Medewitzerhütten: Für den Zirkus Aramannt leider mehr als ein Winterquartier

Medewitzerhütten. In Medewitzerhütten gibt es schon seit 29 Jahren einen Zirkus. Vielen ist es gar nicht bewusst, weil dort eigentlich nur das Winterquartier ist. Die meisten Besucher sind in dieser Zeit das erste Mal beim Zirkus Aramannt. Normalerweise ist die kleine Truppe mit ihren Tieren nämlich das Jahr über und auch zu Weihnachten in den östlichen Bundeländern unterwegs. Aber in diesen Zeiten ist nichts mehr normal.

Der kleine Familienzirkus besteht bereits in der dritten Generation. Heidi Spindler hat ihn von ihren Eltern übernommen. Sie blieb als einzige in heimischen Zirkus, ihre fünf Geschwister haben sich mit jeweils einem eigenen Zirkus selbstständig gemacht und sind in der ganzen Welt verstreut. Die Crew besteht aus sieben Personen, alles nur Familie.

Für die Tiere sorgen

Als die ersten Einschränkungen durch Corona kamen, dachten die Zirkusleute noch: Es wird schon weiter gehen und nicht so schlimm. Aber nun sitzen sie schon das zweite Jahr fest, ohne Auftritte und vor allem ohne Einkünfte. „Wir hatten noch ein paar Reserven, aber die sind nun aufgebraucht“, sagt Heidi Spindler. Für das Personal sei zwar durch das Arbeitsamt gesorgt, aber nicht für die Tiere.

Die wenigen Soforthilfen haben vorn und hinten nicht gereicht. Anfangs dachten sie noch, dass sie zu Weihnachten eventuell auftreten könnten. Aber daraus wurde bekanntlich nichts. Dann lag die Hoffnung auf Ostern, aber auch die zerschlug sich. Die laufenden Kosten wie Strom und Wasser bleiben jedoch. Und vor allem die Kosten für die Versorgung der Tiere. „Jetzt ist es fünf vor 12“, sagt Heidi Spindler:

„Eine Weile hält man es durch, aber irgendwann geht es nicht mehr.“

So hatten sie bereits einen Aufruf gestartet und Tickets gegen Spenden für die Tiere angeboten. Einiges kam zusammen, sogar aus Regionen um Berlin. „Dafür sind wir den Spendern sehr dankbar“, so Heidi Spindler. Auch Nachbarn und Einwohner bringen mitunter etwas vorbei – und seien es nur Möhren oder trockenes Brot.

Die Ausgaben bleiben

Wie es aussieht, wird der Zirkus wohl noch eine Weile in Medewitzerhütten fest sitzen. Und die Reserven sind aufgebraucht. Trotzdem stehen Ausgaben an. So müssen die 12 Pferde gegen Tetanus und Influenza geimpft werden. Eine Spritze kostet 35 Euro. Auch der Hufschmied macht nichts umsonst, wenn auch schon zu einem Freundschaftspreis. Die Hunde müssen entwurmt und geimpft werden und auch bei den Ziegen stehen Tierarztbesuche an. Und dann ist da auch noch das Futter, welches immer teurer wird. Einen Ballen Heu bekommt man derzeit nicht unter 30 Euro. Für ungeplante Kosten sorgen auch noch die beiden Wiesen. Sobald es das Wetter erlaubt, sind die Tiere im Freien. Nur die Ziegen sind da etwas zimperlich. Es sind Damaraziegen, und die fangen schon bei wenigen Regentropfen an zu meckern. Jedoch wachsen auf den Wiesen auch einige Pflanzen, die nicht gut bzw. sogar giftig für die Tiere sind. Deshalb wird nun die eine Wiese umgepflügt und neu angesät. „Wir hoffen, dass wir dann im Spätsommer oder Herbst wieder eine geeignete Futterfläche zum Grasen haben“, sagt Heidi Spindler.

Streichelzoo

Um ein paar Einnahmen zu generieren, kamen die Zirkusleute auf den Gedanken mit dem Streichelzoo. Solange es die Inzidenzzahlen erlauben und unter Einhaltung aller Corona – Maßnahmen können Familien mit ihren Kinder die Tiere aus der Nähe ansehen. Sie müssen vorher telefonisch einen Termin buchen und die Abstandsregeln einhalten. „Pro Person 5 Euro ist in Ordnung für das, was wir anbieten“, sagt Heidi Spindler. Die Einnahmen sind ausschließlich für die Tiere. In das große Zelt dürfen Besucher zwar hineinschauen, aber nur mit Maske. Aufführungen finden nicht statt.

Für die Kinder ist der Besuch immer wieder ein Erlebnis. Es gibt drei kleine Ponys, mit denen sie in Begleitung ihrer Eltern spazieren gehen können. Außerdem dürfen sie die Ponys in einer extra dafür eingerichteten Box striegeln und pflegen. Und natürlich in die Mähne kleine Zöpfchen flechten. Das Ponyreiten ist sehr beliebt. Und Hengst Jimmy ist dafür mehr als geeignet. Das Welsh Pony ist sehr gelehrig. In der normalen Show stellt er sogar ein Einhorn dar. Ein Video der Nummer kann man sich auf YouTube ansehen.

Neben Ziegen und Ponys gibt es aber noch mehr zu sehen. Zwölf Hunde beherbergt der Zirkus, insgesamt zehn Ziegen, neun Gänse, zwölf Pferde, drei Lamas und zur Freude der Kinder auch Kaninchen. Zum Team gehören aber auch die „Rentner“ unter den Tieren. Sie treten nicht mehr in der Manege auf. „Aber sie bleiben bei uns, bis der Tierarzt sagt, es geht nicht mehr“, erklärt Heidi Spindler. Zu den Rentnern gehört Hund Lacky. Ihn hat die Zirkusfamilie aus dem Tierheim geholt. Der vorherige Besitzer ist wohl nicht so gut mit ihm zurechtgekommen, weil Lacky ziemlich wild war. Aber mit viel Geduld ist Lacky schließlich auf Pferden geritten und konnte sogar Seilspringen. Jetzt genießt er das Leben als Rentner.

Gänse im Zirkus sind auch nicht alltäglich. „Man sollte diese Tiere nicht unterschätzen“, erklärt Heidi Spindler. Das Federvieh ist sehr intelligent. Die braunen Gänse hat der Zirkus als Küken bekommen, sie halten zusammen. Die anderen bilden die zweite Gruppe, denn sie waren schon vorher da. Da gibt es natürlich oft lautes Geschnatter.

Aber faulenzen gibt es auch jetzt nicht. Mit den Tieren muss täglich trainiert werden, sonst verlernen sie es. Und natürlich auch auf Hinblick auf eine baldige Öffnung. Dann gibt es vielleicht auch wieder Auftritte im Ausland. Einige Nummern aus der Show waren bereits in Island, Österreich, Schweden, Polen, Tschechien und Frankreich zu sehen. So beschäftigen sich die Töchter Joline und Eugenie täglich mit den Tieren.

Jetzt geht es darum, die schwierige Zeit so gut wie möglich zu überstehen. Wer also den Streichelzoo im Zirkus besuchen möchte, kann sich unter 0176 – 22587581 anmelden. Das ist auch am 1. Juni möglich, da ist nämlich Kindertag. Und welche Überraschung wäre für die Kleinsten schöner, als die Begegnung mit echten Tieren.

Aufrufe: 47