Niemegk. Bis in die 1920er Jahre suchten die Niemegker an heißen Sommertagen die Lehmlöchern der Ziegeleien zum Baden auf. Nach einem tödlichen Badeunfall, der sich 1924 dort ereignete, begannen die Stadtväter den Bau einer Badeanstalt zu diskutieren. Wenig später beschloss der Magistrat, auf Antrag der Niemegker Turn- und Sportvereine, „die Vorarbeiten zur Errichtung einer Badeanstalt sofort zu beginnen“.
Trotz allen Ehrgeizes vergingen einige Jahre, bis offene Fragen geklärt, Planungen abgeschlossen und Bauzuschüsse von Seiten des Staates, der Provinz, des Kreises, der Landesversicherungsanstalt und der Krankenkassen eingeworben waren.
Im Zauch-Belziger Kreisblatt heißt es, dass im April 1929 mit dem Bau der Badeanstalt begonnen und schon 1. Juni 1929, mit Beginn der Badesaison, Einweihung gefeiert wurde. Die Baumeister müssen Wunderhandwerker gewesen sein.
Die Baukosten betrugen 26.000 Mark, wozu zinslose Zuschüsse in Höhe von 10.550 Mark zur Verfügung standen. 1931 waren noch 7.500 Mark der Baukosten zu decken. Die jährliche Zinslast für das Bad betrug, so berichtet zumindest das Kreisblatt, 1.620 Mark, zuzüglich des Arbeitslohnes für den Bademeister. In der Chronik der Stadt Niemegk sind die Baukosten und erhaltenen Zuschüsse geringer angegeben.
Gespeist wurde das neue und für damalige Zeiten hochmoderne Schwimmband aus dem Leitungsnetz der städtischen Wasserleitung. Das Wasserbecken hatte eine Größe von 16 mal 33 Metern. Die Eintrittspreise waren niedrig gehalten – damit möglichst jeder Niemegker die Möglichkeit eines erholsamen Bades genießen konnte. Die Badekarte für das Einzelbad betrug in den Eröffnungsjahren 25 Pfennig für Erwachsene und 15 Pfennig für Kinder. 1931 war der Eintritt, unter Berücksichtigung der Wirtschaftsnot, gesenkt worden. Fortan zahlten Kinder zehn und Erwachsene 15 Pfennig.
Dennoch wurde der Besuch im Schwimmbad für einige Menschen zum Luxus. Es heißt: „Die Wirtschaftsnot hat aber dazu geführt, dass in diesem Jahre wieder die gefährlichen Ziegeleilöcher von Badenden ziemlich stark aufgesucht werden.“ Dem folgte die Mahnung: „Dies sollte man aber wohl doch unterlassen. Der Segen einer Badeanstalt hat sich doch in den drei Jahren ihres Bestehens hinreichend gezeigt. Es ist eine Freude zu sehen, wie viele Erwachsene und Kinder, selbst solche in jüngeren Jahren, bereits das Schwimmen erlernt haben.“
Parallel zum Schwimmunterricht konnten im Niemegker Bad bereits damals zehntägige kostenlose Kurse im Rettungsschwimmen belegt werden – bot die Anlage doch hervorragende Bedingungen.
Der damalige Bürgermeister Temming soll zu den treuesten Nutzern des Schwimmbades gehört haben. „Er suchte sie täglich auf, um dann ganz geruhsam durch das Wasser in Rückenlage zu schwimmen, wobei sein dicker runder Bauch wie ein großer Ball aus dem Wasser ragte. Und dabei las er auch noch den Niemegker Anzeiger, den er auch auf dem danach folgenden Spaziergang durch den Werderwald weiter studierte, um sich über das Weltgeschehen zu informieren“, ist in der Chronik der Stadt zu lesen.
1958 erfolgten erste Sanierungsarbeiten. Der ursprünglich aus Holz errichtete Haupteingang mitsamt den in den Stadtfarben grün und weiß gestrichenen Kabinen war im Verlauf der Jahre marode geworden und musste durch einen Massivbau ersetzt werden. Das Planschbecken für die Jüngsten machte der Niemegker Baumeister Henkel in jenem Jahr den Kindern der Stadt zum Geschenk.
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