“Zeitzeugen im Gespräch – Leben und arbeiten in der DDR”

Im Oktober 1957 fand in der DDR ein Geldumtausch statt. Renate Trittel, damals in der Abteilung Finanzen beim Rat des Kreises Belzig tätig, erinnert sich noch gut daran. Für die druckfrisch erhältliche Veröffentlichung “Zeitzeugen im Gespräch – Leben und arbeiten in der DDR”, hat sie ihre Erinnerungen daran beigesteuert. Sie erklärt:

“Das war keine Währungsreform wie 1948 oder die Währungsunion 1990, sondern ein Umtausch in der DDR in neues Geld für altes. Auf den Geldscheinen war das Jahr 1955 gedruckt, denn da sollte der Geldumtausch bereits stattfinden.”

14 Frauen und Männer steuerten, wie Renate Trittel, Lebenserinnerungen für das Buch bei.

Bärbel Kraemer und Inge Richter von der Geschichtswerkstatt Belzig e.V. standen ein Jahr lang mit ihnen in Kontakt und zeichnen für die Druckschrift verantwortlich.

Für die Veröffentlichung wurde gezielt nach Gesprächspartnern gesucht, die in den 1930er bis 1940er Jahren geboren wurden. “Eine Generation, die noch in den Kinderschuhen steckte, als der Zweite Weltkrieg tobte, der auch sie viel Leid erfahren ließ. Ich denke an die Kinder von damals, deren Hoffnung, dass der Vater irgendwann aus dem Krieg wieder heimkehren würde, jäh zerplatzte. Und ich denke an die Kinder, die infolge des Krieges Flucht und Vertreibung erleben mussten und für die die DDR eine neue Heimat wurde”, erläutert Bärbel Kraemer.

Aus den Kindern wurden junge Erwachsene, die voller Tatendrang – für ein besseres Leben – Tag für Tag zur Arbeit gingen. Diese Generation erlebte aber auch die Teilung Deutschlands, die Gründung der DDR 1949, den Bau der Mauer 1961 und deren Fall am 9. November 1989 – der bekanntlich zum Ende der DDR und am 3. Oktober 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.

“Aus diesen vier Jahrzehnten in ihrem Leben, haben wir gebeten, zu erzählen, ohne den Gesprächspartnern Vorgaben zu machen. Denn reine Biografien sollten nicht entstehen. Unser Wunsch war, dass die Gesprächspartner aus ihren Leben, aus ihrer Berufstätigkeit erzählen, um so ein ergänzendes – lebendiges – Zeitzeugnis zu den Aktenbeständen in den Archiven und der Zeitungsberichterstattung aus jener Zeit zu schaffen”, ergänzt Inge Richter.

(Artikelfoto: Inge Richter (rechts) und Bärbel Kraemer)

Das Buch “Zeitzeugen im Gespräch – Leben und arbeiten in der DDR” wurde über das Projekt “Demokratie leben!” durch den LAP “Hoher Fläming” gefördert. Es ist über die Geschichtswerkstatt Belzig e.V. (Tel. 033841/31316 oder geschichtswerkstatt-kraemer@web.de), in der Touristinformation Bad Belzig und im Buchhandel erhältlich.

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