Wiesenburg/Mark. Kaum ein Durchkommen war am Pfingstsonntag in Wiesenburgs Zentrum um den Goetheplatz. Und der Grund war ein schöner.
Nicht nur, dass traditionell das Pfingstkonzert stattfand, obendrein feierte das Jugendblasorchester Wiesenburg seinen 50. Geburtstag. Inzwischen ist das Orchester weit über die Grenzen hinaus bekannt. Es reicht sogar bis in den kleinen Ort Berel in Niedersachsen. Mit dem Ort unterhalten die Wiesenburger seit 30 Jahren freundschaftliche Beziehungen zur dortigen Feuerwehr und sind fast jährlich dort mit ihrer Musik zu Gast. Und natürlich kamen die Kameraden auch nach Wiesenburg zum gratulieren.
Und nicht nur sie. Zum Jubiläumskonzert hatten sich die Wiesenburger befreundete Orchester eingeladen, die alle Glückwünsche und Geschenke im Gepäck hatten. Das Blasorchester Boßdorf kam gleich mit einem ganzen Trompetenkoffer. Darin Noten, eine Trompete und viele andere nützliche und witzige Dinge. Bürgermeister Marco Beckendorf versprach den Musikern, wenn möglich, ihre Wünsche zu erfüllen.

Aber es wurde auch noch richtig emotional, denn der Geburtstag stand auch im Zeichen des Orchestergründers, Horst Bendyk, der leider vor zwei Jahren verstarb. Uwe Fischer aus Wiesenburg gab seinen Gefühlen in einigen Worten Ausdruck, nicht ohne feuchte Augen zu bekommen. „Ich habe Host Bendyk viel zu verdanken“, sagte er:
„Meine erste elektrische Gitarre war eine Jolana Galaxis. Das war, denke ich, 1981. Ich weiß noch, alle waren im Bett. Und ich bin nochmal raus und habe ein wenig gespielt. Mensch war ich stolz und glücklich. Danke nochmal an meinen Freund Horst Bendyk.“
Denn man hätte das Instrument nicht einfach so bekommen. Es ging nur auf Empfehlung eines Musiklehrers. So hat es angefangen. „Beim Kauf sagte ein Mann, so meine Mutter, das wird nie was. Das Gegenteil war der Fall“, erinnert er sich. Heute ist Uwe Fischer Berufsmusiker.
Als dann Horst Bendyks Witwe Helga das Wort ergriff, kullerten bei einigen wirklich die Tränen. Auch sie erinnerte sich, wie ihr Mann nächtelang vor dem Tonband saß und Noten für das Orchester schrieb. Denn diese waren in der DDR Mangelware. „Ich nannte das Orchester immer liebevoll ’sein Baby’“, erzählte sie. Irgendwie gehörte es zur Familie. Und zu seinem 70. Geburtstag gab es von seinen ehemaligen Schülern noch einmal ein Ständchen. Wohl sein schönstes Geburtstagsgeschenk.

Sichtlich gerührt nahm Gunnar Heise, der die Nachfolge von Horst Bendyk angetreten hat, ein ganz besonderes Geschenk entgegen. Helga Bendyk überreicht ihm den Taktstock ihres Mannes.
Neben den vielen Emotionen gab es natürlich auch viel Musik unterschiedlicher Richtungen, angefangen von klassischer Blasmusik bis hin zu Jazz und Swing. Für letzteres ist das Jugendblasorchester Wiesenburg bekannt und begeisterte die Zuhörer in der Kunsthalle unter anderem mit einem Medley von Louis Armstrong. Der Applaus war über den gesamten Goetheplatz zu hören, denn die Kunsthalle war sozusagen übervoll. Viele standen hinter und neben den Sitzreihen, weil sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen wollten. Draußen versorgte Markus Schmidt („Elmar“) alle mit Getränken, Kuchen und Eis. Über Lautsprecher konnte man auch dort das Konzert verfolgen.
Danke, JBO Wiesenburg, für einen unvergesslichen Nachmittag.
Views: 173













