Das Dorf Schlamau – Frühe Geschichte vor 1900

Schlamau. Das Dorf Schlamau feiert in diesem Jahr seinen 660. Geburtstag. Die Vorbereitungen laufen. Durch verschiedene Förderprojekte wird das Dorf entsprechend gestaltet, da es voraussichtlich wegen Corona keine große Feier geben kann. So wurden bereits im Herbst 2020 Osterglocken gesteckt, die im Frühjahr wunderschön geblüht haben. Viele Einwohner waren eifrig dabei. Demnächst wollen die Einwohner eine Freilichtausstellung gestalten, indem sie an verschiedenen Orten Fotos aus früheren Zeiten aufstellen. Zu Schlamau gehört auch Schmerwitz, jedoch ist die urkundliche Ersterwähnung der Orte unterschiedlich. Geburtstag feiert also nur Schlamau.

Für die Ausstellung hat Ortsvorsteherin Birgit Kaiser schon alte Fotos zusammen getragen und sie auf Plakate drucken lassen. Sie zeigen die Feldarbeit aus den frühen 1920er Jahren, aber auch Aktivitäten nach dem Krieg. Auch ein altes Foto der Feuerwehrmänner ist dabei. Demnächst sollen die Fotos aufgestellt werden. So können nicht nur die Einwohner, sondern auch Besucher sich ein Bild machen, wie es in Schlamau früher aussah. Außerdem ist ein Kalender geplant. Dieser soll jedoch Fotos aus dem gesamten Gemeindegebiert beinhalten und auch den anderen Ortsteilen der Gemeinde Wiesenburg/Mark zur Verfügung stehen.

Aber wie sah es in Schlamau früher aus?

Ernst Wilhelm Fähndrich hat 1883 in seinem Buch „Die Herrschaft Wiesenburg“ die Geschichte der Orte aufgeschrieben, die zum damaligen Herrschaftsbereich gehörten und dabei aus heutiger Sicht viele interessante Dinge zu Tage gefördert. In ganz alten Zeiten hieß das Dorf nämlich Slamou und noch im 17. Jahrhundert Schlamauhe. Die Schreibart „Schlammau“ und die Deutung: „Schlamm in der Au“ ist jedoch falsch. Das Dorf Schlamau führt aller Wahrscheinlichkeit nach seinen und seines Namens Ursprung in eine Zeit zurück, in der man in hiesiger Gegend noch nicht deutsch, sondern wendisch sprach. Denn Schlamau soll schon mit Jeserig zwischen 950 und 1000 n.Chr. angelegt sein und zwar durch die Bischöfe von Brandenburg. Für den Geburtstag ist jedoch die erste urkundliche Erwähnung ausschlaggebend.

Als die Herren von Brandt 1456 die Brandtsheide kauften, war Schlamau bewohnt. Die Gesamtherrschaft Wiesenburg wurde im Jahr 1627 geteilt und Schlamau kam nicht zu dem zweiten, dem späteren Schmerwitzer Teil, zu dem es jetzt gehört, sondern zu Wiesenburg. Die Besitzverhältnisse wechselten mehrere Male innerhalb der Familie. Als Schlamau 1697 an die Schmerwitzer Linie der Brandts überging, blieben jedoch die Wassermühle und der große Teich in der Mitte des Dorfes noch bei Wiesenburg, bis hierüber mit Schmerwitz 1700 ein Vergleich zustande kam. Somit gehört Schlamau erst seit etwa 240 Jahren zur jüngeren Linie von Brandt, die 1697 auch das Kirchen- und Schulpatronat über Schlamau bekam.

In dieser Zeit hatte Schlamau 6 Hüfner, 7 Kossäten, den Hirten und den Müller, der seine Mühle 1624 an Benno Friedrich den Reichen von Brandt für eine Wassermühle in Wiesenburg getauscht hat. Die Wassermühle, mehrfach vom Brand heimgesucht (z.B. 1865), wechselte sehr oft die Besitzer. 1870 ist ein zweiter Gasthof entstanden. Die Einwohnerzahl betrug damals 279.

Nach dem 30 jährigen Krieg war von Schlamau nicht mehr viel übrig. Einige Höfe waren noch bewohnt, viele verlassen. Auch der Teich wurde nicht mehr genutzt. Es hat wohl längere Zeit gebraucht, ehe sich das Dorf von einem solchem Verfall erholt hat. Man sieht das daraus, dass z.B. 1683 in dem Kirchenbuch von Schlamau (incl. Arensnest und Neuehütten) nur drei Geburten und drei Todesfälle vermerkt sind.

Der Anfang des 18. Jahrhunderts – 1701 und 1702 – ist ein wichtiger Zeitraum für Schlamau, denn da wurde die Kirche neu errichtet. Finanziert haben den Bau Hans Friedrich und August Friedrich von Brandt, die auch viel von dem heiligen Inventar gespendet haben. Über der Kirchentür wurde dies in einem viereckigen Stein gewürdigt.

1882 wurde ein neues Schulhaus gebaut, welches heute noch steht. Darin befindet sich jetzt der Gemeinderaum und eine Gaststätte. Die Kosten von 9000 Mark waren zur damaligen Zeit ein hübsches Sümmchen, welches Gemeinde und Kirche gemeinsam aufbrachten. Die Herrschaft zu Brandt sorgte auch für einige Ausstattungsgegenstände.

In dieser Zeit gab es aber auch einige Besonderheiten, wohl nicht nur in Schlamau. So hatte die Gemeinde Schlamau Jungfernsteuer zu geben und zwar der Schulze 1 Viertel Bier, 2 Scheffel Hafer und 2 Hühner und die Gemeinde 1 Fass Bier und 1 Ochsen, ein jeder Hüfner 2 Scheffel Hafer und 2 Hühner und 1 Kossäth 1 Scheffel Hafer und 1 Huhn. Die Jungfernsteuer war eine Steuer, die Anfang des 18. Jahrhunderts in Berlin erhoben wurde. Unverheiratete Frauen von 20 bis 40 Jahren mussten im Monat zwei Groschen Jungfernsteuer entrichten. Ziel der Steuer war es, wie heutzutage etwa in Form von Entlastungen für Ehepaare, Nachwuchs zu fördern. Diese Steuer ging zurück auf Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg, der von 1699 bis 1711 Premierminister von Preußen war und viel Phantasie bei der Erfindung neuer Steuerarten bewies.

In Schlamau gab es früher viele Handwerker und andere „Produzenten“. So hat hat es 1753 einen Branntweinbrenner gegeben, außerdem war auch ein Töpfer in Schlamau. Auch ein Müller war ansässig, denn es gab sowohl eine Wasser- als auch eine Windmühle. Von den Stellmachern wurde nicht unbedeutender Holzhandel getrieben, aber ansonsten lebte man hauptsächlich von der Landwirtschaft.

SchlamauHeute ist von den damaligen Berufszweigen nichts mehr da. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es noch einen Bäcker und auch eine Konsumverkaufsstelle. Von den alten Vier- und Dreiseithöfen sind nur noch drei, wenn auch nicht vollständig, erhalten, alle anderen Häuser wurde ab 1900 neu errichtet. Blickfang des Ortes ist der sanierte Teich, an dem sich die Einwohner gemütliche Sitzecken geschaffen haben. Für Wanderer sind die Schlamauer Rummeln interessant, durch die man bis nach Wiesenburg wandern kann.

Begriffe:

Hüfner:

Ein Hufner, auch Hüfner genannt, ist ein Bauer, der als Grundbesitz eine, mehrere oder einen Teil einer Hufe Land bewirtschaftet

Kossäthen:

Kötter, Köter, Köthner, Kötner, Kätner oder Kotsassen, vor allem in Preußen und Mecklenburg auch Kossat(h)en, Kossater oder Kossäten, waren Dorfbewohner, die einen Kotten (eine Kate) besaßen. Sie hatten nur geringen Landbesitz, aber keinen vollen Anteil an der Hufenflur.

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