Buchholz: Alte Schultische werden zu Vitrinen für alte Bibeln und Gesangbücher

Buchholz. Am 20. April 1899 traten der Junggesell Friedrich Wilhelm Otto Wieland (geboren 16. Februar 1871 in Baitz) und die Jungfrau Anna Alwine Pauline Altekrüger (geboren 13. März 1875) in der Kirche zu Buchholz vor den Traualtar. Als Hochzeitsgabe schenkte die Kirchengemeinde zu Buchholz eine so genannte Traubibel. Das in dunkles Leder gebundene Buch hat die Zeit überdauert und wird demnächst Teil einer Dauerausstellung in der Kirche zu Buchholz werden.

15 teils antiquarische Bücher – Gesangbücher und Bibeln – bilden aktuell den Grundstock für die geplante Ausstellung, in die auch das Evangelisches Gesangbuch der Provinz Brandenburg in einer Ausgabe von 1916 einziehen wird. “Dieses Buch gehörte Alma Handrich”, erzählt Annette Benke, die die Idee für die Sammlung und Ausstellung der religiösen Werke hatte.

Sie zeigt Gesangbücher, Traubibeln und Kinderbibeln, Exemplare die 100 Jahre und älter sind, Bücher aus den 1930er und aus den 1970er Jahren. Teils sogar mit Widmungen, die an die früheren Besitzer, wie die Eheleute Wieland oder Alma Handrich, erinnern.

In Vitrinen werden die Bücher später ausgestellt – jedoch nicht in irgendwelchen Vitrinen, die eigens für diesen Zweck angeschafft wurden, sondern in ganz besonderen. “Wir lassen gerade alte Schultische zu Vitrinen umarbeiten”, erklären Annette Benke und Sabrina Kienow vom Gemeindekirchenrat. Damit werden die alten Bücher in Schultischen präsentiert, an denen die Kinder aus dem Dorf und aus dem Nachbarort Lühnsdorf einst lesen und schreiben gelernt haben und an denen einige von ihnen später im Rahmen der Christenlehre saßen.

Annette Benke erzählt, dass die Buchholzer Dorfschule schräg gegenüber von der Kirche ihren Standort hatte. Als die kleine Dorfschule 1968 geschlossen wurde, wurde auch das Schulhaus ausgeräumt. Heute würde man sagen, entkernt. Ausstattungsstücke und Lehrmaterial, das noch brauchbar war, wurden in den Schulen der Umgebung weiter genutzt. Für die alten Schulbänke interessierte sich jedoch niemand. Sie kamen, bis auf eine kleine Anzahl, auf den Müll und wurden vermutlich Feuerholz.

Die Bänke, denen dieses Schicksal erspart blieb, kamen in den Vorraum der Kirche. Mit Wachstuch bedeckt, erinnerte sich bald niemand mehr daran, dass es sich bei den Tischen um Schultische handelte. Und so geriet der Umzug der Schulbänke in die Kirche in Vergessenheit.

Bis Annette Benke auf die Idee kam, alte Bibeln und Gesangbücher in der Kirche auszustellen – ein Teil der Bücher stammt aus ihrem Besitz und erinnert an die Altvorderen der Familie. Sie erzählt:

“Zu Hause habe ich die Bücher oft von einem Zimmer ins nächste getragen.”

Zum Wegwerfen waren sie zu Schade – doch wo und wie aufbewahren? In diesem Zusammenhang erinnerte sie sich an die alten Schultische in der Kirche. Sabrina Kienow war sofort begeistert, und Tischlermeister Nico Benke wurde dafür gewonnen, die Schultische auf- und umzuarbeiten. Sind die Arbeiten am geschichtsträchtigen alten Schulmobiliar beendet, zieht es wieder zurück in die Kirche. Dann können Bibeln und Gesangbücher in den neuen Vitrinen Einzug halten und die Kunstkirche Buchholz lädt wieder zu einer neuen Ausstellung ein.

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