Bad Belzig: Alix Dudel und Sebastian Albert begeistern im KleinKunstWerk mit der Poesie der Mascha Koléko

Bad Belzig. Alix Dudel hat Lampenfieber:

“Seit langer Zeit wieder einmal vor lebendigem Publikum.“

In der Aufregung vergisst sie beim Gang auf die Bühne des KleinKunstWerkes sogar ihre Vortragsmappe. Dann beginnt ein leiser, eindringlicher und humorvoller Nachmittag mit Lyrik von Mascha Kaléko. Die wunderbar warme Stimme von Dudel, das kongeniale Gitarrenspiel von Sebastian Albert und die Poesie der Kaléko machen diesen Nachmittag zu einem Erlebnis.

Alix Dudel, Sebastian Albert, KleinKunstWerk, Bad Belzig
Alix Dudel und Sebastian Albert
Alix Dudel, KleinKunstWerk, Bad Belzig
Alix Dudel

Mascha Kaléko? Die Künstlerin Dudel erzählt in einer ihrer seltenen Zwischenbemerkungen, dass sie immer nur zwei Reaktionen auf den Namen Mascha Kaléko erfährt. Der einen fragen, wer das sei. Die anderen finden die Frage überflüssig. Kennt man selbstverständlich. Also Mascha Kaléko, die am 7. Juni 1907 in Galizien geboren wurde, 1918 nach Berlin kam und als Jüdin rechtzeitig in die USA fliehen konnte. Die vor allem wunderbare Gedichte geschrieben hat, mitten aus dem Leben, oft melancholisch, fast zärtlich, oft mit einem Augenzwinkern und immer mit dem sicheren Blick für die kleinen Begebenheiten, die alles bedeuten.

Sebastian Albert, KleinKunstWerk, Bad Belzig
Sebastian Albert

Dudel und ihr Partner an der Gitarre, Sebastian Albert, verstehen es hervorragend, die zarte Poesie und den sanften Humor der Koléko zur Geltung zu bringen. „Wenn man nachts nicht schlafen kann“, dann wird man sich ganz und gar in Dudels und Alberts Interpretation des gleichnamigen Gedichts aus „Das lyrische Stenogrammheft“ wiederfinden. Mit dem Lauschen in die Nacht, den quälenden Gedanken. Die warme Stimme, die sparsamen Gesten, das zarte Zupfen an der Gitarre und die Pausen zwischen den Zeilen bleiben hängen.

Alix Dudel, Sebastian Albert, KleinKunstWerk, Bad BelzigAlix Dudel darf gemeinsam mit Partner Sebastian Albert als erste die neue Anlage im KleinKunstWerk Bad Belzig ausprobieren. „Das Schönste, was es für Kleinkunst gibt“, begeistert sich Gerlinde Kempendorff, die Betreiberin der Spielstätte. Tatsächlich bringt die Anlage die Nuancen in Vortrag, Gesang und Gitarrenspiel der beiden Künstler klar und bis in den letzten Winkel des Raumes rüber.

Man könnte die ganze Zeit über die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören, so gebannt hören die Gäste zu. Zu den eindrucksvollsten Stücken gehört eines ganz ohne Worte. Während Albert an seiner Gitarre zupft steht Dudel im Hintergrund, liest scheinbar eine Reihe von Briefen, die sie nach dem Lesen zu Boden gleiten lässt. Mit sparsamster Mimik bringt Dudel den traurigen, netten, fröhlichen Inhalt rüber. Auch wenn sie kein Wort sagt oder singt, meint man die ganze Zeit, ihre Stimme und die Poesie der Kaléko zu hören. Am Ende gibt es von den 29 Gästen so viel Beifall, dass es sich anhört, als wäre das KleinKunstWerk bis zum letzten Platz gefüllt.

Alix Dudel, Sebastian Albert, KleinKunstWerk, Bad Belzig

Gerlinde Kempendorff, KleinKunstWerk, Bad Belzig
Gerlinde Kempendorff

„Das Haus erwacht“, freut sich Gerlinde Kempendorff anlässlich dieser zweiten Veranstaltung diesen Jahres im KleinKunstWerk Bad Belzig, auch wenn die noch immer geltenden Corona-Beschränkungen drücken. Nach der langen pandemiebedingten Pause musste Kempendorf das ehemalige Elektrizitätswerk und heutige Eldorado der Kleinkunst im Hohen Fläming erst einmal vom Staub befreien. Auch die eine oder andere Spinnwebe galt es zu entfernt. Alle müssen sich erst wieder an den Live-Genuss von Kunst gewöhnen. Der Betreiberin fehlt noch die letzte Routine. Zum Glück springt der Freundeskreis ein und bäckt den Kuchen. Die Künstlerin Alix Dudel, seit Jahrzehnten im Geschäft, hat plötzlich ungewohntes Lampenfieber. Das Publikum strömt noch nicht so, wie es könnte. „Manche kommen nicht, weil sie davon ausgehen, dass die reduzierte Platzzahl eh sofort weg ist“, ärgert sich Kempendorff.

Dabei sollte man unbedingt nachfragen. Insbesondere im August. Die ganzen ausgefallenen Veranstaltungen werden dann nachgeholt, komprimiert in einer KleinKunstWoche. Wer das verpasst, der ist selbst schuld.

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