Rodeln, Bad Belzig, Winterfreuden früher

Vom Wintersport in vergangenen Tagen im Fläming und in der Zauche

Bad Belzig, Borkheide, Niemegk. Im Winter des Jahres 1888 meldete das „Zauch-Belziger Kreisblatt“, dass Belzig endlich, „nach langem Harren“ zu einer Eisbahn gekommen war.  Mehr noch, bedingt durch die „Raumverhältnisse“ wurde versprochen, dass diese Eisbahn den Eissport besonders angenehm machen würde. Zu verdanken war die neue Eisbahn dem Belziger Schornsteinfegermeister Carl Sacharowitz,

der nach Erpachtung einer für diese Zwecke geeigneten Wiese alles Erforderliche in die Wege geleitet hatte, damit aus der Wiese eine Sportstätte werden konnte – eine Sportstätte, in der im Sommer dem Schwimmsport und im Winter dem Schlittschuhlauf gefrönt werden konnte.

Die angelegten Teiche bewährten sich und so war in den folgenden Jahren immer mal wieder von der Belziger Eisbahn zu lesen. 1897 wurde beispielsweise darauf hingewiesen, dass schulpflichtige Kinder für die Benutzung der Eisbahn nicht bezahlen müssen.

An wirklichen Wintersport in der kleinen Ackerbürgerstadt am Rand des Flämings war jedoch noch nicht zu denken. Wurden derlei Dinge beobachtet, sorgten sie noch für Aufsehen. So geschehen im Januar 1911. Im „Zauch-Belziger Kreisblatt“ heißt es:

„Ein Bild, wie wir ein solches nur in einer gebirgigen Sommerfrische zu beobachten Gelegenheit haben, bot sich in den letzten Tagen einige Male unseren Augen. Auf mehreren aneinander gereihten kleinen Schlitten (Rodelschlitten), die von einem Pferde gezogen wurden, hatten einige junge Damen zu einem Ausfluge Platz genommen, der, wie es sich für die Welt geziemt, in sehr vergnüglicher Stimmung seiner Teilnehmerinnen von statten ging.“

Auch in Borkheide, damals noch Bork heißend, machte man sich über die Entwicklung des Wintersports Gedanken. Alexander Mallwitz, der Herausgeber des Kreisblatts, berichtet im November 1912 auch von den dortigen Bemühungen. Das Flugfeld „Mars“, am Bahnhof gelegen, war zu diesem Zeitpunkt durch die fliegerischen Aktivitäten von Hans Grade bereits weltbekannt geworden. Man dachte an, die Fläche des Flugplatzes auch für den Wintersport zur Verfügung zu stellen:

„Sobald genügend starke Schneedecke vorhanden ist, werden Skiläufer dort gute Aufnahme finden. Bekanntlich bildet sich der Skisport neuerdings nicht nur in den bergigen Gegenden, sondern auch in der Ebene aus. Besonders der Sport, in welchem Pferde oder Ponys zum Ziehen der Skiläufer verwendet werden, ist ein höchst anregender und zum Teil aufregender. Hierfür eignet sich das Feld außerordentlich gut, ebenso für den Skisport mit Handsegel. Es ist auch beabsichtigt, die sehr günstigen Windverhältnisse für den Segelschlittensport auszunutzen. Für die Aufnahme derselben stehen verschiedene Fliegerschuppen zur Verfügung. Das Hotel am Flugfeld bietet günstige Wohngelegenheit.“

Die touristische Entwicklung von Zauche und Fläming setzte sich weiter fort. Kamen in den warmen Monaten immer mehr Wanderer in die Region, wurde sie im Winter von immer mehr Freunden des Ski-Sports aufgesucht.

Eine Entwicklung, die auch durch die Eisenbahn ermöglicht wurde. Mitte der 1920er Jahre hatte sich herumgesprochen, dass auch anspruchsvollere Wintersportler im Hohen Fläming auf ihre Kosten kommen. In den Rummeln, unter anderem bei Niemegk, übten sich beispielsweise Wintersportbegeisterte im „Springen mit Schneeschuhen“.

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