Begeisterter Beifall für Antje Rietz und Wolfgang Köhler im KleinKunstWerk in Bad Belzig

Bad Belzig. Das KleinKunstWerk in der Flämingstadt ist angesagter denn je, während die Plätze in Corana-Zeiten noch beschränkter als sonst sind. „Über zwanzig Menschen musste ich absagen“, bedauert Gerlinde Kempendorff. Andere buchen gleich bis zur „Schneekönigin“ im Dezember. Viele zahlen mehr als die erbetenen zehn Euro. Das große Interesse am Sonntag Nachmittag liegt natürlich neben der Location vor allem auch an der Künstlerin, Antje Rietz. Martina und Heribert Heyden aus Borkwalde, die selbst Musiker sind, sind zum Beispiel extra ihretwegen angereist. Andere Gäste sind aus Berlin oder Hamburg gekommen.

Mit ihrem unterhaltsamen Konzert voller Swing, Jazz und Charleston trifft Rietz den Nerv des Publikums. Mit dem ersten Lied springt der Funke über und zurück auf die Bühne. Viele Zuhörer hält es kaum auf den Stühlen, ihre Beine zucken im Takt mit. Der eine oder andere versucht später sogar sitzend mitzutanzen. Rietz und ihr Partner Wolfgang Köhler werden mit jedem Titel noch besser.

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An Corona kommt die Künstlerin natürlich nicht vorbei: „Ich freue mich, Sie so … lückenhaft begrüßen zu dürfen“, sagt sie zur Begrüßung. Dem Applaus merkt man die Lücken nicht an. Der freundlichen Ermahnung von Kempfendorff – „Sie müssen für zwei klatschen, um die Fehlenden zu ersetzen.“ – hätte es nicht bedurft.

Wolfgang Köhler, Antje Rietz, KleinKunstWerk, Bad Belzig

Rietz lässt mit Chansons von Friedrich Hollaender, George Gershwin oder Kurt Weill die sogenannten „Goldenen Zwanziger“ lebendig werden, deren Lebensgefühl, Lebenslust und Freiheitsdenken bis heute faszinieren. Ganz großes Kino wird ihr Vortrag „Im Theater ist nichts los“ von Georg Kreisler. Rietz beherrscht gleichermaßen das Laszive wie das Komödiantische. Dabei ist sie nicht nur gesanglich facettenreich, sondern ebenso virtuos auf ihrer Trompete. Begleitet wird sie dabei von dem Mann am Klavier: „Der ist so bescheiden, wie er fantastisch ist.“ Köhler spielt nicht nur, sondern hat auch „Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt“ von Kurt Tucholsky vertont.

Wolfgang Köhler, Antje Rietz, KleinKunstWerk, Bad Belzig

Antje Rietz, KleinKunstWerk, Bad BelzigBegeistert aufgenommen wird auch ein Lied „Tschaikowsky and other Russians“ von Kurt Weill und Ira Gershwin aus dem Broadway-Musical „Lady in the Dark“. Im Stakkato trägt Rietz die 50 russisch klingenden Namen vor, was das Publikum mit „Bravo“ quittiert. Gleich danach gönnen Rietz und Köhler ihren Zuhörern mit einem melancholischem Trompetenstück einen Moment der Besinnung.

Rose Friedrich

Ohne Zugabe lassen die Bad Belziger die beiden nicht von der Bühne. Auch die Gäste aus Hamburg, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, hält es während des Konzertes kaum auf ihren Sitzen: „Unsere Tochter wohnt hier. Eigentlich wollten wir erst heute herkommen. Aber als wir gesehen haben, was im KKW geboten wird, sind wir extra einen Tag früher gefahren. Wir sind froh, dass wir noch eine der Karten bekommen haben.“ Sie setzen hinzu: „Die Rietz ist auch eine hervorragende Schauspielerin.“

Ohne das KleinKunstWerk und seine Hausherrin, Gerlinde Kempendorff, wäre der Hohe Fläming ärmer. Kempendorf und ihrem Team gelingt es immer wieder, großartige Künstler nach Bad Belzig zu holen.

Zum Schluss dieses sonntäglichen Konzerts würdigt Kempendorff noch eine besonders treue Zuschauerin. Rosel Friedrich, die gerade ihren 80. Geburtstag gefeiert hatte, ist von Anfang an dabei. „Sie hat,“ verrät Kempendorff, „in den sieben Jahren nur gefehlt, wenn sie wegen eines Geburtstages oder aus anderem wichtigen Anlass nicht konnte.“

Hier noch ein passendes Video aus dem Fundus von YouTube:

Zum Abschluss ein Konzerte in Zeiten von Social Distancing:

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