DEMENSCH – Humorvolle Ausstellung über Demenz im Landratsamt in Bad Belzig

Bad Belzig. DEMENSCH heißt eine neue Ausstellung im Landratsamt Bad Belzig im Papendorfer Weg. In dieser wird humorvoll auf das Thema Demenz geschaut. Allein im Landkreis Potsdam-Mittelmark sind Stand 2019 über 4.900 Personen davon betroffen, und die Zahl wird sich bis 2030 auf weit über 5.000 erhöhen. In Bad Belzig leben knapp 500 Erkrankte. Für viele ist das Thema ein Horrorszenario, sie können es sich nicht vorstellen, einmal alles zu vergessen, was sie gelernt haben.

Und auch für die Angehörigen ist die Situation nicht einfach zu bewältigen. Man stelle sich nur vor, eine Ehefrau steht vor ihrem Mann, mit dem sie seit 50 Jahren verheiratet ist und wird gefragt: Wer bist du denn? „Deshalb ist Öffentlichkeitsarbeit so wichtig“, sagt Mariana Siggel, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. Gemeinsam mit der Behindertenbeauftragten Lisa Weyhrich und der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. hat sie diese Ausstellung organisiert. „Der Mensch ist ein soziales Wesen und muss Gemeinschaft erleben können, dass muss auch mit Demenz möglich sein“, sagte sie.

In Potsdam-Mittelmark gibt es ein gut ausgebautes Netzwerk zwischen Fachkräften und ehrenamtlichen Unterstützern. Wichtig ist Mariana Siggel vor allem die Beratung im häuslichen Bereich. Hier stehen ihr etwa 70 Personen als Helfer zur Seite. Davon gibt es im ländlichen Raum sogar mehr als in den Städten und Ballungszentren. Es werden etwa 1.700 Beratungsstunden im Jahr angeboten und auch verschiedene Tagestreffs. „Die Betreuten sind oft wacher und aufgeschlossener, wenn sie richtig betreut werden“, sagt Mariana Siggel. Aber die Gesellschaft tut sich immer noch schwer im Umgang mit dementen Menschen, weiß auch Landrat Marko Köhler. Deshalb freut er sich umso mehr, dass in der Ausstellung, die noch einen ganzen Monat zu sehen ist, mit Humor auf die Sache geblickt wird.

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Aber darf man überhaupt mit Humor auf eine solche Krankheit blicken? Ist das Thema nicht viel zu ernst? Ja, man sollte es ernst nehmen, aber dabei den Humor nicht vergessen, sagt auch Antje Baselau von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V.. „Natürlich ist nicht alles immer super und meistens sehr anstrengend“, so Antje Baselau:

„Aber man muss es mit Humor nehmen.“

Es ginge ja nicht darum, sich lustig zu machen, sondern miteinander zu lachen. Das geht viel leichter wenn man nicht alle Fehler, die der Kranke macht, sofort korrigiert, sondern sie mit Humor nimmt. „Gerade zu Anfang ist es schwierig“, sagte Antje Baselau:

„Die Angehörigen müssen den Umgang mit ihren dementen Angehörigen auch erst lernen.“

Dafür gibt es Schulungen für sie. Antje Baselaus größter Wunsch wäre ein Anlaufpunkt in jedem Dorf, aber sie weiß, das wird nicht möglich sein.

Begonnen hat die humorige Aktion 2018. Antje Baselau bekam einen Kalender des Cartoonisten Peter Gaymann in die Hände. Sie selbst fand ihn gut, war aber noch skeptisch, ob das wirklich der richtige Umgang mit Demenz ist. Sie nahm den Kalender mit zu einer Vorstandssitzung. Dort war man hellauf begeistert.

Peter Gaymann selbst hat Sozialpädagogik studiert, aber schnell sein Hobby zum Beruf gemacht. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Sozialexperten und Gerontologen Prof. Dr. Thomas Klie hat er 2013 das Projekt „DEMENSCH“ ins Leben gerufen. Seitdem publizieren sie alljährlich einen Monatskalender mit Zeichnungen und Zitaten zum menschlichen Umgang mit dem Gesellschaftsthema Demenz. Natürlich haben sie sich zuerst die Frage gestellt, ob man sich diesem Thema mit Cartoons nähern kann, aber das positive Echo bei den Betroffenen und der Presse sowie der Erfolg des Kalenders haben den Ansatz bestätigt.

Die inzwischen 132 verschiedenen DEMENSCH-Motive sind derzeit überall im Land auf Ausstellungen zu sehen. Und nun auch für einen ganzen Monat in Bad Belzig.

Astrid Rabinowitsch
Astrid Rabinowitsch

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