Wiesenburg: Perlen aus Glas in der Alten Schule Wiesenburg

Wiesenburg. Bereits um 3500 v. Chr. wurde in Ägypten und Mesopotamien das erste Glas erzeugt. Das langwierige und mühsame Verfahren machte Glas zu einem seltenen Stoff und die daraus hergestellten Perlen zu kostbaren Luxusgegenständen, die sich nur eine vermögende Gesellschaftsschicht leisten konnte.

Ab 2000 v. Chr. wurden auch in Europa Glasperlen hergestellt, die aber in der Kunstfertigkeit und Farbenpracht nicht mit den orientalischen Perlen vergleichbar waren. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind nördlich der Alpen ortsfeste Glashütten bekannt, oft in der Nähe von Klöstern. Der Bedarf an Glasfenstern, Gefäßen und Perlen wuchs ständig, und man wollte nicht mehr auf Importe angewiesen sein. Schlepper schmuggelten ganze Glasbläserfamilien aus Murano (Italien) an europäische Fürstenhöfe nach Augsburg und Nürnberg oder in die Niederlande. So wurde Venedigs Jahrhunderte altes Monopol untergraben. (Quelle: www.glasperlenspektrum.de)

Glastage Wiesenburg
Die Glaskünstlerinnen

Heute kann sich Glaskunst jeder leisten, auch wenn die Gegenstände immer noch ihren Preis haben. Dazu muss man aber wissen, dass jedes hergestellte Gefäß, jede kleine Perle Handarbeit und somit ein Unikat ist. Wie Perlen und anderen entstehen, konnten sich Interessierte am vergangenen Wochenende in Wiesenburg in der Alten Schule ansehe. Iris Seraphin veranstaltete die inzwischen dritten Glastage und hatte dazu Glaskünstlerinnen aus ganz Deutschland eingeladen. Und nicht nur aus Deutschland, diesmal war auch eine Künstlerin aus Österreich dabei. Michaela Pabeschitz kommt aus Wien und hat immerhin für die Glastage eine neunstündige Autofahrt auf sich genommen. Die Glaskünstler kennen sich untereinander und sind gut vernetzt. So wurde sie im vergangenen Jahr von Wiebke Matthes, die schon seit dem ersten Mal dabei ist, angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, nach Wiesenburg zu kommen.

Eigentlich arbeitet Michaela Pabeschitz in einer Bank, Glasperlenherstellung ist ihr Zweitberuf. Schon als Kind hat sie Ketten und anderes aus gekauften Glasperlen hergestellt. Dann stellte sie fest, dass die Schmuckstücke nur dann schön aussehen, wenn auch die Perlen einzigartig sind. Im Internet hat sie dann entdeckt, dass und vor allem wie man die Perlen auch selbst herstellen kann. Jetzt macht sie hauptsächlich einzelne Stücke mit Motiven darin, die dann zum Beispiel als Anhänger an einer Kette getragen werden können. Michaela Pabeschitz fertigt keine Serien, jede Kugel ist anders. Die Ideen für die Motive entstehen bei ihr meist am Brenner, indem sie sich von Farben und Formen inspirieren lässt. Oftmals entsteht aus einer ursprünglichen Idee etwas ganz anderes. Die Kunst nennt sich auch Lampwork, weil über einer offenen Flamme gearbeitet wird.

„Die drei Tage in Wiesenburg waren genauso, wie ich es erhofft habe“, sagte Michaela Pabeschitz:

„Es war toll gemeinsam mit anderen Glasperlenverrückten zu experimentieren, sich gegenseitig zu inspirieren und sich auszutauschen.“

Dabei erhellte ein strahlendes Lächeln ihr Gesicht. Ob sie wiederkommt? Michaela Pabeschitz weiß es noch nicht. Aber die Wiesenburger Glastage hinterließen einen bleibenden Eindruck.

In einer Ausstellung wurden hergestellte und mitgebrachte Kunstwerke nicht nur gezeigt, sondern konnten auch gekauft werden. Da fiel die Entscheidung bei so vielen Farben, Formen und Motiven nicht leicht. Die Gäste waren jedenfalls begeistert und konnten auf dem Hof den Künstlern auch nochmal bei der Arbeit zusehen.

(Artikelfoto: v.l.n.r.: Stefanie Seelbinder, Sabine Frank, Iris Seraphin)

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