Raben. Der Sonnenschein der vergangenen Tage lockte die Hobbygärtner zu ersten Arbeiten in den Garten. Bäume wurden beschnitten, Vertrocknetes entfernt und Laub geharkt. Außerdem sortierten viele schon ihre Sämereien. Das Angebot in den Gartencentern ist groß, aber es geht auch anders. Inzwischen ziehen viele Kleingärtner ihre Samen selbst. Wie das geht, konnten Interessierte auf der Samentauschbörse in Raben erfahren. Im vergangenen Jahr musste diese leider coronabedingt ausfallen, jetzt konnte sie unter Auflagen wieder stattfinden. Und da das Wetter passte, wurde das Tauschen kurzerhand ins Freie verlegt.
Vorher erfuhren die Gäste aber von Juliane Wittig, wie man viele Samen selbst ziehen kann. Sie ist für das Naturparkzentrum in Raben verantwortlich und gleichzeitig begeisterte Hobbygärtnerin. Deshalb war ihr dieser Vortrag eine Herzensangelegenheit. Juliane Wittig und ihr Mann ziehen seit vielen Jahren ihre Sämereien selbst. Begonnen hat es mit Tomaten. Inzwischen versucht das Paar, auch andere Samen selbst zu gewinnen. Ihre Tomatenpflanzen stammen schon aus der 15. Generation. Dabei legt Juliane Wittig Wert auf die alten Sorten, denn diese unterscheiden sich im Geschmack doch sehr von denen, die es im Supermarkt zu kaufen gibt.
Schon seit der Steinzeit versuchten die Menschen, Pflanzen zu kultivieren. Begonnen hat alles mit Erbsen und Linsen, in der Römerzeit kamen Salate dazu. Vorreiter für den Gemüseanbau der heutigen Zeit waren Klöster und Königshäuser. Was in diesen Gärten angebaut wurde, war jedoch ein Luxusprodukt und nur für die bessere Gesellschaft zugänglich. Später kamen mit der Seefahrt viele neue Pflanzen nach Europa. Heute gibt es viele Betriebe, die sich auf Samenzucht spezialisiert haben. Die bekanntesten sind wohl die Betriebe in Erfurt und Quedlinburg. Mit der industriellen Verarbeitung von Gemüse wurden die Sorten mehr und mehr darauf zugeschnitten und alte Sorten gerieten in Vergessenheit. Jetzt werden aber mehr und mehr alte Gemüsesorten wiederentdeckt. Viele Samen kann man beim VERN e.V. erwerben. Der Verein steht für Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen.
Wer mit der Selbstgewinnung starten will, sollte sich anfangs auf Anfängersorten beschränken wie Bohnen, Kürbis und Tomaten. Die Samen kann man sofort verwenden und sie sind auch einige Jahre haltbar und keimfähig. Schwieriger ist es, Salat oder Möhren selbst zu ziehen. Da muss auf Mindestabstände geachtet werden, da beides auch heute noch wild wächst.
An den Tischen im Freien hatten viele ihre Sämereien ausgebreitet. Neben Gemüse waren auch Blumensamen wie Tagetes und Stockrose zu finden. Familie Malchin aus Treuenbrietzen zieht schon selbst Samen, ist aber immer wieder auf der Suche nach neuem. Mit Tomaten funktioniert das gut, so das Paar. Was sie nicht selbst Pflanzen können, wird an Nachbarn und Freunde verschenkt.
Hans-Joachim König aus Rathenow hatte einige Kisten Sämereien dabei. Er arbeitet beim Naturpark Westhavelland, auch wenn er schon Rentner ist. „Ich wurde schon als Hobbygärtner geboren“, schmunzelt er. Neben seinem Garten direkt am Grundstück bewirtschaftet er mit seiner Frau zusätzlich einen Kleingarten und eine Streuobstwiese. Ihre Erfahrungen mit verschiedenen Gemüse- und Blumensorten gab das Paar gern weiter. Besonders interessant für viele – eine Spinatsorte, die etwa 1,50 Meter groß wird.
Jetzt heißt es für die Hobbygärtner bald, Tomaten auszusäen. Auch Juliane Wittig hat dafür schon alles vorbereitet. Immerhin ist am 1. Mai wieder Tomatenmarkt, wo sie verschiedene Sorten gegen eine Spende anbieten will.
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