Ronald Heber, Flämingplatt

Bad Belziger Liedermacher Ronald Heber zu Gast im Frühstückstreff Lebenswer(t)k

Bad Belzig. Das zweijährige Jubiläum des Frühstückstreffs Lebenswert(t)k naht mit großen Schritten. Im April jährt sich der Geburtstag des Begegnungsangebots für Senioren jeden Alters, Menschen mit Pflegebedarf und deren An- und Zugehörige. An das Frühstücksangebot ist jeweils ein Vortrag oder Workshop gekoppelt.

Premieren gehören für die Teilnehmenden in diesem Rahmen immer wieder dazu. So geschehen auch am 11. Februar, als der Belziger Liedermacher Ronald Heber begrüßt werden konnte. Im Gepäck hatte er nicht nur seine Gitarre, sondern auch das Liederheft „Flämische Klampfenlieder aus Bad Belzig, Jüterbog und Raben“ – verbunden mit der Einladung, gemeinsam daraus zu singen.

„Sie sind die ersten, die es in den Händen halten dürfen“, sagte er, während er die druckfrisch erschienen Hefte in der Runde verteilte. Sogleich wurde interessiert darin geblättert, wurden erste Töne angestimmt. Das mitsingen der Mundartlieder, die teils aus der Feder von Ronald Heber stammen oder von ihm ins Plattdeutsche übersetzt wurden, bereitete schnell große Freude unter den teilnehmenden Gästen des Frühstückstreffs Lebenswert(t)k. Leicht gemacht wurde dies durch die Zweisprachigkeit im Heft.

Das Liederheft wurde vom Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg e.V. als  Ergänzung zur CD „Flämische Klampfenlieder“ herausgegeben, die bereits 2025 erschienen war. „Die Verse sind in hoch- und plattdeutsch verfasst, um diesen selten gewordenen Dialekt besser zu verstehen“, erklärt Astrid Flügge vom Verein, die bei der Vorstellung des Liederhefts in Bad Belzig mit dabei war. So, wie Ingetraut Moritz aus Raben, die für die Veröffentlichung eine Zeichnung der Burg Rabenstein beigesteuert hat.

Astrid Flügge, Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg e.V., Ronald Heber, Flämingplatt
Astrid Flügge vom Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg e.V. dankt Ronald Heber für sein Engagement zur Bewahrung des Flämingplatt

Gemeinsam mit den Senioren wurden unter anderem die Lieder „Däe Mellenkänegin“ (Die Mühlenkönigin), „Däe Hoffpartendörenschlötel“ (Hofpfortentürenschlüssel), „Datt Klemmkukenbakken“ (Das Klemmkuchenbacken) und „Datt Lied van Borjenwannerwech“ (Das Lied vom Burgenwanderweg) gesungen. Letzteres zauberte Ingetraut Moritz ein besonderes Lächeln ins Gesicht – stammen diese Zeilen doch aus der Feder ihres verstorbenen Ehemannes Helmut Moritz.

„2012, zum Deutschen Wandertag im Hohen Fläming, wurde es zum ersten Mal öffentlich gesungen“, erinnert sich die Rabenerin. Damals vorgetragen vom Gemischten Chor aus Cammer und dem Männerchor in Ragösen – auf hochdeutsch natürlich. Geschrieben hatte es Helmut Moritz, als der Burgenwanderweg zertifiziert wurde. Inspiriert durch ein Gespräch mit dem Rädigker Gastwirt Bernd Moritz – beide waren damals voller Stolz über die Zertifizierung des Burgenwanderweges, der sich fortan mit dem Rennsteig in Thüringen messen konnte. Fehlte ihm nur noch das dazugehörige Lied – wie beim Rennsteig, der seit Jahrzehnten sein Rennsteiglied hat.

Für die teilnehmenden Senioren bedeutete die Begegnung mit der Mundart der Altvorderen gedanklich auch eine Reise in die Kindheit. „An die Sprache kann ich mich noch gut erinnern“, sagte die 95-Jährige Christa Überall.

Ronald Heber, der gebürtig aus Eisleben stammt, erst im Niederen und seit 2012 im Hohen Fläming zuhause ist, kam zum Fläming-Platt über das Fläming-Ensemble, dass er 2016 aus der Taufe gehoben hatte. Seitdem die Ensemble-Mitglieder eigene musikalische Wege gehen, ist auch Ronald Heber musikalisch wieder solo unterwegs. An die gemeinsame Zeit des Fläming-Ensembles erinnert im neuen Liederheft der Titel „Däe Flämingfiddler“ (Der Flämingfiddler). Ronald Heber ist, wie Astrid Flügge, Mitglied im Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg und immer bemüht, die Mundart der Altvorderen weiter vor dem vergessen zu bewahren.

„Der Vormittag war wunderschön“, fasst dann auch Rosel Friedrich zusammen. Auch die 85-Jährige hatte das Mitsing-Angebot mit großer Freude und Begeisterung angenommen. Bevor sie sich auf den Heimweg machte, meldete sie sich gleich für nächste Frühstückstermine an. „Es ist immer schön“, ergänzt sie.

Der Frühstückstreff Lebenswer(t)k im Rahmen des Projekts „Pflege vor Ort“ findet mittwochs im Wechsel in Bad Belzig oder einem Ortsteil der Stadt statt. Die Termine werden auf der Webseite der Stadt, im Bad Belzig Journal und über Aushänge bekannt gegeben.

(Bärbel Kraemer, Pflege vor Ort Koordinatorin)

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