Stadt Treuenbrietzen/Marzahna. Leidenschaftlich aktiv für die Dörfer: So könnte man Christiane Maares Engagement für den Ländliche Raum auf den Punkt bringen. Die 69-jährige gelernte Kostümbildnerin ist seit Februar 2026 Mitglied im Ortsbeirat Marzahna. Als parteilose trat sie mit fünf anderen Aktiven für die Bürgerinteressenvertretung Stadt und Dörfer (BIV) zur Kommunalwahl 2024 an. Die BIV erhielt 100 Prozent der gültigen Stimmen. Mit der rüstigen und jung gebliebenen Christiane Maares sprach Jonathan Summer über Kommunalpolitik und den Treuenbrietzener Ortsteil Marzahna.
Jonathan Summer: Frau Maares, Sie sind das neue Mitglied im Ortsbeirat Marzahna. Wie kam es dazu?
Christiane Maares: Der neue Ortsbeirat in Marzahna ist 2024 auf einer BIV-Liste angetreten, die ich als Mitglied der BIV gegründet habe. Wir stellten sechs Menschen aus Marzahna auf, um für den Fall eines Ausfalls eines gewählten Mitglieds des Ortsbeirats Nachrücker zu haben. Ins Amt gewählt wurden Sebastian Scharnagel, Mandy Griess und Anne Böhm, ich landete auf dem sicheren letzten Platz. Als Mandy Griess aus persönlichen Gründen im Februar dieses Jahres nach langer Überlegung ausschied, war Platz fünf weggezogen, Platz vier verzichtete und so war ich auf einmal auf Platz drei, also im Ortsbeirat.
Jonathan Summer: Ein unbeschriebenes Blatt sind Sie in Sachen Kommunalpolitik nicht. Sie haben schon reichlich kommunale Erfahrung. Wo engagieren Sie sich kommunalpolitisch?
Christiane Maares: Ich bin Mitglied im Sprecherrat des Dörfernetzwerkes Hoher Fläming und Mitglied in der BIV.
Jonathan Summer: Als Unterstützerin der Dorfbewegung Brandenburg haben Sie einen Blick über den Tellerrand hinaus. Was macht Ihre Arbeit dort so wichtig und interessant?
Christiane Maares: Als Mitglied der Dorfbewegung Brandenburg/Netzwerk lebendige Dörfer e.V treffe ich regelmässig Leute aus anderen Dörfernetzwerken Brandenburgs, entweder auf Veranstaltungen wie dem “Tag der Dörfer” oder dem “Parlament der Dörfer”, sowie online in diversen Arbeitsgruppen. Ich bin zum Beispiel in der AG Mobilität und der AG Demokratie.
Jonathan Summer: Was genau ist die Dorfbewegung überhaupt?
Christiane Maares: Die Dorfbewegung unterstützt seit 2015 Menschen in den Dörfern bei der Gestaltung ihres Lebensumfeldes. Wir fördern den Dialog zwischen Dorfakteuren, Politik und Fachöffentlichkeit. Wir bieten Wissensformate an, die zur Dorfentwicklung nützlich sind. Und wir tragen die Interessen der Dörfer in die Politik.
Die Dorfbewegung hat zum Beispiel erwirkt, daß Dörfern ein Ortsteilbudget zugesprochen wurde, wir haben die Änderung der Kommunalverfassung und die Umsetzung des Solar-Euros mit ermöglicht.
In der Dorfbewegung engagieren sich Menschen, die Zustände ändern wollen für die Leute auf dem Land, das kann Mobilität betreffen, Gesundheit, Gemeinsame Orte, Zukunft für die Jugend auf dem Land. Dorfbewegungen gibt es in ganz Europa, in Deutschland sind wir bisher die einzige.
Jonathan Summer: Sie sind für die Bürgerinteressenvertretung Stadt und Dörfer (BIV) gewählt worden, die mit 100 Prozent in Marzahna gewählt wurde. Wie sind Sie zur BIV gekommen?
Christiane Maares: Theo Herbert, Ortsvorsteher von Lühsdorf und auch im Sprecherrat Dörfernetzwerk Hoher Fläming, hatte mich eingeladen – und ich durfte mitmachen.
Jonathan Summer: Die BIV ist bei den Kommunalwahlen 2024 stärkste Kraft in Treuenbrietzen geworden. Wie schätzen Sie das starke Wahlergebnis der BIV ein?
Christiane Maares: Die BIV ist die Bürgerinteressenvereinigung der Menschen aus den Ortsteilen Treuenbrietzens, es gibt sie schon seit 2003. Die BIV, das sind Menschen aus den Dörfern, die sich für die Menschen in den Dörfern politisch engagieren.
Jonathan Summer: Was sind die größten Herausforderungen für Marzahna bis zum Ende der laufenden Wahlperiode?
Christiane Maares: Wir haben wenig eigenes Geld, es gibt immer wieder neue Baustellen, unser Dorfgemeinschaftshaus fällt mir da ein, wir müssen halt sehen, wie wir alles am Laufen halten.
Jonathan Summer: Haben Sie ein Lieblingsprojekt oder ein Vorhaben in Marzahna, dass Sie besonders voranbringen wollen?
Christiane Maares: Ich finde, wir haben eine gute Dorfgemeinschaft, feiern viele Feste gemeinsam, das ist Aufgabe genug. Den Status quo erhalten und wo es geht, Zustände verbessern. Die Mühle in Marzahna ist so ein großes Projekt, darum kümmert sich der Mühlenverein, der demnächst startet.
Jonathan Summer: Nach dieser Wahlperiode haben Sie auch als kommunale Mandatsträgerin Erfahrung gesammelt. Könnten Sie sich vorstellen, für die Stadtverordnetenversammlung zu kandidieren?
Christiane Maares: Die BIV hat viele sehr engagierte und auch junge Mitglieder, ich denke, die Jugend sollte das übernehmen.
Jonathan Summer: Marzahna hängt als Ortsteil von Treuenbrietzen immer auch von der Stadt und der Stadtverordnetenversammlung (SVV) ab. Was ist aktuell die größte Herausforderung von Treuenbrietzen und was wünschen Sie sich von der SVV?
Christiane Maares: Die finanzielle Lage der Kommunen ist sehr schwierig, wir bekommen vom Land nicht genug Geld, um alle anstehenden Aufgaben zeitnah anzugehen. In den Ortsteilen kommt entsprechend noch weniger an, wir haben das Ortsteilbudget und bekommen eine Umlage von den Erneuerbaren Energien, aber ohne Leader-Förderungen, die auch auf der Kippe stehen, wird es schwierig werden. Für Treuenbrietzen ist, glaube ich, eine der wichtigen Aufgaben die Sanierung der Oberschule. Schön wäre auch, wenn Treuenbrietzen Zukunft gestalten könnte.
Von der SVV wünsche ich mir, daß die Vertreter der einzelnen Parteien gemeinsam im Interesse der Zukunft Treuenbrietzens handeln.
Jonathan Summer: Der Bürgermeister von Treuenbrietzen, Robert Wildgrube, wurde auch von der BIV gestellt. Könnte man sagen, dass Sie einen direkten Draht ins Rathaus haben?
Christiane Maares: Ich kenne Robert Wildgrube natürlich, aber genauso kennen ihn viele Menschen aus den Dörfern. Er ist hier geboren und aufgewachsen und dementsprechend haben wir alle einen direkten Draht ins Rathaus.
Jonathan Summer: Wenn Sie nicht ehrenamtlich Kommunalpolitik machen, was machen Sie dann in Ihrer Freizeit?
Christiane Maares: Ich lese viel und bilde mich weiter, ich bin gern im Garten und im Fläming unterwegs.
Jonathan Summer: Vielen Dank für das Interview.

(Jonathan Summer | Artikelfoto: Christiane Maares unterwegs im Fläming © privat)
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