Schwanebeck: Ein Dorf mit Kurortgeschichte

Schwanebeck. Die Stadt Bad Belzig hat 14 Ortsteile – aber nur einen mit Kurortvergangenheit. Es ist das nur vier Kilometer entfernt liegende Dorf Schwanebeck.

Im Jahr 1692 war dort eine eisenhaltige Quelle entdeckt worden, der sogar wundersame Heilkräfte nachgesagt wurden. Menschen, die auf der Suche nach Heilung und Linderung ihrer Beschwerden waren, machten sich auf den Weg nach Schwanebeck – im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert!

Alte Chronisten berichten, dass von der Heilung aller unheilbaren Krankheiten die Rede war, davon, dass Blinde wieder sehen, die Stummen wieder reden, die Lahmen und Krüppel wieder gerade und gesund werden würden.

1715 wurde eine zweite mit Schwefel versetzte Quelle in Dorfnähe entdeckt, die der ersten in nichts nachstand. Bei den verschiedensten Magenbeschwerden, Arthritis, Gicht, Hüft- und Lendenschmerz konnte das Wasser Linderung verschaffen. Es wurde zur innerlichen und äußerlichen Anwendung empfohlen. Wunder blieben jedoch aus. Viele der “elenden Personen, die sich hinzu gemacht”, konnten unmöglich “curieret werden”, heißt es beispielsweise in der Eilerschen Chronik. Ende des 18. Jahrhunderts endete Schwanebecks Zeit als Kurort. Der Wunsch des Arztes Dr. Johann Adam Külbel, dass “der Herrgott dem Brunnen und dessen Kräfte beständige Continuation” geben möge, erfüllte sich, wie wir heute wissen, nicht. Der „Gesundbrunn“ geriet in Vergessenheit.

Als infolge der Eingemeindung von Schwanebeck neue Straßennamen gebraucht wurden, erinnerte sich eine Einwohnerin an diesen Teil der Geschichte von Schwanebeck und regte an, die bis dahin Brandenburger Straße in Am Gesundbrunnen umzubenennen.

Als sich 2017 die Entdeckung der Quelle zum 325. Mal jährte, wurde in Nähe zum Gesundbrunnenn ein Gedenkstein aufgestellt und der Baum des Jahres 2017, eine Fichte, gepflanzt. 2019 pflanzte die Dorfgemeinschaft einen weiteren Jahresbaum, die Flatterulme. Beide gedeihen prächtig.

In einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1927 ist das alte Brunnenloch des Gesundbrunnens noch erwähnt. Gut möglich, dass in den 1960er Jahren, als man das Areal anstaute, dessen letzte Reste verschwanden. Aus einem guten Dutzend winzig kleiner Quellen in der Umgebung sprudelt jedoch noch immer glasklares Wasser – dass auch dem Hellbach seinen Namen gab.

Im nur vier Kilometer entfernten Bad Belzig wurde wiederum 1996 in 775 Metern Tiefe eine Quelle entdeckt, die der Stadt den Weg zum Badtitel ebnete und die seit 2002 die SteinTherme speist. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Bad Belziger Thermalsole auf Herz und Kreislauf, Muskeln und Gelenke, Haut und Atemwege sind vielfach beschrieben und ähneln denen des Schwanebecker Gesundbrunnens.

(Artikelfoto: 2017 besuchten Gästeführer von Bad Belzig und der damalige Thermechef Dr. Christian Kirchner den Gesundbrunnen)

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