Reetz. Das Thema Kauf der ehemaligen Gaststätte in Reetz ist sehr emotional. Das hat auch Martin Bauer, Geschäftsführer des Landguts Reppinichen, festgestellt.
In vielen Zusammenkünften zum Windpark kam es immer wieder zur Sprache. Und so wollte er einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Dorfgemeinschaft nach der Spaltung wegen besagtem Windpark wieder zusammenwachsen kann und dafür auch ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung hat. Hauptsächlich ging es um den Erhalt der Kegelbahn. Der kleine Raum mit den technischen Anlagen gehört nämlich zum Grundstück der Gaststätte. Bisher wurde das Kegeln durch einen Vertrag mit dem Eigentümer geregelt. Dieser will jetzt verkaufen. Ob ein neuer Besitzer einen ebensolchen Vertrag schließen würde, stand in den Sternen. Wenn nicht, hätte es das Ende der Kegelbahn bedeutet, in die viele Helfer Kraft und Arbeit investiert haben. Auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates wurde nun über den aktuellen Stand informiert.

Der erste Gedanke der Reetzer war, das Gebäude nebst Scheune und Grundstück über das Sondervermögen des Bundes zu erwerben. Der fand jedoch bei den Gemeindevertretern keinen Zuspruch, man fürchtete die Folgekosten.
So bot das Landgut nun Hilfestellung an. „Es ist nicht so, dass wir nicht wissen, wohin mit dem Geld, aber es war uns wichtig und ist lediglich eine Zwischenfinanzierung“, betonte Martin Bauer:
„Wir können und wollen das Gebäude nicht bewirtschaften.“
Mit dem Eigentümer wurde bereits eine Einigung erzielt. Das Landgut wird mit der Gemeinde einen Pachtvertrag über eine symbolische Summe schließen. Dieser beinhaltet auch die Nebenkosten, die das Landgut mittragen wird.
Wie es später weiter gehen wird, darüber gibt es verschiedene Gedanken. So wäre eine Bürgerstiftung möglich. Ebenso kann die Gemeinde das Gebäude zurückkaufen und so auch Fördermittel für die Entwicklung einwerben. Aber darüber muss man sich Gedanken machen, wenn Klarheit über den Windpark besteht, denn der ist längst nicht in trockenen Tüchern. Wichtig ist nur, dass das Gebäude vom Dorf bewirtschaftet wird.
An diesem Punkt sind viele zwiespältig, denn es erfordert viel Arbeit und Engagement der Bürger. Zudem steht immer noch ein möglicher Neubau auf dem Sportplatz im Raum. Da dafür aber das alte Sportplatzgebäude abgerissen werden müsste, wäre man sozusagen wohnungslos. Mit der Gaststätte hätte man zwischenzeitlich Räumlichkeiten für Feiern und Versammlungen. Denn ansonsten gäbe es einige Jahre nichts, worauf auch Ortsvorsteher Sebastian Kube hinwies. Ein Neubau ist nicht in drei Monaten fertig.
Wichtig ist, dass sich Leute finden, die sich den Hut aufsetzen, sich kümmern und vor allem organisieren. Bürgermeister Marco Beckendorf versuchte noch einmal zu erklären, warum das Sondervermögen ausgeschöpft ist. Auch hat die Gemeinde inzwischen ihre Erfahrungen mit Dorfgemeinschaftshäusern gesammelt. Und das in Reetz ist gut ausgelastet. Deshalb hat er den Kauf von Anfang an befürwortet. So sieht er Möglichkeiten, mit der investiven Schlüsselzuweisung auch Eigenanteile für eine mögliche Förderung zu stemmen. Aber auch so will er versuchen, zumindest mit kleinen Summen oder Material zu helfen. Letzteres sagte auch Martin Bauer zu. Vorerst sollte man jedoch insgesamt mit dem zurechtkommen, was da ist. Das kleine Arbeiten nötig sind, weiß jeder.

Wie die Situation wirklich aussieht, wird man nach dem Auszug der jetzigen Eigentümer sehen. Wichtig war den Einwohnern, dass man sich nicht noch um Altlasten kümmern muss, sondern das Objekt wirklich leer übergeben wird. Die Gemeinde ist Pächter und trägt somit auch die Verantwortung. Sollten die Vereine mit einsteigen, müssen diese schauen, ob es ihre Satzung hergibt. Zuerst aber muss geschaut werden, was zu tun ist. „Wenn dann vielleicht 10 oder 20.000 Euro gebraucht werden, die hätten wir dann auch noch“, so Bürgermeister Marco Beckendorf. „Ihr müsste einfach nur machen“, sagte auch Martin Bauer. Er wäre froh, wenn man wieder dahin kommt, etwas gemeinsam anzupacken. Reetz hat viele engagierte Leute und die Chance sollte genutzt werden. Zumal das finanzielle Risiko praktisch gleich Null ist.
Das Landgut wird nun der Gemeinde ein entsprechendes Angebot vorlegen. Mit diesem wird dann in der nächsten Gemeindevertretersitzung beraten. Das muss sein, da die Gemeinde als Pächter auftritt. „Wenn die Gemeindevertreter sehen, dass das Gebäude angenommen wird und etwas passiert, haben sie sicher kein Problem damit, zukünftig hohe Fördersummen einzuwerben“, so der Bürgermeister.
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