Treuenbrietzen, Bürgermeisterwahl 2025

Treuenbrietzen: Podiumsgespräch zur Bürgermeisterwahl (Der Bericht)

Treuenbrietzen. Am 28. September 2025 wählen die Einwohnerinnen und Einwohner von Treuenbrietzen und den dazugezählten Dörfern ein neues Stadtoberhaupt. Am vergangenen Donnerstagabend stellten sich die vier Kandidierenden bei einer vom amtierenden Bürgermeister Michael Knape moderierten Diskussionsrunde in der Sporthalle den Fragen der Einwohnerinnen und Einwohner. Insgesamt hatten die vier Kandidierenden 15 Minuten Redezeit, um sich vorzustellen, auf die an alle gerichteten Fragen des Bürgermeisters zu antworten und ein Schlusswort abzugeben. Die Antworten auf die individuellen Fragen der fast 500 gekommenen Einwohnerinnen und Einwohner wurden zeittechnisch nicht mitgezählt. Soweit zu den „Spielregeln“, die allen die gleichen Chancen geben sollten.

Bürgerbeteiligung und eigener Gestaltungswillen

Schon die erste Frage ging ans „Eingemachte“. Wie wolle man als zukünftiges Stadtoberhaupt die Balance zwischen Einwohnerbeteiligung, den gewählten Gremien und eigener Themensetzung hinbekommen, fragte der Bürgermeister: Die Wirtschaftsjuristin mit erstem juristischen Staatsexamen und Mediatorin Anja Schmollack von der CDU verwies auf das Instrument der Bürgerbegehren. Der AfD-Kandidat Stefan Schwabel, der Isolierer und Einzelhandelskaufmann ist und als Wirtschaftsmediator arbeitet, möchte die Ortsvorsteher mehr einbeziehen. Der parteilose Mike Fetzer, der gelernter Automechaniker und Betriebswirt ist, sieht die Aufgabe des Bürgermeisters als „Vollstrecker“ der Stadtverordnetenversammlung. Der parteilose amtierende Bauamtsleiter, gelernte Bauschlosser und Vermessungsingenieur, Robert-Walter Wildgrube, möchte die Einwohner mehr einbeziehen und die bereits in der Stadt existierenden Prinzipien der Bürgerbeteiligung mehr umsetzen.

Wirtschaft

Für Treuenbrietzen ist eine florierende Wirtschaft überlebenswichtig. Danach gefragt, wie Abwanderung verhindert werden kann und welche Rolle man als zukünftiges Stadtoberhaupt dabei spielen möchte, antworteten die Kandidierenden wie folgt: Frau Schmollack, die seit vielen Jahren auch Mitglied der Stadtverordnetenversammlung ist, möchte mit Investoren Gewerbegebiete entwickeln, um mehr Gewerbesteuern einzunehmen. „Wir unternehmen nichts für Unternehmen“, sagte sie in Richtung der bisherigen Politik. Herr Schwabel findet das Thema Wirtschaftsförderung wichtig und möchte Ansprechpartner für Unternehmen sein. Herr Fetzer möchte sogar der erste Ansprechpartner für die Wirtschaft sein, „regionale Wertschätzung“ stärken und einen Regional-Laden etablieren. „Es muss um jedes Unternehmen gekämpft werden“, meinte er. Herr Wildgrube möchte bestehende Strukturen, wie die AG Handel, mit Leben füllen, eine nachhaltige Strategie für Gewerbeflächen erarbeiten, Facharbeiter anwerben und „den Meister unterstützen, damit er nicht nach Feierabend noch die Ausschreibung erstellen muss.“ Dafür gab es das erste mal recht starken Applaus von einem sehr disziplinierten und aufmerksamen Publikum.

Landwirtschaft

Auch zum Thema Landwirtschaft wurden die Kandidaten befragt. Der AfD-Kandidat Schwabel möchte Regularien abbauen und keine Erneuerbaren Energien auf Landwirtschaftsflächen. Robert-Walter Wildgrube hob die Bedeutung der Landwirtschaft als Arbeitgeber hervor, möchte die Vernetzung untereinander stärken und mehr landwirtschaftliche Produkte, die auf den Dörfern produziert werden, in die Kernstadt holen. Für Mike Fetzer sind die Landwirte das Rückgrat unserer Gesellschaft. Er sprach zudem das Problem der Landwirte an, Flächen zu erwerben und möchte die Steuern bei den Pachtverträgen reduzieren. Die CDU-Kandidatin Schmollack möchte ein „Vorkaufsrecht für Nachbarn“ bei landwirtschaftlichen Flächen, den Ausbau der Regionalautomaten und das Innenstadtmanagement verbessern.

Erneuerbare Energien

Auch zum in der Bevölkerung stark diskutierten Thema Erneuerbare Energien sollten sich die Kandidierenden äußern. Herr Wildgrube rechnete vor, dass die Erneuerbaren Energien mehr als 800.000 Euro in die Stadtkasse spülen, die Sozial- und Bauprojekte finanzieren, und auf dieses Geld nicht verzichtet werden kann. Außerdem verwies er auf den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, dass nur noch repowert werden darf, es also zukünftig weniger Windkraftanlagen mit mehr Leistung geben wird. Er könne Projekten der Erneuerbaren Energien zudem nur zustimmen, wenn der Ortsbeirat zustimmt. Herr Fetzer wünscht sich, dass die Einwohnerinnen und Einwohner gefragt werden und keine Solaranlagen mehr auf Ackerflächen entstehen. Er möchte lieber kleine Anlagen und Balkonkraftwerke fördern. Frau Schmollack verwies auf den gültigen Regionalplan, der keine weiteren Windkraftanlagen und nur noch Repowering vorsieht. Sie möchte vorhandene Flächen in der Innenstadt nutzen und das Modell Feldheim weiter ausbauen. Herr Schwabel „finde Repowering nicht schön“ und spricht von einer „stillen Enteignung“ durch Windkraftanlagen. Außerdem meint er, würden Grundstückseigentümer nichts davon haben, dass die Stadt Einnahmen durch die Erneuerbaren Energien hat.

Einwohnerfragen

Bei den Fragen der Einwohnerinnen und Einwohner wurden viele Themen angeschnitten: Frau Schmollack steht weiterhin zum Waldverkauf, ließ sie die Zuhörer wissen. Eine Umgehungsstraße um die Kernstadt finden alle Kandidierenden gut. Nach dem Lieblingsprojekt gefragt, welches sie zur Verbesserung der Lebensqualität durchgesetzt haben, antworteten die vier Kandidaten wie folgt: Frau Schmollack benannte das für sie wichtige Bürgerbegehren zum Edeka-Markt. Herr Schwabel freute sich über ein Funkgerät für die Feuerwehr Lobbese. Für Herrn Wildgrube ist der Schulneubau IKTB besonders wichtig für die Stadt. Herr Fetzer sagte, dass „er nichts vorweisen kann“. Herr Wildgrube wurde zudem gefragt, was er machen möchte, um die Toiletten in der Schule zu sanieren. Er antwortete, dass die Stadt zu wenig Geld habe und immer nur Stück für Stück sanieren könne. Trotz der angespannten Haushaltslage sei sein Ziel, jedes Jahr zwei Klassenräume zu sanieren. „Wir müssen die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel fair aufteilen und dabei auch Straßen sowie Dorfgemeinschaftshäuser im Blick haben“, sagte er.

Die ersten 100 Tage

Was steht für die Kandidaten in den ersten 100 Tagen auf dem Plan, sollten sie gewählt werden. Mike Fetzer möchte Ansprechpartner sein und die Öffnungszeiten des Rathauses erweitern. Anja Schmollack möchte ihren eigenen Unternehmerstammtisch beleben, Blühpflanzen in der Innenstadt verteilen und Ansprechpartner für Gewerbetreibende sein. Stefan Schwabel sagte schlicht, er könne nichts versprechen. Für Robert-Walter Wildgrube war neben verbesserten Öffnungszeiten der Stadtverwaltung ganz klar: „Die blaue Tür muss offen sein!“ Gemeint war die immer verschlossene Rathaustür. Dies kam hörbar gut bei den Zuhörern an.

Verwaltung

Der Bürgermeister fragte weiter, wie und welche Maßnahmen die Kandidierenden als Chef der Verwaltung im Spagat mit den Einwohnerinteressen organisieren wollen. CDU-Kandidatin Schmollack möchte die Effizienz dadurch steigern, in dem sie Mitarbeiter in der Verwaltung umsetze. Außerdem möchte sie ein Praktikum machen, „in alle Bereiche reinschnüffeln“ und näher am Service arbeiten.

Für AfD-Kandidat Schwabel muss die Verwaltung effektiv arbeiten. Er will dafür Einblicke gewinnen. Der parteilose Herr Wildgrube, der von der BIV unterstützt wird, möchte eigene Ideen in die Verwaltung tragen, Impulse geben, Auszubildende halten und ihnen Entwicklungschancen geben sowie die Mitarbeiter nach Fähigkeiten einsetzen. Der parteilose Herr Fetzer, der vom BSD unterstützt wird, möchte die Öffnungszeiten verbessern, auch nicht-digitale Services erhalten und einen Counter einrichten.

Einwohnerbefragungen

Eine Einwohnerin fragte nach verpflichtenden Einwohnerbefragungen. Herr Schwabel war dafür. Herr Wildgrube antwortete „nur projektbezogen“, da es auf den Bauträger ankomme. Herr Fetzer antwortet mit ja, vor allem beim Straßenbau. Frau Schmollack möchte mehr Beteiligung durch die Ausschüsse erreichen.

Finanzen

Zum Abschluss fragte der Bürgermeister, wie die Kandidierenden ihre Vorstellungen finanzieren wollen, schließlich sei die Stadt seit Jahren in einer angespannten Haushaltssituation.

Herr Schwabel möchte die Kreisumlage senken und ausbauen, was da ist. Herr Wildgrube möchte ein „intelligentes Fördermittelmanagement“ finden, generell mehr Fördermittel anzapfen, und gezielt Projekte anstoßen, die Fördermittel mit sich bringen, um das gesamte Investitionsvolumen zu erhöhen. Außerdem möchte er neue Einnahmequellen erschließen. Herr Fetzer möchte als erstes die Toiletten in der Schule, anstatt die Klassenräume sanieren. Frau Schmollack möchte „konsumtive Ausgaben“ verringern und einen Mix aus Fördermitteln und Investoren erreichen.

Fazit

Mit einer 30-minütigen Pause, in der der Abiturjahrgang leckere Bratwurst und Schmalzstullen verkaufte, war der Abend nach zweieinhalb Stunden vorbei, und die meisten Einwohnerinnen und Einwohner machten einen sehr zufriedenen Eindruck, da sie sich ein gutes Bild über die Kandidierenden machen konnten.

(Alfred Franke)

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