Vom Leiter der Berufsfeuerwehr in Halle zum Bürgermeister von Wiesenburg/Mark?

Wiesenburg/Mark, Medewitz. Trotz seiner erst 40 Jahre ist Robert Pulz ein Medewitzer Urgestein. Zeit seines Lebens lebt er dort, mal abgesehen von den paar Tagen nach seiner Geburt, die er gezwungenermaßen im Wittenberger Krankenhaus verbringen musste. Auch während seiner Lehre und seines Studiums hat er seinen Heimatort nicht verlassen, an den Wochenenden war er immer zu Hause. Robert Pulz hat in Magdeburg Maschinenbau studiert und im Bereich Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung promoviert. Aus seinem Doktortitel hat er nie ein Hehl gemacht. „Das ist für das Leben auf dem Land nicht wichtig“, sagt er. Zurzeit arbeitet er in Halle und ist sozusagen das Pendant zu einem Kreisbrandmeister. Er koordiniert die dortige Feuerwehr und die Rettungsdienste im Haupt- und ehrenamtlichen Bereich. 327 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr müssen sich auf sein Urteil verlassen können. „Halle hat mich sehr geprägt“, so Robert Pulz, „ich habe dort viel gelernt, auch, wie man eine Verwaltung leitet.”

 Nun könnte aber doch ein Umzug anstehen, nicht privat, sondern beruflich. Robert Pulz möchte seinen Stuhl im Hallenser Rathaus gegen den im Wiesenburger eintauschen, denn er kandidiert für das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Wiesenburg/Mark.

Abwägungen

Lange hat er mit Ehefrau Anica darüber gesprochen, Vor- und Nachteile abgewogen. Immerhin gibt er, sollte er gewählt werden, seinen sicheren Beamtenstatus auf Lebenszeit auf. In Wiesenburg wäre er für die kommenden acht Jahre Beamter auf Zeit. In diesen Jahren möchte er jedoch seine ganze Kraft auf die Gemeinde konzentrieren.

Während die jüngeren seiner vier Kinder noch nicht verstehen, was Papa vorhat, versteht der zehnjährige Fritz die Sache schon recht gut. „Mach das, wenn Du dann öfter da bist“, war sein Kommentar. Zumindest wird das für die Morgenstunden so sein, denn die Arbeitszeiten von Robert Pulz werden sich verlagern.

Aktiv vor Ort

Aber auch jetzt war er des Öfteren abends unterwegs. Robert Pulz gehört zu denjenigen, die mit am längsten in der Wiesenburger Gemeindevertretung aktiv sind. Und auch sonst leistete er viel ehrenamtliche Arbeit, sei es im Schulförderverein, in der Freiwilligen Feuerwehr und als Vorsitzender des Medewitzer Heimatvereins. Letzteres wird er auch bleiben. Seine Mitglieder haben ihm mit einem Augenzwinkern die Pistole auf die Brust gesetzt. „Wir unterstützen Dich nur, wenn Du Vorsitzender bleibst“, hieß es. Außerdem ist Robert Pulz Landwirt im Nebenerwerb und betreibt eine Biorinderzucht. Manchmal ist er selbst überrascht, was er im Laufe seines jungen Lebens schon alles gemacht hat und noch macht.

Politische Agenda

Es gibt viele Themen, die Robert Pulz bewegen und um die er sich im Falle einer Wahl kümmern möchte. Dabei betont er ausdrücklich, dass er Marco Beckendorf schätzt und mag. „Er ist kein schlechter Bürgermeister“, so Pulz.

Aber einige Dinge liegen dem Kandidaten doch verquer. So wünscht er sich mehr Mitbestimmung und Entscheidungsgewalt der Ortsbeiräte. Viele Entscheidungen kommen ohne dren großen Einfluss aus dem Rathaus. Als möglich sieht er auch, die Ortsvorsteher zumindest halbtags direkt anzustellen. Er weiß selbst, wie viel Arbeit an diesem Posten hängt. Zudem wünscht er sich für die Ortsbeiräte einen direkten Zugriff auf die Kapazitäten des Bauhofs.

Aber auch die Finanzen hat Robert Pulz im Blick. Viele Bürger hätten Angst vor Mehrbelastungen durch die Erhöhung der Grundsteuer, aber auch durch die Abwasserentsorgung. Diese Mehrbelastung müsse aus anderen Töpfen mitgetragen bzw. durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden, meint er, man könne nicht alles auf die Bürger abwälzen. Die Abwasserentsorgung per Achse sei eh nicht mehr zeitgemäß. Robert Pulz plädiert für Sammelkläranlagen in den Dörfern.

Kritisch sieht er auch die neuen Kreditaufnahmen, die höher liegen als der Schuldenabbau. Die Bürger müssen genau wissen, wofür das Geld ausgegeben wird. Wichtig ist für Robert Pulz die Ansiedlung von kleineren Betrieben, gerade im handwerklichen Bereich. Auch möchte er gern die Lebensmittelversorgung wieder in die Dörfer zurückbringen. Außerdem wünscht er sich noch mehr Serviceorientierung in der Verwaltung. „Gerade Bescheide müssen zeitnah und vor allem verständlich für den Bürger ergehen“, so Robert Pulz. Und das ist nur ein Teil seiner Vorstellungen. Derzeit finden in den Orten der Gemeinde Vorstellungsrunden der Bürgermeisterkandidaten statt. Dort können alle ihre Fragen an die Kandidaten loswerden.

Um die Personalführung macht sich Robert Pulz keine Sorgen, diese Erfahrung bringt er durch seine Tätigkeit in Halle mit.  Und wenn es nicht klappt? „Ich habe mir vorgenommen, mich nicht zu ärgern“, schmunzelt er. Auch dann will er nämlich weiterhin in der Gemeinde so aktiv bleiben, wie bisher.

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