefinger, kommentieren nur spärlich, lassen die Tagebücher und Bilder sprechen. Und gerade in der heutigen angespannten Situation sollten wir über solche gezeigten Themen nachdenken wie Radikalisierung der Gesellschaft, Demokratieabbau, Ausgrenzung von Minderheiten, laute populistischen Parolen.
Filmvorführung „Hitlers Volk – Ein deutsches Tagebuch“
incl. Diskussion mit Jürgen Ast
Fläming-Bibliothek im Gasthof Moritz, Rädigke
DI 17.03.26, 19:00 Uhr
Eintritt: € 10,00
Anmeldung bei Doris Moritz erwünscht: 033848 60292
vorher Büfett möglich
(Foto: © astproduction)
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