Andreas Bruns

„Da sind kreative Lösungen gefragt.“ – Kreistagsmitglied Andreas Bruns aus Bardenitz im Gespräch

Potsdam-Mittelmark, Bardenitz. Andreas Bruns aus Bardenitz ist seit dem 1. Februar 2026 für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Kreistages Potsdam-Mittelmark. Er ist Jahrgang 1960, Pfarrer, Unternehmer und Familienvater. Seit über 20 Jahren ist er zudem Stadtverordneter in Treuenbrietzen. Mit ihm sprach Jonathan Summer über seine ersten Erfahrungen auf Kreisebene, Transparenz und Kommunikation sowie die aktuellen Herausforderungen der Kreispolitik.

Jonathan Summer: Herr Bruns, Sie sind Anfang des Jahres auf der Liste von Bündnis 90/Die Grünen in den Kreistag Potsdam-Mittelmark nachgerückt und damit im höchsten kommunalpolitischen Gremium des Landkreises Potsdam-Mittelmark Mandatsträger. Hatten Sie Zeit, sich darauf vorzubereiten?

Andreas Bruns: Die Nachricht hat mich ebenso überrascht wie auch gefreut. Ich wusste gar nicht, dass ich in der Wählergunst so weit oben auf der Liste stand, dass ich als Nachrücker nun die Ehre habe. Da man ja nicht selbstgefällig sein möchte, habe ich mich dann gefragt, ob nicht eine junge, engagierte Person geeigneter wäre. Nach Gesprächen in der Ortsgruppe und Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hier in Treuenbrietzen war für mich schnell klar: Ich nehme das Mandat an. Zeit zum Vorbereiten hatte ich nicht. Als Stadtverordneter ist der Kreistag ein Gremium, der jedes Jahr damit droht, die Kreisumlage zu erhöhen oder den öffentlichen Nahverkehr zu reduzieren, und so nicht immer im guten Licht dastehend. Es braucht noch einige Zeit, bis ich meinen aktiven Platz dort gefunden habe. In meiner Fraktion habe ich humorvolle, geistreiche und engagierte MitstreiterInnen. Das hilft.

Jonathan Summer: Sie sind schon einige Jahre Stadtverordneter in Treuenbrietzen und kommunalpolitisch kein unbeschriebenes Blatt. Was bringen Sie in die Arbeit des Kreistages mit ein?

Andreas Bruns: Zu den Grünen kam ich über die christliche Umwelt- und Friedensbewegung, die Bürgerbewegung „Stadtforum“ hier in Treuenbrietzen und Bündnis 90.
Vor über 20 Jahren war ich mal der jüngste Stadtverordnete. Zur Eröffnung der konstituierenden Sitzung nach den letzten Kommunalwahlen hatte ich die Ehre, als Alterspräsident die Sitzung zu eröffnen. Hier in meinem Dorf Bardenitz, meiner Stadt Treuenbrietzen, möchte ich zeigen, dass man auch jenseits des 65. Lebensjahres immer wieder als Grüner wählbar ist. Der Wähler tut der Umwelt-Partei gerade in der ostdeutschen Provinz oft Unrecht. Einbringen möchte ich meine Erfahrung aus dem Kontext meiner ländlichen Umgebung.

Jonathan Summer: Aus Treuenbrietzen gibt es mit Frau Schmollack (CDU) und Herrn Müller (Freie Wähler) bereits zwei Kreistagsabgeordnete. Nun sind Sie zu dritt, und Treuenbrietzen ist damit stark vertreten. Sprechen Sie drei sich bei Angelegenheiten, die Treuenbrietzen betreffen, ab?

Andreas Bruns: Ohne ein Zusammenwirken mit anderen demokratischen Kräften wird im Interesse von Stadt und Kreis gar nichts erreicht. Obwohl wir unsere Parteien oft gegenseitig überhaupt nicht schätzen, schätzen wir uns doch als Menschen und Nachbarn in unserer Stadt. Überhaupt vertrete ich die Meinung, dass Parteien in der Kommunalpolitik nicht die große Rolle spielen sollten.
Wir alle sind gewählt worden, weil man uns als engagierte Bürger in Vereinen, Kirchen oder beim Sport kennengelernt hat. Im Kreistag sind wir schon gut aufeinander zugegangen und können uns gut vorstellen, parteiübergreifend ‚was für unsere Stadt Treuenbrietzen zu bewegen.

Jonathan Summer: Abbau des ÖPNV-Angebotes (Öffentlicher-Personen-Nahverkehr), geplante Erhöhung der Kreisumlage, Stellenabbau in der Verwaltung: Der Landkreis steht vor großen Herausforderungen. Wie waren die ersten Sitzungen für Sie, und wie stehen Sie zum Beispiel zum Abbau des ÖPNV-Angebotes, zudem es ja auch eine Petition mit 3.000 Unterschriften gab?

Andreas Bruns: Kürzungen sind nie attraktiv, aber wenn man eine gut formulierte Aussage des Landrates ablehnt, dann sollte man sich als Abgeordneter auch Gedanken machen, wie man selbst mit so manchen Haushaltsdefizit umgehen würde, angenommen man säße auf der anderen Seite des Schreibtisches. Nein zu sagen ist leicht, zu sagen, wie es besser geht, ohne Einnahmen zu erhöhen, fällt viel schwerer. Die Mittel für den ÖPNV sollen ja gar nicht reduziert werden, nur die Kosten steigen und deshalb soll eingespart werden. Ich sehe den Bedarf, aber ich sehe auch leere Busse, die weite Strecken übers Land fahren. Grüne Verkehrspolitik bleibt jedoch dem öffentlichen Verkehr gegenüber verpflichtet, anstatt den Individualverkehr zu stärken. Da sind kreative Lösungen gefragt.

Jonathan Summer: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für den Landkreis Potsdam-Mittelmark?

Andreas Bruns: Aufgaben gibt es viele, die hier zu erörtern würde das Interview sprengen. Wichtig ist es, den Bürgern ein Bild zu geben, dass sie motiviert, an den Prinzipien unserer Demokratie festzuhalten, sich nicht frustriert jeglicher staatlicher Ordnung abzuwenden und den politischen Rändern noch mehr Gewicht zu geben.

Jonathan Summer: Welches Vorhaben oder Projekt ist Ihnen besonders wichtig, das Sie auf Kreisebene anstoßen wollen?

Andreas Bruns: Auch hier gibt es viele Aufgaben, die weiter verfolgt und ausgestaltet werden müssen. Zum Beispiel die bessere Integration von Geflüchteten und Zuwanderern in die Gesellschaft. Den schnellen Weg ins Arbeitsleben dieser Menschen pragmatisch zu gestalten, dass muss konsequenter erfolgen. Arbeit ist die beste Integration. Auch muss der Weg in die Bürgergesellschaft unserer Mitbürger vorangetrieben werden. Das als Hilfe zur Selbsthilfe. Ja, Integration ist keine Einbahnstraße, man muss auch von der andere Seite Leistungen erwarten dürfen.

Jonathan Summer: Sie sind Arbeitgeber, Vermieter und Tischler, verstehen Sie sich als Stimme des Handwerks im Kreistag?

Andreas Bruns: Da besteht die Frage, ob die Kreishandwerkerschaft sich von einen Grünen-Kommunalpolitiker als Sprecher vertreten lassen möchte? Wichtig ist, dass sich die ganze Bandbreite, auch der Berufe und Lebenswege in den Vereinen, Verbänden und Parlamenten, wieder findet. Ja, Handwerker sollten ihre Wichtigkeit auch dort darstellen, denn sie sind wichtig und sollten nicht alle Entscheidungen den Juristen überlassen.

Jonathan Summer: Sie haben einen Studienabschluss der Angewandten Kunst, waren als Innenarchitekt tätig und haben schon einmal einen Designförderpreis bekommen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Sie auch einen Blick für das Schöne und Filigrane haben. Wie können Sie diese Perspektive in die bürokratische und manchmal ausschließlich rational betrachtetet Kreispolitik einbringen?

Andreas Bruns: Kultur in all ihrer Bandbreite macht uns doch erst zum Menschen. Da hilft es nicht zu sagen: Das ist eine freiwillige Aufgabe, die nur Geld kostet und nichts einbringt. Es ist wichtig, dass dieser Aspekt mit einem Budget im Haushalt unseres Landkreises fest eingestellt wird. Da darf nicht gekürzt werden! Volkshochschulen und unsere Kreismusikschule müssen solide finanziert werden, und die vielen ehrenamtlichen Initiativen brauchen auch die Unterstützung für ihre wertvolle Arbeit.

Jonathan Summer: Die Kreisverwaltung gilt gemeinhin als Black Box, behäbig und wenig serviceorientiert. Viele Einwohner wissen gar nicht, wofür der Kreis zuständig ist. Was sagen Sie Einwohnern, wenn sie fragen, „Was macht ihr da eigentlich?“?

Andreas Bruns: Ja, diese Frage habe ich mir auch oft gestellt, aber sie nicht an meine Mandatsträger gerichtet. Kommunikation wird viel zu wenig ausgelebt. Ein Interview wie dieses ist doch ein guter erster Schritt. Ich bin gespannt, ob es eine Rückmeldung geben wird. Nur zu!

Jonathan Summer: Wie erfahren Ihre Wählerinnen und Wähler aus Treuenbrietzen, wie Sie sich in den Kreistag einbringen und welche Initiativen Sie starten?

Andreas Bruns: Gute Frage. Zum Teil ja schon von der vorherigen beantwortet. Wichtig ist mir ins Gespräch zu kommen, ganz unten anfangen mit der Familie, mit den Nachbarn, in den Vereinen und beim Sport. Es darf nicht so sein, dass man von seinen Kommunalvertretern immer erst dann hört, wenn Wahlen anstehen.

Jonathan Summer: Wenn Sie nicht als Stadtverordneter oder Kreistagsabgeordneter aktiv sind, wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Andreas Bruns: Neugier ist bekanntlich eine vorwärtsbringende Eigenschaft von uns allen. Dennoch werde ich Ihnen hier nicht alles verraten. In meiner kleinen Kirchengemeinde hier in Bardenitz, Pechüle und Klausdorf kennt man mich seit Jahren. Da ist es wichtig, präsent zu sein und dafür zu sorgen, dass man nicht noch kleiner wird. D.h. mit den Frommen und weniger Frommen hier in der Gemeinde Gemeinsamkeiten zu suchen und so jahrhunertealte gute Traditionen zu beleben, beziehungsweise am Leben zu erhalten. Kirche ist viel mehr als ein schönes, großes, erhaltenswertes Gebäude.
Außerdem habe ich einen großen Garten.

Jonathan Summer: Vielen Dank für das Interview.

(Artikelfoto: Andreas Bruns © privat)

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