Reetzerhüttener Feuerwehr feierte Geburtstag

Reetzerhütten. Zu ihrem 90. Geburtstag gedachten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Reetzerhütten auch ihrer verstorbenen Kameraden mit einer Gedenkminute. Jürgen Friedrich ließ die Geschichte der Wehr noch einmal Revue passieren. Sowohl  lustige als auch ernste Geschehnisse kamen zur Sprache. Vor allem dankte er den Betrieben und Firmen, welche die Kameraden  ohne Umschweife für Einsätze freistellen, allen voran die Firma Elektro-Beelitz. Ohne diese Bereitschaft könne man die Einsatzbereitschaft nicht aufrecht erhalten, so Friedrich.

Wie für alle Wehren steht auch in Reetzerhütten die Nachwuchsgewinnung ganz oben. Ebenso die Ausbildung der Feuerwehrleute. Ganz wichtig ist dabei die Unterstützung der Familien, die oft ganze Wochenenden auf ihre Partner und Väter verzichten müssen.

Zur Geburtstagsfeier waren auch befreundete Wehren eingeladen. Und natürlich gab es auch Geschenke. Neben den Durstlöschern auch ein Modell eines alten Feuerwehrautos von Familie Blasche. Über 20 Jahre stand es bei der Familie zu Hause. Zu dieser besonderen Gelegenheit wechselte es nun in die Hände der Reetzerhüttener Löschgruppe und wird einen würdigen Platz in deren Domizil erhalten.

Die Geschichte der Feuerwehr Reetzerhütten begann genau am Nikolaustag. Neben Kreisbrandmeister Linke aus Beelitz und dem Vertreter der Feuersozietät Belzig Herrn Klockenberg waren am 06.12.1929 zwanzig Männer aus Reetzerhütten zusammen gekommen. Sie waren der Einladung gefolgt, um im Ort eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Am gleichen Abend wurde Erich Riedel zum ersten Wehrführer ernannt. Das blieb er bis 1934.

Die ersten Geräte wurden angeschafft. Als Geräteschuppen diente ein Anbau an der ehemaligen Schule. Später wurden eine 400er Motorspritze und einige Hanfschläuche gekauft. Als Maschinist wurde Richard Schade eingesetzt. Verschiedene Ausbildungen und Schulungen wurden durchgeführt.

Neuer Wehrführer ab 1934 wurde Fritz Schulze. Ernst Kaiser übernahm die Ausbildung der Feuerwehrleute. Man nahm auch an Übungen außerhalb des Ortes teil. Dann kam der Krieg – auch unter den Kameraden waren Opfer zu beklagen.

Nach 1945 wurde Fritz Matthies neuer Wehrleiter und Ernst Kaiser sein Stellvertreter. Das Wort „Führer“ wurde gestrichen. So gab es keinen Führerschein mehr, sondern eine Fahrerlaubnis, ebenso kein Führerhaus bei LKW sondern ein Fahrerhaus. Ältere Kameraden hörten auf, neue kamen dazu. Aber auch damals lief nicht alles glatt. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Leitungskadern führten zum Rücktritt und schließlich zum Austritt von Ernst Kaiser aus der Feuerwehr.

Als Kurt Friedrich aus Reetz 1957 nach Reetzerhütten einheiratete und die dortige Gaststätte übernahm, wurde er Bürger von Reetzerhütten. Auch in Reetz war er schon Gruppenführer in der dortigen Wehr. Das war auch bei der Abteilung Feuerwehr beim Rat des Kreises und der Kreisfeuerwehr bekannt, so dass man Kurt Friedrich zum stellvertretenden Wehrleiter in Reetzerhütten ernannte.

Anfang 1957 hatte die Freiwillige Feuerwehr Reetzerhütten 15 Mitglieder. Heinz Kühnel wurde Bürgermeister und die Feuerwehr brauchte ein neues Gerätehaus. Vom Rat der Gemeinde wurde in einer Scheune ein Raum zur Verfügung gestellt, den die Kameraden erst herrichten mussten. Fritz Matthies wollte jedoch aus Altersgründen den Vorsitz abgeben. Man dachte an Kurt Friedrich, aber sein erst kurzer Wohnsitz im Ort und auch seine Arbeit als Gastwirt sprachen vorerst dagegen. So wurde Walter Meerkatz Wehrleiter, Kurt Friedrich blieb Stellvertreter. Er sollte aber nach Absprache auch Aufgaben des Wehrleiters übernehmen.

Als Wiesenburg 1958 ein neues Löschfahrzeug, den noch heute existierenden Robur, bekam, erhielt Reetzerhütten deren Tragspritzenanhänger mit der Tragkraftspritze, die immerhin schon 800 Liter Wasser pro Minute lieferte. Dadurch gab es auch immer mehr Schläuche und das Trocknen wurde schwieriger. Man hing sie dazu über Zäune. Wenn es jedoch regnete, ging die ganze Prozedur von vorn los. Also musste ein Schlauchturm her. Bäume wurden gespendet, mit Treckern und Pferden wurde das Holz zum Sägewerk am Bahnhof gebracht. In einer Sonderschicht mit Hilfe der Kameraden wurde das Holz geschnitten. Weiter bearbeitet wurde es in Karlswerk vom alten Zimmermann Gustav Jung und Stellmacher Fritz Matthies. Nachdem das Fundament fertig war, konnte der zwölf Meter hohe Turm von den Kameraden aufgebaut werden. Und natürlich gab es auch ein Richtfest mit Gulasch. Da sah man dann, wer so richtig viel essen konnte, sehr zum Spaß der Anwesenden. Schließlich ging es an die Verkleidung und den Einbau einer Treppe. In kürzester Zeit war der Turm einsatzbereit. Und alles aus eigenen Mitteln und mit der Kraft der Kameraden.

Als Walter Meerkatz 1960 Vorsitzender der LPG wurde, verlagerte sich die Arbeit der Feuerwehr immer mehr auf die Schultern von Kurt Friedrich, der schließlich 1968 Wehrleiter wurde. Sein Stellvertreter wurde Heinz Heinrich. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Wehr 24 Mitglieder.

Inzwischen wurden von der „Obrigkeit“ immer mehr Frauengruppen verlangt. Im Kreis Belzig gab es die erste Frauengruppe in Schlamau, die zweite in Jeserig und die dritte in Reetzerhütten. Immerhin waren 11 Frauen aktiv.

Als Wiesenburg erneut ein neues Löschfahrzeug bekam, sollte das alte nach Reetzerhütten. Aber wohin damit? Man brauchte ein größeres Gerätehaus. So kaufte die Gemeinde in der Nähe des Schlauchturms Grund und Boden von privat. Früher war dort ein Teich, in alten Landkarten als Heerestränke eingetragen, der im Sommer mitunter austrocknete. Die Stelle wurde mit viel Kies trocken gelegt. Dann ging es an den Bau – wieder in Eigenleistung der Kameraden.

Nach einigem Hin und her und unterschiedlichen Wehrleitern übernahm Kurt Friedrich 1970 wieder die Leitung der Feuerwehr. Es wurden Uniformen besorgt, für die jeder erst einmal 100 Mark zahlen musste. Später erhielt man das Geld von der Gemeinde zurück.

Jetzt hieß es aber auch, Qualifizierungen und Weiterbildungen zu absolvieren. Auch der vorbeugende Brandschutz wurde großgeschrieben. Dazu wurden in den Häusern Brandschutzkontrollen durchgeführt. Besonderes Augenmerk wurde auf Sicherungen, Zustand der Lichtleitungen, Räucherkammern, Aschelagerung und Ofenbleche gelegt. Zu diesen Zeiten heizten die Menschen noch mit Holz und Kohle, was die Brandgefahr bei unsachgemäßer Lagerung des Heizmaterials erhöhte. Es wurden Einsatzunterlagen angefertigt. Alle dafür notwendigen Mittel wurden erprobt und auf entsprechende Pläne festgeschrieben.

Regelmäßig nahmen die Kameraden an Wettkämpfen und Ausscheiden teil. Aber auch  Übungen gehörten zum Alltag, wie die Havarieübungen im Tanklager Medewitz. Die war jedes Mal wie ein Krimi. 1977 gab Kurt Friedrich die Aufgabe als Wehrleiter ab, es ließ sich mit der Belastung durch die Gaststätte nicht mehr vereinbaren. Neuer Wehrleiter wurde Wittich Märtin. 1979 erhielt die Wehr den Titel „vorbildliche Feuerwehr“, den sie mehrmals verteidigte.  1983 übernahm Roland Knorre den Posten des Wehrleiters.

„Die DDR hat 1990 aufgehört zu bestehen. Wir sind jetzt Bundesrepublik Deutschland, unsere Feuerwehr besteht aber weiter. Sie hat bisher schon einige Staatsformen überlebt.“ So steht es in der kleinen Chronik der Reetzerhüttener Wehr.

Nach der Wende übernahm Bodo Ulrich die Führung der Kameraden. Viele Änderungen kamen auf die Kameraden zu. Ab 2002 leitete Daniel Märtin die Wehr, ab 2013 Hans-Jörk Jehmlich. Im Januar des Jahres schlossen sich die Kameraden der Reetzer Wehr an. In Reetzerhütten bestehen sie als Löschgruppe.

Nun wird die Freiwillige Feuerwehr Reetzerhütten 90 Jahre alt und das wird natürlich gebührend gefeiert.

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