Der Schlamauer Dorfteich – ein Biotop mit Geschichte

Schlaumau. „Fläming – arm an Born- reich an Korn“ heißt ein vielzitierter alter Spruch. Wasser ist rar im Hohen Fläming. Rasch fließt es ab in den sandigen Boden und schon schmale Rinnsale und kleine Teiche fanden und finden höchstes Interesse.

Teiche entstanden dort, wo eiszeitliche Wasserströme an tiefer gelegenen Stellen ruhiger flossen oder zum Stehen kamen, so dass die feinsten Teilchen der mitgerissenen Bodenmassen – Mergel (Lehm) und Ton – zu Boden sinken und sich ablagern konnten. Solche tiefer gelegenen Stellen sind das Schlamauer Becken, das Reetz-Mahlsdorfer Becken und das Wiesenburg-Jeseriger Becken.  Die genannten Bodenarten lassen das Wasser sehr schwer oder gar nicht durchsickern, so dass sich hier die geringen Quellwässer und die Regenabflüsse sammeln konnten.

Dem Wiesenburger Erbbuch von 1575 ist zu entnehmen, dass die dortigen Herren den Wert der Gewässer erkannt hatten und diese pflegten, indem sie z.B. die „Springe“ (Quellen) säubern und einfassen ließen und zu Fischerei und Mühlenzwecken nutzten. Von Schlamau erfährt man aus der alten Schrift, dass der Teich schon damals, vor über 400 Jahren, genutzt wurde. Als 1627 der Wiesenburger Besitz geteilt wurde, erhielt ein Zweig der Familie zu seinen Gütern das Dorf Schlamau, der andere erhielt Teich und Mühle von Schlamau. Das zeigt, wie wichtig das Gewässer und seine Nutzung waren. Im gleichen Jahr wird „der Wert der Teiche und der Fischerei in den Bächen bei Wiesenburg, Schlamau und Briesen auf 2376 fl. Und 18 gr. angeschlagen“ (fl=Floren=Gulden).

Der Schlamauer Müller mahlte für Schlamau und die damaligen „Vorwerke“ Schmerwitz und Steindorf. Entsprechend musste er nach Wiesenburg Abgaben zahlen: 3 Wispel Getreide und ein fettes Schwein.

Nach dem dreißigjährigen Krieg waren diese Ortschaften so heruntergekommen(wie das gesamte Gebiet), dass auch dem Müller die Abgaben gesenkt werden mussten. Mehr als 1 Wispel konnte man ihm nicht abverlangen, es war nicht mehr da. (Wispel, ein altes Hohlmaß, ca.: 1320 Liter) Noch lange nach Kriegsende, 1696, bewohnte nur ein Mann die Wassermühle. In Schlamau wohnten insgesamt lediglich 8 Leute, wo 15 hätten wohnen können.

Ende des 17. Jahrhunderts gelangten Dorf und zur Jahrhundertwende dann auch Teich und Mühle Schlamau an diejenigen Brandt von Lindauschen Herren, die sich um diese Zeit in Schmerwitz heimisch machten und ihr Schloss zu bauen begannen. Danach muss das wertvolle Wasserkleinod aber wieder verhökert worden sein, denn schon von 1740 – das Schloss Schmerwitz war gerade bezogen – gibt es einen Vertrag mit dem Titel: „Verkauf der Mühle und der Branntweinbrennerei des Müllers Weyland zu Schlamau an den Hauptmann Karl Friedrich Brandt von Lindau auf Schmerwitz für 500 Taler. Verhandelt vor dem Hofgericht zu Wittenberg.“

1756 wurde, was in der Geschichte recht häufig geschah, das Gut verpachtet. Die Schlamauer Fischerei wird im Pachtvertrag wieder gesondert aufgeführt. Dann geben die Akten längere Zeit keine Kunde vom Teich. Doch es irrt, wer annimmt, dass das Hin und Her um das begehrte Gewässer beendet war, als Dampf und Elektrizität anstelle von Wasserkraft zum Getreide mahlen eingesetzt werden konnten. In einer neuen Quelle heißt es:

„Der Mühlenteich war seit 1830 Eigentum der Müller, die Besitzer der Mühle waren. Es erfolgte in dieser Zeit ein Zwischenkauf durch Herrn Brandt von Lindau. 1890 wurde die Mühle vom Müller Wilhelm Heine zurück gekauft. Aus persönlichem Vergnügen wurde dem Käufer aber nur die Nutzung des Wasserrechts eingeräumt. Ein Rechtsstreit 1938-1944 zwischen dem jetzigen Besitzer und den Erben des Karl Brandt von Lindau endete mit Zusprechung des Teiches einschließlich Grund und Boden.“

Rechtskräftig konnte das Ganze allerdings nicht gemacht werden, da der eine Erbe – Rittmeister von Drabich-Waechter – sich in Kriegsgefangenschaft befand. Die damalige Rittergutsbesitzerin erkannte den Teich jedoch als Eigentum des Müllers Heine an.

Aber auch unter den ganz neuen Verhältnissen nach 1945 hatte der Streit kein Ende. Nun meldet das KPD-Gut in Schmerwitz Eigentumsansprüche am Teich an, will ihn als Pferdetränke und Fischteich nutzen. Das wird von den Schlamauer Gemeindevertretern nachdrücklich abgewiesen- welcher Landwirt treibt schon seine Pferde 2,2 Kilometer zur Schwemme und zurück?! Außerdem habe das Gut in Arensnest und Steindorf gleichwertige Teiche. Dass die auch nicht näher liegen, wird im Eifer des Gefechts übersehen. Schließlich wird der Teich Heine zugesprochen – Landrat, Bodenkommission, Gemeinde Schlamau und das Gut in Schmerwitz sind sich irgendwie einige geworden. Gemeinde und Gut sollen jedoch gewisse Wasserrechte haben, nämlich zu Feuerlöschzwecken.

Heine gab den Teich Mitte der sechziger Jahre auf. Zu Mühlenzwecken war er nicht wieder genutzt worden. Die Gemeinde Schlamau war nun der Besitzer und es gelang den Einwohnern, den Teich zu einem Schmuckstück im Ort zu machen. Das war 1972. Dann tat die Zeit wieder das ihre, der Teich wuchs zu, es war anderes zu tun bis im Sommer und Herbst 1991 durch den Einsatz von ABM-Kräften wiederum ein neuer Anlauf unternommen wurde und man den Teich erneut herrichtet.

Der Anger in Schlamau ist geprägt durch den Dorfteich, der 2012 erneut saniert wurde. Die Wasserspeisung des Teiches erfolgt über Quellen, die in den südlich von Schlamau gelegenen Rummeln entspringen. Ziel der Teichsanierung war die Verringerung des Sandeintrages, die Ufersicherung und naturnahere Ufergestaltung sowie die Erhöhung der Attraktivität des Teichumfeldes, das schon immer als öffentliche Freifläche genutzt wurde. Der Spielplatz, der versteckt und schlecht zugänglich am nördlichen Rand der Freifläche lag, wurde ans südliche Teichufer gelegt auf eine großzügige sonnige Fläche.

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