Baukultur Picknick am Wiesenburger Bahnhof

Wiesenburg. Wie entwickelt sich das Gelände um den Wiesenburger Bahnhof? Wie ist der Stand Kodorf und Pension im ehemaligen Bahnbedienstetenhaus? Viele Bewohner der Region hegen immer noch Zweifel an der Umsetzung der Pläne. Über den Stand konnten sich Interessenten auf dem zweiten Baukultur Picknick der Baukulturinitiative Brandenburg in diesem Jahr informieren – ein Projekt, das städtischen und ländlichen Lebensstil vereinen möchte. Im KoDorf sollen die aus der Stadt gewohnte Infrastruktur und der Sehnsuchtsort „Land“ zusammenfinden.

Das Baukultur Picknick ist ein lockeres und für alle offenes Veranstaltungsformat der Baukulturinitiative Brandenburg. Es wurde im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um das Interesse für lokale Baukultur in Brandenburg zu wecken und das Bewusstsein für die gebaute Umwelt zu schärfen. In diesem Jahr beschäftigt sich das Baukulturpicknick mit neuen Formen des gemeinschaftlichen Wohnens und Coworking in Brandenburg.

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Bürgermeister Marco Beckendorf

Jetzt scheint es auch am Wiesenburger Bahnhof endlich vorwärts zu gehen. Corona hatte auch vor diesen Plänen nicht halt gemacht. Bis zum Jahresende möchte die Baugenossenschaft VielLeben eG, zu der sich die zukünftigen Bewohner zusammengeschlossen haben, das Grundstück erwerben. Dieses wurde bereits 1993 stillgelegt. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Vorhaben stießen die Genossenschaftsmitglieder auf das Gelände des ehemaligen Sägewerks. Aber ganz so einfach, wie gedacht, war es dann doch nicht. Das Gelände muss beräumt und die Abfälle fachgerecht entsorgt werden. „Wir haben eine schön bewachsene Müllkippe gekauft“, sagt Aufsichtsrätin Vera Fröhlich nicht ohne ein Augenzwinkern. Sie informierte gemeinsam mit Stefan Willuda über den derzeitigen Stand, nachdem Bürgermeister Marco Beckendorf einen Überblick über die Zukunftspläne der Gemeinde gegeben hatte. Erst durch viele notwendige Gutachten kam heraus, was dort einmal alles war. So heißt es also, die Ärmel hochkrempeln.

Die Genossenschaft will eine Verbindung von lang geglaubten Gegensätzen schaffen und zeigen, dass Natur und Stadt, Arbeit und Wohnen und auch Alt und Jung zusammen funktionieren. Aber sie wollen sich nicht abgrenzen, im Gegenteil. „Wir fühlen und verpflichtet, uns in die Gemeinde einzubringen“, so Vera Fröhlich. Und die Lebensweise hier zu akzeptieren. „Die Menschen leben seit Jahrhunderten hier und wissen, wie man auf dem Land zurecht kommt“, so Vera Fröhlich. Sie findet es anmaßend, den Leuten hier sagen zu wollen, wie sie leben sollen. „Die sagen eher uns, wie man hier lebt“, lächelt sie.

Auf dem Gelände sollen auf 40.000 m2 40 Häuser mit einer Grundfläche zwischen 25 und 80 mentstehen. Neben den Tiny-Häusern werden großzügige Gemeinschaftsflächen wie ein Coworking Space, eine Küche mit langer Tafel, Werkstätten, Yoga-Räume, eine Kita oder ein Hofladen zur Verfügung stehen. Die Baumbestände werden in die Bebauung integriert und auch das alte Sägewerk soll umgebaut werden, um einen neuen Nutzen zu finden. Die unmittelbare Nähe des KoDorfs zum Bahnhof sichert die schnelle Anbindung an Potsdam und Berlin.

Bei der Veranstaltung konnten die Besucher das Gelände des Sägewerkes besichtigen, sich aber auch über den Stand der Bauarbeiten in der Villa am Bahnhof informieren. Architekt Steffen Schindler hatte das Gebäude 2016 erworben und möchte es zu einer Pension umbauen. Das Gebäude ist das alte Bahnbedienstetenhaus, in dem Lokführer und Personal früher übernachten konnten, wenn sie den Zug wechseln mussten. Die in den 1870er Jahren erbaute militärstrategische Eisenbahnverbindung von der deutschen Hauptstadt Berlin über Güsten, Wetzlar, Koblenz und Trier nach Metz in Frankreich wird als Kanonenbahn bezeichnet. In Wiesenburg trennten sich die Strecken in verschiedene Richtungen. Als Steffen Schindler erstmals das Haus betrat, erwartete ihn ein Schock, es gab keine Decken mehr, alles war zusammengestürzt. Aber mit ein bisschen Fantasie kann man schon sehen, was aus dem Gebäude einmal werden wird.

Die Gemeinde Wiesenburg/Mark hofft nun auf einen Fördermittelbescheid zur Beräumung des alten Sägewerks. Dieses soll später in mehreren Etagen genutzt werden. So stellt sich Marco Beckendorf eingeschobene Container zum Arbeiten vor, auch der Keller kann unter anderem für Kultur genutzt werden. „Kaum vorstellbar, wenn man das jetzt so sieht“, so Beckendorf. Aber der Bürgermeister ist zuversichtlich. Zum einen könnte so dort der größte Coworking-Space in Brandenburg entstehen, zum anderen ist für die Gemeinde aber auch der Zuzug an Einwohnern wichtig. Und vor allem, das Projekt soll die Gemeinschaft fördern. „Wir wollen uns nicht abgrenzen, sondern sind für alle offen“, betont Vera Fröhlich noch einmal ausdrücklich.

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