Wiesenburg: Einfahrt auf Gleis 21

Wiesenburg. Die scharfe Schere wartete nur darauf, das rote Band zum neuen Coworking Space am Wiesenburger Bahnhof zu durchschneiden. Ende August wurden dort fünf neue Computerarbeitsplätze ihrer Bestimmung übergeben. Hier können nun Menschen aus nah und fern in aller Ruhe arbeiten, sich aber auch austauschen und in den Pausen verschiedene Aktivitäten genießen.

Und günstig gelegen ist die neue Räumlichkeit allemal. Aussteigen aus dem Zug und schon ist man am Arbeitsplatz. „Dieser Raum ist nur ein kleines Puzzlestück eines großen Ganzen“, sagt Wiesenburgs Bürgermeister in seinen Begrüßungsworten. Immerhin sollen am Bahnhof das neue KoDorf und ein Gästehaus entstehen. Bereits etabliert hat sich der Countrygolf. Der Güterschuppen steht als Veranstaltungsort zur Verfügung. Marco Beckendorf hofft, dass in zwei Jahren alles fertig ist.

Ziel des Ganzen ist es, Arbeitsplätze wieder zurück in die Region zu holen. Bei Nachfragen in den Ortsteilen hat sich ergeben, dass doch mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, als man denkt. Aber eben in ihren eigenen vier Wänden, wo die Ablenkung von der Arbeit eigentlich vorprogrammiert ist. Hier am Bahnhof könnten sie sich für ein ruhiges Arbeiten einmieten. Und es besteht durchaus die Möglichkeit, auch in den Ortsteilen solche Arbeitsplätze einzurichten, so Marco Beckendorf.

Der Raum neben dem Bistro im Bahnhofsgebäude war das ehemalige Büro der Bahnhofsgenossenschaft. Es wurde jedoch kaum genutzt. Durch das Projekt Heim[at]office von Neuland 21 entstand gemeinsam mit der Gemeinde Wiesenburg/Mark die Idee, diesen Raum für mobiles Arbeiten zu nutzen. Denn mobiles Arbeiten auf dem Lande ist das Hauptthema des durch den europäischen Sozialfond und das Land Brandenburg geförderten Projektes. Ein Aspekt dabei ist es, Coworking Strukturen zu entwickeln und das in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Belzig, der Gemeinde Wiesenburg/Mark und dem Coconat in Klein Glien.

Der Raum ist nicht sehr groß, nur 22m², aber fünf Arbeitsplätze konnten geschaffen werden. Das Ganze ist sehr professionell eingerichtet. Die Tische sind höhenverstellbar, die Bürostühle ergonomisch. Zusätzlich gibt es einen Drucker und natürlich WLAN. Ein bisschen „Nervennahrung“ wie Kaffee, Tee und Süßes ist inklusive. Ansonsten hilft Robin Weber vom Countrygolf beim Betreiben des Raumes. So können sich die Nutzer auch ein „richtiges“ Essen gönnen. „Wir sind dankbar für die Hilfe“, sagt Anna Momburg von Neuland 21. Dadurch sind aber im Moment die Öffnungszeiten an die des Bistros gebunden.

Ab September gibt es einen kostenlosen Schnuppermonat. Da kann dann jeder testen, ob es das richtige für ihn ist. Danach gibt es eine Preisliste. Man kann sich täglich einmieten für 8 Euro, eine 10er Karte für 70 Euro erwerben oder gleich eine Mitgliedschaft, die monatlich 50 Euro kostet. Aber nicht nur für Privatpersonen ist der Coworking Space geeignet. So kam gleich mal das Angebot an Eveline Vogel vom Landkreis, dass auch dieser die Arbeitsplätze nutzen kann. Bekanntlich ist man dort auf der Suche nach zwei Computerarbeitsplätzen.

Ganz feierlich wurde auch der Name des Coworking Space bekannt gegeben. Dazu hatte es im Vorfeld eine öffentliche Abstimmung gegeben. Wiesenburgs Ortsvorsteher Norbert Hesse durfte den Namen aus einem Umschlag ziehen. Die meisten hatten sich, passend zum Ort, für Gleis 21 entschieden.

Ein wichtiger Punkt fehlt jedoch noch, eine Zertifizierung der Arbeitsplätze. Dann bräuchten Arbeitnehmer keine extra Erlaubnis ihres Arbeitgebers, um den Raum zu nutzen. Darum werden sich alle Beteiligten nun bemühen. Marco Beckendorf hofft, dass man mit Auslaufen des Smart City Projektes 2027 messbar sagen kann, wie viele Arbeitsplätze durch diese und andere Aktionen wieder zurück geholt werden konnten.

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