Görzke. Cordula Birck ist sozusagen die Neue in der Töpfergemeinschaft in Görzke. Und das, obwohl sie nun schon seit 2016 im Ort lebt. Ihre Werkstatt hat die 52 jährige Keramikmeisterin im ehemaligen Schlecker Laden. So weiß jeder, der fragt, sofort, wo es ist. Zum Tag der offenen Töpfereien hatte auch sie ihr Atelier geöffnet. Und war gerade dabei, Henkel an die vorgefertigten Krüge zu machen. Mit einem Stichmaß kann sie die entsprechende Größe anfertigen, aber es ist anfangs auch einfach ein probieren. Der Krug wird ausgelitert und dann entweder etwas vergrößert oder verkleinert, damit schließlich der Inhalt stimmt. Eichen darf sie die Krüge nicht, denn das ist gesetzlich geschützt.
Cordula Birck kommt aus Berlin Moabit. Auf letzteres legt sie wert, da ist sie immer noch Lokalpatriot. Als das Haus, in dem sie wohnte und arbeitete, saniert wurde, stiegen gleichzeitig die Mieten. Cordula Birck kämpfte um eine Abfindung, die sie auch erhielt und machte sich auf die Suche nach einem neuen Domizil. Aber in Berlin war nichts zu finden. Also ging man im Umland auf die Suche. Töpfermeister Peter Ludwig fragte dann: Warum kommst Du nicht nach Görzke? So besichtigte Cordula Birck mit ihrem Mann Harald die Örtlichkeiten. Beide fanden sie passend, denn auch Harald Birck ist künstlerisch tätig. Und vor allem konnten sie es sich leisten. So ging alles sehr schnell.
Cordula Birck hat ihr Handwerk bei Marianne Klopp gelernt. Sie hat verschiedenes probiert, ist aber letztendlich beim Scheibentöpfern geblieben. Das Interesse an dieser schönen Handwerkskunst wurde schon früh geweckt. Seit sie 14 ist, töpfert sie. Das künstlerische Talent kommt nicht von ungefähr. Ihr Vater ist Architekt, von ihm hat sie wohl die räumliche Vorstellungskraft, ihre Mutter ist Musikerin. „Von ihr hab ich wohl die Fantasie geerbt“, sagt Cordula Birck. Die Keramikgestalterin hat früher auch selbst ausgebildet. Demnächst wird sie Obermeisterin der Töpferinnung sein, da Peter Ludwig das Amt abgibt.
Inzwischen fühlt sich das Paar in Görzke zu Hause. Die Räumlichkeiten passen, zum Glück gab es eine alte Waschküche, in der der Schornstein noch intakt war. Dieser wurde nämlich für den Brennofen gebraucht. Außerdem bietet das Gehöft ausreichend Platz, denn Harald Birck braucht diesen für seine Skulpturen. Dies konnte man bereits auf einer Vielzahl an Ausstellungen bewundern. Harald Birck lässt bei seinen Arbeiten dem Betrachter immer noch Spielraum für eigene Interpretationen. Zu Ostern gibt es eine Ausstellung mit seinen Werken in der Görzker Kirche.
Am vergangenen Wochenende stand jedoch Ehefrau Cordula im Mittelpunkt. Viele neugierige Gäste kamen, um ihr über die Schulter zu schauen. Ab und zu mischte sich Hund Turner unter die Besucher. „Er verschafft mir Pausen“, schmunzelt Cordula Birck, „ich habe ihn extra angeschafft, damit ich mehr rausgehe.“
Aber auch die anderen Töpfereine waren trotz des miesen Wetters gut besucht. Familie Ihlow kommt jedes Jahr ein paarmal aus Möser bei Magdeburg nach Görzke. Immer gezielt wegen der Töpfereien. Zum Tag der offenen Tür sind sie stets dabei und auch zum Ostermarkt. Und natürlich finden sie auch immer etwas zum Mitnehmen. Wie die meisten anderen Gäste auch. Und das freut natürlich Elke Heihs mit ihrem kleinen Geschäft. Immerhin ist es das erste Wochenende im Jahr, wo wirklich Einnahmen zu verzeichnen sind. „Die ersten beiden Monate ist immer nicht viel los“, sagt sie. Aber sie braucht auch die Zeit, um alles aufzuarbeiten, was liegen geblieben ist. Und der Papierkrieg muss auch gemacht werden. Außerdem schreibt sie in der Zeit Bewerbungen für Märkte, auf denen sie gern ihre Keramik anbieten möchte.
In der Töpferei Heinitz konnten die Gäste selbst Hand anlegen und sich am Töpfern probieren. Das fanden natürlich besonders die Kinder interessant. So entstanden Tassen, Töpfchen und anderes. Neben Gebrauchskeramik war es dort aber auch schon etwas österlich – und einen großen Hahn herum konnten sich die Besucher schon mit Keramikostereiern für den Osterstrauß oder zur Dekoration eindecken.
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