Schmerwitz. Ende gut, alles gut, so könnte man die jahrelangen Diskussionen um das ehemalige Altersheim in Schmerwitz auf den Punkt bringen.

Der Kreistag hatte 2022 einen Beschluss gefasst, das Gebäude als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge zu nutzen und es angemietet. Dass stieß jedoch auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung. Die Flüchtlingszahl im Ort hätte dann fast die Einwohnerzahl übertroffen, denn Schmerwitz hatte schon vorher viele Menschen aus anderen Ländern aufgenommen. Zusätzlich fehlte es auch an der Infrastruktur. Also wurde der Beschluss wieder aufgehoben mit dem Zusatz, die Unterkunft nur im äußersten Notfall zu belegen. Aber die Flüchtlingsfrage ist auch weiterhin akut, weiß auch Bernd Schade, Sozialreferent des Landkreises.
Durch die Entwicklung des KoDorfs hatte Wiesenburgs Bürgermeister Marco Beckendorf viele neue Kontakte geknüpft. So erhielt er eines Tages eine Mail, in der für das MiCT (Migration in Cooperation and Transition) Unterkünfte für geflüchtete Medienschaffende gesucht wurden. Das Gebäude in Schmerwitz war dafür wie geschaffen. Es verfügt über mehrere Etagen für getrenntes Wohnen und Arbeiten.
Doch auch die Schmerwitzer sollten einbezogen werden. In einer Abstimmung sprach sich die Mehrheit erst einmal dafür aus. Prinzipiell sind die Bürgerinnen und Bürger dafür, Geflüchteten zu helfen. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Marco Beckendorf und auch Ortsvorsteherin Birgit Kaiser waren froh über diese Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger. „Ich weiß, dass wir viel Vertrauen eingebüßt haben, die Integration schnell zu meistern“, sagte der Bürgermeister bei der kleinen Eröffnungszeremonie des ersten Exile Media Hubs. Aber er und auch Bernd Schade sehen das Projekt als einen alternativen Weg der Flüchtlingspolitik und auch als Modellprojekt für andere Gemeinden. Und das vielleicht auch für andere Berufsgruppen.

Das Projekt ist für Menschen mit gleicher beruflicher Ausrichtung gedacht. Wichtig war, einen Ort zu schaffen, wo diese Menschen auch gleichzeitig arbeiten können. „Aber es war ein zäher Prozess, ehe alles soweit war“, so Bernd Schade. Ziel ist es, die Menschen ankommen zu lassen, ihnen Sprachkenntnisse zu vermitteln und sie dann zu integrieren.
Schon in der kommenden Woche beginnt man mit Deutschkursen. Wichtig ist dabei, eine Verknüpfung zur Bevölkerung und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Darum ist das Haus ein offenes Haus. Im Untergeschoß wurden Räumlichkeiten für die Medienarbeit eingerichtet, die auch der Bevölkerung offen stehen. „Wir haben vor zehn Tagen den Schlüssel bekommen und noch ist nicht alles fertig“, so Klaas Glenewinkel, Geschäftsführer von MiCT. Auch er hat sich natürlich die Sorgen der Bevölkerung angehört, dass Schmerwitz bald mehr Geflüchtete als Einwohner hat. Deshalb war es ihm wichtig, zu betonen, dass die Türen zu den Arbeitsräumen jedem jederzeit offen stehen und genutzt werden können. Es gibt dort die Möglichkeit, Videos zu schneiden und Podcasts aufzunehmen, aber auch einen künstlerischen Bereich.
Einige der neuen Bewohner haben durchaus künstlerisches Talent, wie man an den Zeichenblättern sehen konnte. In einem halben Jahr will man gemeinsam schauen, wie sich das Projekt entwickelt hat. Bisher leben acht Geflüchtete im Haus, aus dem Iran, Kurdistan, Sudan und Afghanistan. Es ist also eine bunte Gruppe aus verschiedenen Ländern.
MiCT ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 20 Jahren JournalistInnen und Medienschaffende aus Konfliktregionen und Entwicklungsländern unterstützt und zusammen mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark dieses Projekt für Geflüchtete betreibt. Projektpartner sind die Gemeinde Wiesenburg/Mark sowie das Coconat in Klein Glien.
Das Projekt wird zunächst bis Ende des Jahres vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg und Amazon gefördert. MiCT betreibt bereits Exile Media Hubs in Berlin sowie in der Ukraine, Pakistan, Thailand, Tunesien, Georgien und Kenia in Zusammenarbeit mit der UNESCO, dem Auswärtigen Amt, dem JX Fund und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Hannah-Arendt-Initiative.
Der Projektträger ist das MiCT, die soziale Arbeit übernimmt der SAM e.V. Dieser hat gerade einen Förderantrag gestellt, um die Geschichte der ehemaligen Kampfgruppenschule aufzuarbeiten, denn dieses Gebäude gehörte dazu.
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