Ehrungen für verdiente Feuerwehrleute

Feuerwehr. „Wir haben in diesem Jahr schmerzlich erfahren, wie schnell uns Katastrophen erreichen können“ sagte der Brücker Amtsdirektor Marko Köhler in seinen Grußworten zur Auszeichnungsveranstaltung langjähriger Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Potsdam-Mittelmark und dankte gleichzeitig für die unermüdlichen Leistungen der Kameraden. Verbunden war dies mit der Bitte, auch weiterhin für den Nachwuchs da zu sein und diesen zu motivieren, in die Feuerwehren einzutreten. In die gleiche Bresche schlug auch Landrat Wolfgang Blasig. „Bitte unterstützen sie weiterhin ihre Wehren und geben sie ihr Wissen und auch ihren Stolz an den Nachwuchs weiter“, so seine Worte. Auch sprach er sich für einen Gesetzesänderung aus. Dort heißt es, dass die Medaillen für langjährige Dienste an verdiente Kameraden vergeben werden KANN, das sollte geändert werden in SOLL. „Vielleicht sollte ich dazu mit den zuständigen Behörden reden“, so Blasig. Knapp 3.500 freiwillige Feuerwehrleute gibt es in 160 Wehren des Landkreises, bei den Jugendlichen sind es 1400 Mitglieder. Außerdem hat der Landkreis etwa 400 Kinderwehren. Der Landkreis unterstützt die Ausbildung nach allen Kräften, auch mit Höhepunkten wie den Ausbildungslagern über mehrere Tage.

Im Hotel „Schützenhaus“ in Brück wurden am vergangenen Freitag die langjährigen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises geehrt. Der Saal war voll, das Feuerwehrorchester Görzke spielte zur Unterhaltung und die Kameraden verbrachten einige gemütliche Stunden zusammen. Geehrt wurde für 50, 60, 70 und 75 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr.

Mit stehenden Ovationen wurde Helmut Ziehm von der Feuerwehr LocktowZiezow nach vorn zum Empfang der Ehrenmedaille geleitet. Er war der einzige, der die Auszeichnung für 75-jährige Mitgliedschaft erhielt, wofür ihm alle Anwesenden großen Respekt zollten. Der 90-jährige hat sein Interesse sozusagen weiter vererbt, inzwischen ist auch sein Urenkel in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Die Auszeichnung für 70 Jahre Mitgliedschaft erhielten Ernst Falkenberg von der Feuerwehr Gräben und Kurt Wiesenack von der Feuerwehr Schäpe/Reesdorf.

Auf die Kameraden aus der Gemeinde Wiesenburg/Mark wartete nach der offiziellen Auszeichnung noch eine kleine Überraschung. Bürgermeister Marco Beckendorf, Gemeindewehrführer Burkhard Brüning und der Reetzer Ortswehrführer Steffen Teuber hatten als Dank für die Kameraden noch ein zusätzliches Geschenk mitgebracht. Die Kameraden wurden für 50- und 60-jährige Mitgliedschaft geehrt. 60 Jahre sind Wolfgang Striebing und Alfons Schmidt dabei. Und sie erinnern sich, manchmal mit einem Schmunzeln, an ihre Anfangsjahre.

Der 82 jährige Wolfgang Striebing trat 1958 der Freiwilligen Feuerwehr Reetz bei. Jedoch anfangs nicht, weil er es unbedingt wollte, er war eher sportlich aktiv, als Geräteturner. Damals ging es los mit dem Wettkampfsport auf dem Turnplatz in Bad Belzig. Da wollten die Reetzer auch gern mitmachen. Also beschloss der damalige Wehrführer Otto Kaiser: „Die ganze Turnerriege wird Mitglied in der Feuerwehr, dann haben wir eine schlagkräftige Mannschaft.“ So wurde Wolfgang Striebing über Nacht Feuerwehrmann. Trainiert wurde auf dem Reetzer Mühlenberg, denn den Sportplatz gab es damals noch nicht. Übungen mit der Spritze wurden an der ehemaligen Badeanstalt (heute der Dorfteich) durchgeführt. „Die Schläuche waren damals ewig schwer, ebenso die imprägnierte Kombi“, erinnert sich Striebing. Mit letzterer musste auch zu den Wettkämpfen angetreten werden. Man fuhr nicht wie heute fast bequem mit den Fahrzeugen, sondern mit Trecker und Hänger. Auf dem ersten Hänger saßen die Kameraden, auf dem zweiten wurde die Spritze transportiert – es war also ein Dreiergespann. Wolfgang Striebing erinnert sich schmunzelnd, dass sich auf der Fahrt nach Bad Belzig im Zickenhau (etwa beim Abzweig Schmerwitz der B246) plötzlich die Klappe des Hängers löste und man fast die Spritze verloren hätte. Als die Kameraden am Wettkampfort ankamen, wurden sie von den anderen ausgelacht ob ihrer einfachen Ausrüstung. Als sie jedoch bei den Wettkämpfen erste, zweite und dritte Plätze belegten, guckten die anderen doch ziemlich dumm. Im Schlauchwickeln waren die Reetzer derart spezialisiert, da kam keiner ran. Ende der 60er Jahre wurde in der Ortsmitte in Reetz ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut, da half auch Wolfgang Striebing fleißig mit. Noch heute ist er bei den Wettkämpfen in Reetz stets mit dabei. „Und wenn ich nur den Wasserhahn auf und zu drehe“ meint er lächelnd.

Alfons Schmidt aus Wiesenburg erinnert sich an seine erste Tätigkeit in der Wiesenburger Feuerwehr. „Das alte Gerätehaus wurde angerissen für einen Neubau und ich zog die Nägel aus den Brettern“, so Schmidt.  Das war 1958. Über NAW (nationales Aufbauwerk der DDR) wurde ein neues Gerätehaus durch die Kameraden errichtet. Damals bekam die Wehr das erste Fahrzeug, einen K 30, der heute noch existiert. Als Alfons Schmidt in Reetz die Gaststätte übernahm, wechselte er in die dortige Wehr.  Viele Einsätze bleiben ihm in besonderer Erinnerung, wie der Blitzeinschlag in einem Haus in der Teichstraße. Der Besitzer hatte sich nie groß Gedanken bei Gewitter gemacht, nie Sachen bereit gelegt oder sich angezogen. Bis zu jenem Tag, da lief er im Schlafanzug herum, da er keine Hose finden konnte.

Die meisten Einsätze hatten die Kameraden jedoch entlang der Bahnlinien und in den Wäldern. Damals fuhren ja noch Dampfloks und der Funkenflug entzündete ein ums andere Mal die Flächen entlang der Bahnlinien. Noch schlimmer war es, wenn die Soldaten der Roten Armee ihre Übungen in den umliegenden Wäldern abhielten. Diese verließen ihre Lager, ohne ihre Lagerfeuer auszumachen. Da waren Einsätze schon fast vorprogrammiert.

Aufrufe: 188