Bad Belzig: Diestel-Nachwuchs gastierte im Paris Brandenburgs

Bad Belzig. So dicht gepackt wie in diesem Jahr war das Programm des KleinKunstWerkes im Bad Belziger Mühlenhölzchen 1a noch nie. Möglicherweise zu dicht, wie Chefin Gerlinde Kempendorff durchblicken ließ. Am letzten Wochenende standen jedenfalls Henning Ruwe und Martin Valenske von der Berliner Diestel auf der kleinen Bühne im ehemaligen Elektrizitätswerk, und der Saal war gut gefüllt. Auch das angenehme Sommerwetter draußen, die Baustelle vor dem Haus und die vielfältigen anderen Angebote an diesem Sonntag Nachmittag hatten die wahren Fans des intelligenten Kabaretts nicht vom Kommen abgehalten. Sie hatten sich richtig entschieden.

Mit ihrem Programm „Wir haben genug“ bot der Diestel-Nachwuchs ein Programm voller Pointen. Viele der Pointen stimmten nachdenklich, zum Beispiel, wenn Ruwe und Valenske den Alkoholmissbrauch nicht nur als „Brauchtumspflege“ karikierten, sondern mit Blick auf die Todesopfer hinzusetzten:

„Dafür muss ein Terrorist lange LKW fahren.“

Oder wenn sie die heutige Kurzsatzkultur via Smartphone auf die Schippe nehmen. Auf die lockere Begrüßung mit „hallo“ folgte:

„Erzähl keine Romane.“

Vor allem verstehen es die beiden meisterhaft, trockene Statistik nicht nur locker zu präsentieren, sondern auch in neue Zusammenhänge zu setzen.

Kleinkunstwerk, Bad Belzig, Diestel, Martin Valenske, Henning Ruwe
Henning Ruwe und Martin Valenske

Das Publikum jedenfalls war begeistert. Wann immer es gefordert war, machte es begeistert mit. Am Ende forderte und bekam es seine Zugabe. In der liefen Ruwe und Valenske noch einmal zur Hochform auf. Gekonnt moderierten sie ein Fußballspiel zwischen dem Vatikan und dem IS.

Dabei ist Kabarett in unseren Zeiten nicht ganz einfach, wie Kempendorff bereits zum Beginn der Veranstaltung feststellte:

„Wenn man den Fernseher anmacht, denkt man immer, Kabarett geht auch nicht besser.“

Dabei folgte der Höhepunkt von Seehofers Realkabarett mit Rücktritt und Rücktritt vom Rücktritt nach Erpressung der Kanzlerin auf Kosten von Flüchtlingen erst in der Nacht nach dem Bad Belziger Diestel-Abend. Als Publikum kann man gespannt blieben, was Ruwe und Valenske aus Seehofers Überhöhung machen: “Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die nur wegen mir Kanzlerin ist.” Vielleicht eine Detuschnote? Man wird es erfahren, wenn die beiden hoffentlich recht bald wieder einmal im „Paris Brandenburgs“ gastieren, wie sie Bad Belzig schmeichelten.

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Der Nachwuchs der Diestel

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