KleinKunstWerk Bad Belzig startete mit der ukrainisch-russischen Band Trio Scho ins 10. Jahr

Bad Belzig. Das KleinKunstWerk (KKW) in der Kreisstadt startet mit Schwung und einem beeindruckenden Statement in sein 10. Jahr. Auch wenn die Planungen für die Veranstaltung bereits ein Jahr zurückliegen, aktueller hätten sie kaum sein können. Mit dem Trio Scho standen zwei ukrainische und ein russischer Künstler gemeinsam auf der kleinen Bühne.

Das KKW geht ins 10. Jahr

Die Geschichte des KleinKunstWerkes fing mit einem Gespräch zwischen Betreiberin Dr. Gerlinde Kempendorff-Hoene mit der damaligen Bad Belziger Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast an­­. Als Kempendorff die Bürgermeisterin ansprach, sie wolle hier etwas mit Kultur machen, öffnete diese ihre Tür und sagte:

„Kommen Sie rein, ich habe Zeit.“

Der Spielplan ist wieder voll, wie jeder Blick auf den Flyer oder die Webseite zeigt:

„Der ist länger als früher, trotz weniger Veranstaltungen.“

Die Veranstalter sind der Bitte insbesondere älterer Menschen nachgekommen, die Schrift zu vergrößern.

Am Ende der Veranstaltung sind alle wieder gebeten, Geld als Austritt in einen Spendentopf zu geben. Normalerweise bekommt der Veranstalter 20 Prozent davon für seine Unkosten, dieses Mal soll jedoch alles an die ukrainisch-russische Band gehen. Damit übergibt Kempendorff an die drei Musiker, die auch schon im ersten Jahr des KKWs auftraten:

„Ukrainisch-russische Zusammenarbeit kann etwas sehr Schönes sein, nämlich wenn es klingt.“

Russische und ukrainische Weisen mit Trio Scho

Frontmann Gennadij Desatnik lässt die Politik auch nicht außen vor, auch wenn Trio Scho vor allem gute Unterhaltung machen will:

„In unserer Heimat ist Krieg. Es gibt viele Möglichkeiten, die Leute zu unterstützen. Wir nutzen unsere Möglichkeit aufzutreten mit unseren Liedern.“

Desatnik ist genauso wie Valeriy Khoryshman am Arkordeon Ukrainer. Alexander Franz am Kontrabass stammt dagegen aus Sibirien. Sie alle leben seit den 90er Jahren in Berlin.

Doch dann machen sie vor allem Musik, wunderbar melancholische, fröhliche, schwungvolle, jazzige Weisen aus ihrer Heimat. Das erste Lied dreht sich um Poltava, die Stadt zwischen Charkiw und Kiew, in der Peter der Große 1709 glanzvoll über die Schweden siegte und das russische Zarenreich erst zur Großmacht machte und die jetzt unter den russischen Raketen leidet. Poltawa ist aber auch die Heimatstadt der beiden Ukrainer.

Für das Programm titelgebend ist eine verrückte Geschichte über die Kiewer Tramway, ein Lied voller Humor. Es gibt eine musikalische Geschichte über die Erfindung des Stroganoff. Alles beste Unterhaltung, wie der viele Applaus im überaus gut gefülltem Saal zeigt. “Scho” steht im übrigen für das russische Wort “Schto – Что” und meint:

„Was soll sein?!“

Es ist ein seltsames Gefühl, während des nahen Krieges und einer beginnenden Hysterie gegen alles Russische plötzlich diese Sprache wieder zu hören. Daneben die ukrainische Sprache. Und es fühlt sich richtig an und gut. Plötzlich ist der Hass weit weg, der sonst so sehr durch das Netz und die Welt tobt.

Überraschungsgast Estis

Dann gibt es noch einen Überraschungsgast. Alexander Estis liest aus seinem „Handwörterbuch der russischen Seele“. Meisterhaft trägt er die kurzen philosophierenden Sentenzen über alles Mögliche vor, was auch bei uns als „typisch russisch“ gilt: Schnee und Kälte, Transib, Ballett, Mafia, Wasser, Somowar, Datscha, Dawaj, Russisch Brot, Blinys und natürlich – Wodka. Zur Duma erinnert er an einen Wortzusammenhang, der in seinem kleinen Büchlein noch ausgespart ist: Duma bedeutet nicht nur das Parlament, sondern auch Nachdenken. Und er fügt hinzu:

„Obwohl das eine mit dem anderen …“

Seine kleinen Betrachtungen sind voller Humor und Wehmut und Schwung und Philosophie und oft mit einer überraschenen Kehrtwendung. Beispiel:

„Sibirien ist schön. Es ist umso schöner, je freiwilliger du dort hingehst.“

Das Trio und der Schriftsteller arbeiten seit etwa einem Jahr zusammen. Aber Lieder und Texte fügen sich so kongenial zusammen, dass man das Gefühl hat, es könnte niemals anders gewesen sein.

Gegen Krieg, gegen Hass

Nach einer guten Stunde Unterhaltung beendet das Trio sein Programm mit einem nochmaligen politischen Bekenntnis „gegen Krieg, gegen Hass“. Sie sagen:

„Alle Menschen, die für den Frieden sind, sind gleich.“

Dann singen sie ein im Osten Deutschland aus dem Russischunterricht gut bekanntes Friedenslied: „Immer lebe die Sonne – Пусть всегда будет солнце“.

Пусть всегда будет солнце,
Пусть всегда будет небо,
Пусть всегда будет мама,
Пусть всегда буду я!

Immer soll die Sonne scheinen,
Immer soll der Himmel blau sein,
Immer soll Mutter da sein,
Und immer auch ich!

Viele Zuschauer singen mit, einige den russischen Originaltext. „Für die Freundschaft, für den Frieden“, sagt Desatnik, bevor die drei Musiker noch eine Zugabe geben.

KleinKunstWerk, Trio Scho
Viel Beifall nicht nur zum Schluss

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