Beatrix Kimmel-Gedrim, Geschäftsführerin von Albakon

Beelitz: Fachkräfte fehlen, Wohnungen auch – ALBAKON hat eine Idee

Beelitz. Beelitz braucht Wohnraum – und die Firma ALBAKON, die alternative Balkonsysteme herstellt, braucht Mitarbeiter. Aus diesen beiden Problemen ist eine Idee entstanden, die sich ihren Weg in die Stadtverwaltung gebannt hat. Das Unternehmen will Wohnungen bauen – vorrangig für die eigene Mannschaft. Als positiver Nebeneffekt würde aber auch Wohnraum für den freien Wohnungsmarkt entstehen.

Der im Juli von der ALBAKON GmbH beim Bauamt eingereichte Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Schlunkendorfer Straße 10 in Beelitz war am 23. September das Hauptthema bei der Ortsbeiratssitzung Beelitz im Rathaus. Die Geschäftsführerin des Balkonherstellers, Beatrix Kimmel-Gedrim, hat bei dem Gremium für ihr Vorhaben geworben.

Beatrix Kimmel-Gedrim, Geschäftsführerin von Albakon
Die Geschäftsführerin von Albakon, Beatrix Kimmel-Gedrim (40) will neuen Wohnraum schaffen

20 Prozent weniger Angestellte

Der Ideentreiber war der andauernde Fachkräftemangel. „Früher hatten wir über 41 Mitarbeiter, jetzt sind es noch 34. Wir möchten wieder mehr Angestellte haben“, sagt die Geschäftsführerin:

„Das hat auch mit dem Mangel am bezahlbaren Wohnraum zu tun.“

Passende Bewerber gäbe es schon, sie fänden aber keine adäquate Wohnung:

„In Beelitz-Heilstätten kostet der Quadratmeter 18 Euro“, sagt Kimmel-Gedrim.

Aus dieser Not entstand die Idee, selbst Wohnraum zu schaffen und zwar unter diesem hohen Preisniveau. „Das ist im Moment sehr schwierig, weil die Baukosten durch die hohen Energiepreise explodieren“, so Kimmel-Gedrim:

„Aus diesem Grund sind auch jegliche Investitionen der Stadt und der Länder zurückgeschraubt worden.“

Ein großer Vorteil der Albakon-Lösung ist: Der Firma gehört neben dem Geschäftsareal auch ein 1,5 Hektar großes Grundstück – die Kosten des Erwerbs fallen also weg.

„Wir wollen den dörflichen Charakter des Ortes beibehalten“

Maximal 40 Wohneinheiten möglich

Derzeit lässt sich noch nicht seriös sagen, wie viele Wohnungen auf dem Gelände entstehen könnten. Eins ist aber sicher: „Es muss ein Wohnprojekt sein, was sich rentiert“, sagt die Unternehmerin. Das funktioniere nur mit einer entsprechenden Zahl an Wohnungen. In der Theorie könnten dort bis zu 40 Wohneinheiten entstehen, aber schon mit der Hälfte könnte das Bauprojekt vermutlich rentabel werden.

Das erste Konzept sieht eine aufgelockerte Bebauung mit Mehrfamilienhäusern aus je vier bis acht Wohneinheiten sowie Einfamilien- und Doppelhäusern vor. Architektonisch soll sich die Siedlung an ortstypische, dörflich geprägte Bauweise orientieren, mit größeren Gartenflächen sowie großzügigen Spielplätze, Grünflächen und Aufenthaltsbereichen. Auch Garagen und PKW-Stellplätze innerhalb der Baugrenzen sind vorgesehen.

Dorfcharakter und große Wohnungen

„Wir wollen den dörflichen Charakter des Ortes keinesfalls zerstören, es soll auch so bleiben. Das ist ja schließlich, was die Gegend attraktiv macht und wir wollen ja Menschen anziehen“, sagt Kimmel-Gedrim:

„Am Ende ist das eine Investition, und die Wohnungen müssen vermietbar sein.“

Mit 100 bis 120 Quadratmetern sollen sie auch relativ groß sein und damit für Familien mit Kindern attraktiv sein.

Sie beschreibt den aktuellen Stand ihres Vorhabens bewusst als Ideensammlung. Erst wenn Stadt, Politik und Vorhabenträger ihre Vorstellungen zusammengetragen haben, könne daraus ein belastbares Modell entstehen.

Wohnen und Gewerbe nebeneinander

Eine Besonderheit des Vorhabens bleibt die Lage: Das geplante Wohngebiet grenzt unmittelbar an das Gewerbegelände von ALBAKON. Auch deshalb muss im weiteren Verfahren geklärt werden, wie Wohnnutzung und Gewerbebetrieb miteinander vereinbar sind. Das Nutzungskonzept sieht unter anderem Grünflächen und eine Bepflanzung als Übergangsbereich zu den gewerblich genutzten Flächen vor.

Noch ist außerdem offen, ob das Areal als Mischgebiet mit Schwerpunkt Wohnen, als allgemeines Wohngebiet oder sogar als reine Wohnbaufläche ausgewiesen wird. Die Planunterlagen favorisieren inzwischen ausdrücklich eine überwiegende beziehungsweise ausschließliche Wohnnutzung.

„Wir brauchen Partner“

Ein Projekt dieser Größe könnte das Unternehmen allerdings nicht alleine stemmen. „Wir brauchen dafür Partner“, sagt die 40-Jährige. Welche Partner das sein könnten und wie diese sich beteiligen, sei derzeit noch offen. Zunächst gehe es darum, die Idee in den politischen und planerischen Prozess einzubringen und gemeinsam zu prüfen, was auf dem Grundstück möglich ist.

Baracke in der Schlunkendorfer Straße 10 in Beelitz
Schlunkendorfer Straße 10 in Beelitz: Anstelle dieser heruntergekommenen Baracke könnte künftig Wohnraum enstehen.

Mit dem möglichen Aufstellungsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung wäre noch keine Baugenehmigung verbunden. Die Stadt würde zunächst lediglich das Bebauungsplanverfahren starten. Erst danach werden unter anderem die konkrete Zahl und Größe der Gebäude, Grundstückszuschnitte, Erschließung, Grünflächen und weitere Vorgaben festgelegt.

Nach der Anhörung der ALBAKON-Geschäftsführerin will der Beelitzer Ortsbeirat das Vorhaben bei den Ausschüssen befürworten. „Wir werden empfehlen, dass an dem Plan weitergearbeitet wird“, sagte die Ortsvorsteherin Karin Höpfner.

(Artikelbild: Die Geschäftsführerin von Albakon, Beatrix Kimmel-Gedrim will neuen Wohnraum schaffen)

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