Die „Zukunftsschusterei“ in Bad Belzig

Bad Belzig. Schuhe für die Zukunft soll es im neuen Smart City Büro in der Magdeburger Straße in Bad Belzig geben. Und welcher Name wäre dafür passender als „Zukunftsschusterei“. Wobei diese Schuhe natürlich im übertragenden Sinne zu sehen sind.

„Wir wollen eine gute Mischung aus digitalen Werkzeugen verbunden mit analogen Ideen hinbekommen“, so Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang zur Eröffnung Ende Oktober. So überreichte er Büroleiter Felix Hartenstein zur Eröffnung auch einen alten Schusterhammer. Dieser Gedanke kommt ebenfalls nicht von ungefähr. In dem Haus befand sich in früheren Jahren tatsächlich eine Schusterei. Und welcher Name wäre also passender. Drei Generationen übten dort dieses Handwerk aus. Wilhelm und Kurt Piepert gaben das Handwerk an ihre Söhne weiter. Jedoch hatte der dritte im Bunde, Konrad Piepert eine Tochter, die sich wenig für das Schusterhandwerk interessierte.

Zukunftsschusterei
Bei der Eröffnung

Birgit Bein ließ es sich jedoch nicht nehmen, zur Eröffnung zu kommen um zu sehen, was aus der Werkstatt geworden ist. Und musste dabei teilweise mit den Tränen kämpfen. „Hier in diesem Raum habe ich meine Hausaufgaben gemacht“, erinnert sie sich ein bisschen wehmütig an ihre Kindheit und blickte hinaus in den kleinen Vorgarten. Ursprünglich waren es einmal zwei Häuser, wie sie erzählt. Nach einem Brand 1916 oder 1917 wurde daraus ein Haus. Unten befand sich die Schusterwerkstatt mit einem kleinen Laden, im Obergeschoß eine Weißnäherei. Dort wurde alles genäht, was ein Mädchen für die Aussteuer brauchte, angefangen von Tischdecken bis hin zur Bettwäsche.

In dem neuen Büro wollen die Akteure Felix Hartenstein, Konrad Traupe und Sophie Hausig nun richtig loslegen. Gemeinsam mit der Stadt Bad Belzig und Wiesenburg/Mark, die Teil des Smart City Projektes sind, hoffen sie auf eine rege Beteiligung der Bevölkerung. Das ist einer der Gründe, weshalb das Büro geschaffen wurde. Man möchte nicht irgendwelche Ideen im stillen Kämmerlein ausbrüten, sondern die Bürger von Anfang an mitnehmen. Dazu werden in den ersten Jahren Anregungen gesammelt. Dazu können die Bürger direkt ins Büro kommen, es wird aber zukünftig auch einen Briefkasten geben. Die Akteure planen, viel in der Region unterwegs zu sein, um mit den Menschen direkt zu reden. Hierzu soll ein sogenanntes Mitmach-Mobil angeschafft werden, mit dem die drei dann übers Land fahren.

Einige digitale Helferlein gibt es bereits. So können sich die Bürger seit Ende 2019 die Bad Belzig App auf das Smartphone laden. So bekommen sie Verwaltungsleistungen, aktuelle Nachrichten und Veranstaltungen und andere nützliche Dienste direkt auf das Smartphone. Geplant ist für die Zukunft eine Kita App, in der die Eltern schnell an Informationen gelangen, sich aber auch austauschen können. Auch ein Onlinewarenhaus für Bad Belzigs Händler könnte entstehen, damit auch diese mehr vom Onlinehandel profitieren können. Eine erste Machbarkeitsstudie wurde von Studenten der Technischen Fachhochschule Brandenburg erstellt und wird derzeit ausgewertet.

Schon an diesen drei Beispielen ist zu sehen, auf welch unterschiedliche Weise die Digitalisierung genutzt werden kann. Nicht zu vergessen die Co-Working-Spaces, die es inzwischen teilweise schon gibt, die aber auch weiter ausgebaut werden sollen. Wie in dem inzwischen berühmten S-Bahn Waggon im Coconat. Darauf setzt besonders Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf. Die Gemeinde hat in der Vergangenheit viele industrielle Arbeitsplätze verloren. Mit digitalen Mitteln wird nun angestrebt, einen Teil davon wieder zurück  in die Region zu verlagern.

Jetzt gibt es viel Arbeit für die drei Akteure. Derzeit wird an einer Kommunikationsstrategie gearbeitet, Homepage, Logo und Flyer werden entworfen. Diese soll bis Ende 2022 stehen. Felix Hartenstein ist froh, endlich Unterstützung zu haben, war er doch bisher Einzelkämpfer. Sophie Hausig ist eine besondere Bereicherung für das Team, kommt sie doch aus der Region und kennt Land und Leute. Das Projekt umfasst ein Gesamtvolumen von sechs Millionen Euro und ist auf sieben Jahre ausgelegt. Ein Großteil, nämlich 5,4 Millionen, kommt vom Bundesministerium der Inneren (BMI). Den Rest müssen die beiden Kommunen als Eigenanteil aufbringen. Aber Felix Hartenstein hofft auch auf Spenden für das Projekt. Er rechnet mit etwa 300.000 Euro, die Bad Belzig und Wiesenburg aufbringen müssen.

Nun heißt es, den Schusterhammer in die Hand nehmen und loslegen. Für Nervennahrung ist schon mal gesorgt mit Gummibärchen und Smarties auf dem Beratungstisch. Gerade letztere sind sozusagen ein Symbol. „Interne nennt man uns eh schon „die Smarties“, schmunzelt Felix Hartenstein.

Das Team ab jetzt dienstags und donnerstags von 9-17 Uhr in der Zukunftsschusterei erreichbar, nach Absprache auch am Mittwoch.

(Artikelfoto: Das Team mit Konrad Traupe, Sophie Hausig und Felix Hartenstein)

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