Jagen im Fläming

Die Jagd ist eigentlich ein leises Hobby, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Schuss fällt. Jedoch hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten viel verändert. Das betrifft zum einen neue Gesetze, zum anderen auch das Wild selbst. Seit der Wolf wieder bei uns Einzug gehalten hat, ist das Jagen schwieriger geworden – und das nicht nur auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen.

Neue Situation durch den Wolf

Denn auch das Wild hat sich auf den neuen Waldbewohner eingestellt und zeigt sich nicht mehr so offen wie früher. Da der Wolf bei uns keine natürlichen Feinde hat, vermehrt er sich stark. Das bekommen neben den Jägern auch Tierhalter zu spüren. Inzwischen ist der „Graue“ so mutig geworden, dass er sich in die Nähe von Dörfern wagt und seinen Hunger besonders an Weidetieren stillt. Die Bevölkerung ist verunsichert und auch den Jägern macht der Wolf das Leben nicht leichter, da er anderes Wild vertreibt.

Auch Jungjäger Andreas Kallähne hatte bereits Kontakt zum Wolf. „Ich blieb stundenlang von Wölfen unbemerkt im Ansitz. Als ich mich zuvor zum Ansitz bewegte schlief der Wolf zunächst unentdeckt rund 200 m von mir entfernt, ich konnte ihm beim Aufwachen zuschauen“ erzählt er über seine Erlebnisse. So interessant und beeindruckend diese auch sind, Andreas Kallähne befürchtet die Ausrottung bestimmter Wildarten durch den Wolf.

Jagen im Spannungsfeld widerstreitender Interessen

Aber nicht nur der Wolf macht den Jägern Probleme. Auch das Nutzen und Schützen der Natur, Flora und Fauna, Feld und Flur im Spannungsfeld von Forstwirtschaft, moderner Landwirtschaft und Viehzucht, Tourismus sowie Straßenverkehr in Zeiten von extremer  Dürre und Waldbränden bzw. Klimawandel stehen im Focus. Im Jahr 2019 gab es für die Weidmänner einige dicke Brocken zu verdauen. Es war erneut ein Dürrejahr mit vielen Waldbränden. Zusätzlich sorgte die geplante Verschärfung des Waffenrechts,und die neue DVO-Jagd sorgte auch im Jagdverband Bad Belzig für Unmut und Verärgerung, teils auch Empörung und Widerstand. Was teilweise sogar zum Rückzug und Austritt verdienter Waidgenossen führte. Sehen sich letztere ja nicht nur als Jäger, sondern auch als nachhaltige Produzenten von biologischem Wildfleisch. Dieses sollte nach Meinung der Waidmänner viel mehr nachgefragt werden.

Auch die Jägerschaft Ragösen und die Hegegemeinschaft „Nördlicher Fläming“ muss sich nun mit den entstandenen Problemen auseinandersetzen. Dazu findet am 20. Februar um 18 Uhr eine Mitgliederversammlung in der Gaststätte „Zur Erholung“ in Werbig statt. Die Jägerschaft Ragösen ist eine Organisationseinheit des Jagdverband Belzig und der wiederum des Landesjagdverband Brandenburg. Diese Organisationseinheiten vertreten nur die Jäger, die Mitglied sind, und sind nicht identisch mit den Hegegemeinschaften. Die Jägerschaft Ragösen hat derzeit 53 Mitglieder, 5 davon sind Frauen.

„Gerade in der heutigen Zeit können wir als organisierte Jäger auf Aktive eigentlich nicht verzichten. Auf Bitten  vom Vorstand des Jagdverbandes Bad Belzig, die vorgenannten satzungsgemäßen Erforderlichkeiten durchzuführen, habe ich mich als Kommissarischer Jägerschafts-Sprecher in den Dienst unserer gemeinsamen Sache gestellt“ erklärt Andreas Kallähne.

Mit 57 Jungjäger

Mit 57 Jahren hat er sich einen Jugendtraum erfüllt und ist seit rund einem halben Jahr spät berufener Jungjäger. Geboren, aufgewachsen und gerne in West-Berlin lebend schlug er sich den Traum, Jäger werden zu wollen, früh aus dem Kopf. Seit 2015 hat er seinen Lebensmittelpunkt in Bad Belzig, genauer: im Dorf Lütte und damit auch die Möglichkeit bekommen, die Jagd aktiv auszuüben. Weil er das sichere Beherrschen des Handwerkzeuges, insbesondere der Feuerwaffen, für unverzichtbar hält, ist Andreas Kallähne seit 2016 auch Sportschütze. Denn Sicherheit geht immer vor Jagderfolg.

Viel zu besprechen

„Gegenwärtig läuft eine heftige Diskussion in Sachen Schonzeitaufhebung, DVO-Jagd (Durchführungsverordnung) und Wald-Vor-Wild. In Folge der DVO-Jagd Querelen gab es Rück- und Austritte, und ich wurde gebeten, entstandene Fehlstellen auszufüllen, obwohl ich erst seit Mitte 2019 Jäger bin“ erklärt er.

In einem Schreiben des zuständigen Ministeriums an die Jagdverbände heißt es:

“Es ist beabsichtigt, auch über den 31.1. hinaus bis zum 29.2. Anträge auf Schonzeitaufhebung zu genehmigen, wenn Bewegungsjagden auf Schwarzwild durchgeführt werden.”

Die alleinige Bejagung des Schwarzwildes über Drückjagden führt allerdings zwangsläufig dazu, dass auch das übrige –ab dem 16.1. geschonte Wild –mit bejagt, aber nicht erlegt werden darf. Weder die Treiber, noch die Hunde, noch das Wild können hier unterscheiden bzw. steuern, wer beunruhigt wird. Das ist tierschutzrechtlich bedenklich. Dabei spricht sowohl die Höhe der Wildpopulation als auch der insgesamt dramatische Verjüngungszustand im Wald in Brandenburg eindeutig dafür, das Schalenwild bei dieser Gelegenheit mit zu erlegen, sofern hierfür der Abschussplan noch Raum lässt.

Ein weiteres Problem, welches derzeit hohe Wellen schlägt, ist die afrikanische Schweinepest (ASP). Die Wildseuche an den Grenzen Brandenburgs ist die amtliche Begründung für die Möglichkeit, Schonzeitaufhebung zu beantragen. Die Jägerschaft lehnt das ab, und fordert aus Gründen der Hege und des Tierschutz die geltenden Schonzeiten einzuhalten bzw. zu den früheren, längeren Schonzeiten zurück zu kehren. Die ASP  stellt eine Bedrohung  für Wildschweine und Schweinemastbetriebe bzw. Hausschweine in landwirtschaftlichen Betrieben dar. Und um den Schutz der Letzteren geht es. Und um die Reduzierung der Verbissschäden durch Reh-, Damm-, Muffel und Rotwild zu Gunsten der Forstwirtschaft.

Es gibt also viel zu besprechen auf der Mitgliederversammlung. Außerdem steht die Wahl zum Sprecher und zwei Stellvertretern der Jägerschaft Ragösen auf der Tagesordnung. Schon deswegen wird um zahlreiche Beteiligung gebeten.

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