Störche, Wenzlow

Wenzlow: Kampf gegen das Spiegelbild – Wenn der Klapperstorch zum Dorf-Schreck wird

Wenzlow. Eigentlich kennt man Störche als elegante Segelflieger, treusorgende Eltern und Glücksbringer. Doch der Storchenvater in Wenzlow hat in diesem Sommer noch einen weiteren Beruf für sich entdeckt: Dorfpolizist auf zwei langen Beinen. Sein erklärter Feind? Er selbst, beziehungsweise sein Spiegelbild.

Alles begann nach der Hitzewelle vor etwa drei Wochen. Bis dahin kümmerte sich der Storch gemeinsam mit seiner Partnerin vorbildlich um die drei Küken im Horst, doch dann änderte sich sein Verhalten. Offenbar hält er auf Grund seines Bruttriebes sein eigenes Spiegelbild plötzlich für einen fremden Storch, der seinem Nachwuchs zu nahe kommt und gegen Eindringlinge kennt ein besorgter Storchenvater keine Gnade.

Sein erster “Einsatz” führte ihn zur Feuerwehr in Wenzlow, wo er auf dem Schlauchturm wohnt. Dort attackierte er hartnäckig spiegelnde Türflächen, wobei die Lösung überraschend einfach schien: Die Türen wurden mit Pappe abgedeckt und schon war der vermeintliche Konkurrent verschwunden.

Leider blieb es nicht dabei und inzwischen patrouilliert der gefiederte Wachposten durch Wenzlow und kontrolliert alles, was spiegelt. Haustüren, Gewächshäuser und glänzende Flächen werden energisch bepickt. Auch das eine oder andere Auto musste schon Bekanntschaft mit seinem kräftigen Schnabel machen, wenn der “Rivale” darin auftauchte. Das hinterlässt leider manchmal Kratzer.

Selbst vor Haustür machte der Storch nicht halt. Mehrfach klopft er energisch an, fast so, als wolle er höflich um Einlass bitten. Doch sobald die Tür geöffnet wird, wird schnell klar: Zu Besuch wollte er gar nicht kommen – er wollte den vermeintlichen Eindringling vertreiben, berichteten Wenzlower Bürger.

So amüsant manche Begegnung auch ist, für die Betroffenen kann das Verhalten durchaus ärgerlich sein. Allerdings zeigt sich der Storch gegenüber Menschen nicht aggressiv. Er verteidigt lediglich seinen Horst und seine drei Küken – und lässt sich dabei von seinem eigenen Spiegelbild täuschen.

Sowohl der Storchenbeauftragte des Landkreises Potsdam-Mittelmark als auch der Storchenhof aus Loburg in Sachsen-Anhalt kennen dieses ungewöhnliche Verhalten. Ihr Rat lautet deshalb: Autos möglichst abdecken und spiegelnde Flächen an Türen oder Gewächshäusern verhängen oder unkenntlich machen. Verschwindet das Spiegelbild, verschwindet meist auch der vermeintliche Gegner.

Bei allem Ärger sollte eines nicht vergessen werden: Der Weißstorch steht unter strengem Naturschutz. Ihm darf selbstverständlich nichts angetan werden. Mit etwas Geduld und ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich die Zeit gut überbrücken – denn der Spuk ist nur vorübergehend.

Spätestens im August, wenn die Jungstörche flügge sind und sich die Tiere auf den Weg in ihre Winterquartiere machen, kehrt auch in Wenzlow wieder Ruhe ein. Dann endet hoffentlich auch die wohl ungewöhnlichste Dorf-Patrouille des Sommers – und der einzige Gegner, den der Storchenvater nie besiegen konnte, bleibt sein eigenes Spiegelbild.

Störche, Wenzlow

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