Bad Belzig, Bachstelze Frauen 2025

Bad Belzig: Die Frauen-Bachstelze für Poetry-Slamerin Johanna Wack – Ein Bachstelzen-Oscar für Gerlinde Kempendorff

Bad Belzig. Mitten im Altstadsommer erwies sich das KleinKunstWerk einmal mehr als Besuchermagnet. Gleich am Tor wurde man mit dem Hinweis begrüßt „Keine Plätze mehr“. Das Komische Festival Belziger Bachstelze hat sich in seinem elften Jahr offenbar endgültig etabliert.

Begrüßung

Bad Belzig, Bachstelze Frauen 2025, Ingo Kampf
Ingo Kampf

Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Ingo Kampf (Zukunft Bad Belzig), wünschte in seiner kurzen Ansprache für die Zukunft:

„Der Kasten muss voll sein!“

Ganz am Ende hatte er noch eine große Überraschung für Gastgeberin Gerlinde Kempendorff. Doch zuvor  dankte diese den Sponsoren der Bachstelze, darunter der Stadt, dem Landkreis und der Mittelbrandenburgische Sparkasse. Sie verwies darauf, dass „Kunst oft mit kleinem Budget und viel Ehrenamt“ betrieben wird.

Beim Bachstelze-Festival treten jeweils vier Frauen und vier Männder nebeneinander für jeweils zwanzig Minuten an – und wer am Schluss den längsten Applaus bekommt, der hat gewonnen und bekommt nicht nur die von Brigitte Heßler extra angefertigte Trophäe, sondern wird im kommenden Jahr zu einer alleinigen Veranstaltung eingeladen. Aber letzteres kann auch den anderen Teilnehmenden passieren.

Helene Mierscheid

In den Wettbewerb um die Gunst des Publikums startete als erste Barbara Friedl-Stocks als Lebensberaterin Helene Mierscheid, vorgestellt als „Leopard II des Kabaretts“:

„Was machen Lebensberater? Wissen sie nicht? – Das spricht für sie!“

Im Stakkato geht es durch die menschliche und politische Landschaft:

„Man kann fünf Kilogramm im Monat zunehmen – wenn man sich diszipliniert.“

Oder:

„Seit Trump wieder da ist, wirken Menschen wie Söder normaler.“

„Berufliches und Privates trennen ist gesund – und bei Weidel eine Diagnose!“

Helene Miersch bot pointiertes politisches Kabarett im Schnellfeuermodus, leider mitunter so schnell, dass gelegentlich Endung akustisch weniger gut zu verstehen waren. Die eine oder andere Minipause zwischendurch hätte gut getan und das Hinterherkommen erleichtert. Dem Lachen tat das aber nur wenig Abbruch.

Alexandra Broneske und Stefanie Bremrich

Als nächstes stiegen gleich zwei Frauen auf die Bühne und mit Zur Sache, Frau B.! ins Rennen um die Bachstelze ein. Auf ihrer Webseite beschreiben Alexandra Broneske und Stefanie Bremrich sich selbst so:

„Alexandra Broneske, ihres Zeichens glamouröse Mezzosopranistin und kesser Wirbelwind und Stefanie Bremerich, Tastengöttin und weltweit letzte Verfechterin der Romantik.“

Dem kann wohl jeder, der sie bei der Bachstelze erlebt hat, nur zustimmen. Insbesondere Alexandra Broneske beeindruckte mit ihrer Stimme, wie man sie im Kabarett nur selten bis gar nicht finden dürfte. Leider konnten die Dialoge stimmlich nicht ganz mithalten und wirkten etwas aus dem Zusammenhang gerissen, was vermutlich aber nur daran lag, dass an diesem Abend lediglich ein Ausschnitt aus einem größeren Programm dargeboten werden konnte. Im nächsten Jahr noch einmal eingeladen zu werden, verdienen die beiden Frauen auf jeden Fall.

Im Programm ging ihnen um „das Problem“, also um Frauen und Männer, insbesondere letzterer zwischen Ideal und Wirklichkeit. Vergisst der Mann den Valentinstag und sagt ihm Frau das hinterher, so entgegnet er nur:

„Wenn du bist, wie du jetzt bist, dann bin ich echt froh, dass ich den Valentinstag gestern vergessen habe.“

Es war so viel Romantik – und dann kam Corona.

Bad Belzig, Bachstelze Frauen 2025, Alexandra Broneske, Stefanie Bremrich
Alexandra Broneske und Stefanie Bremrich

Anja Lechle

Der dritte Wettbewerbsbeitrag kam gleich von neben an, aus Teltow-Fläming. Anja Lechle startete mit „Emil seine unanständ’ge Lust“, mit dem einst Claire Waldoff schon gegen unnötige Schönheits-OPs ansang. Überhaupt mag Anja Lechle Geschichten mit bösem Charme.

Ihr Programm drehte sich um die Höhen und Tiefen des Frauseins und beinhaltete Lieder der ganz Großen wie Georg Kreisler, womit Anja Lechle das Publikum schnell auf ihre Seite zog. Eben „eine Frau, die weiß, was sie nicht will“, die auch vor Zungenbrechern nicht zurückschreckt.

Johanna Wack

Die letzte Künstlerin an diesem Abend liest vor, und wie, vor allem, was sie vorliest, ruft im Publikum Begeisterung hervor. Man kann schnell ahnen, dass die Poetry-Slamerin Johanna Wack aus Hamburg den Abend wohl für sich entscheiden wird.

Die Zuschauer lernen eine Katze kennen, die Mutti heißt, und welche sprachlichen Turbulenzen das auslösen kann. Ähnlich grotesk sind die Geschichten um ein Dating, das an der Kunst beziehungsweise an deren Interpretation scheitert, und um Penisbilder. Es sind so verdrehte, so urkomische Texte, die Johanna Wack aus ihrem neuesten, noch gar nicht erschienen Buch „Mehr Allergien als Freunde“ vorliest, dass das Publikum sich vor Begeisterung kaum halten kann.

Und tatsächlich, Johanna Wack bekommt am Ende der Veranstaltung den größten Applaus und damit die Bachstelze. Sie wird im kommenden Jahr noch einmal in Bad Belzig zu erleben sein.

Bachstelzen-Oscar

Doch damit war der Abend anders als sonst noch nicht vorbei. Ingo Kampf kam noch einmal auf die Bühne. In der Hand hatte er eine riesige Überraschung für Intendantin Gerlinde Kempendorff – einen Bachstelzen-Oscar. Angefertigt hat ihn wie die anderen Bachstelzen auch die Bad Belziger Künsterin Brigitte Heßler. Die Überraschung war mehr als gelungen.

Am darauffolgenden Sonnabend gab es wieder eine Bachstelze zu gewinnen, die Männer-Bachstelze.

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