Treuenbrietzen. Etwa 35 Menschen versammelten sich anlässlich des jährlichen Gedenkens an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 am Standort des ehemaligen jüdischen Friedhofes hinter der Badeanstalt in Treuenbrietzen. Mehr als viele der Anwesenden erwartet hatten. Neben dem amtierenden Bürgermeister Michael Knape und dem zukünftigen Bürgermeister Robert-Walter Wildgrube, nahmen auch die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Anja Schmollack von der CDU, sowie die Fraktionssprecher vom Bündnis Stadt und Dörfer (BSD), Mike Fetzer, und der Bürgerinteressenvertretung Stadt und Dörfer (BIV), Tobias Bank, teil. Außerdem waren Vertreter der GRÜNEN , LINKEN und der SPD anwesend. Einzig die Fraktion der AfD war nicht vertreten.
Andreas Bruns, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für die Grünen, sprach als erster und stimmte die Versammelten würdig auf das Gedenken ein. Er erinnerte demütig daran, dass der inzwischen verstorbene Helmut Päpke das Gedenken nach der Wiedervereinigung wieder begonnen habe und dies nicht überall auf Resonanz stieß. Die zentrale Botschaft seiner Worte fasste Bruns am Ende mit dem Zitat von Margot Friedländer zusammen:
„Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet.“
Danach spielte er das jüdische Totengebet ab. Eine Schülerin der Geschichtswerkstatt der Treuenbrietzener Gesamtschule verwies im Anschluss auf einen Gedenkstein, der Informationen zu dem seit 1711 existierenden Friedhof gibt. Zum Beispiel, dass die letzte Beisetzung 1913 stattfand. Zwei Gedenksteine sind das Einzige, was heute noch an den Friedhof erinnert. Die letzten Gräber wurden beim Bau eines Luftschutzbunkers 1944 endgültig zerstört. Sie betonte am Ende ihres Beitrages, dass es die Pflicht der nachkommenden Generation sei, dass sich der Holocaust und die Verbrechen der Nazis nicht wiederholen.
Der Bürgermeister appellierte in seiner Rede an alle, nicht wegzugucken, egal wie wenig die Würde eines Menschen eingeschränkt wird. So wie vor 20 Jahren, als in der Stadt um Stolpersteine gestritten wurde, so wird auch heute wieder um Gedenken und Symbole gestritten. Er spielte damit auch auf die vergangene Sitzung der Stadtverordnetenversammlung an, als die CDU das Anliegen eines Antrages der AfD zur Beflaggung vor dem Rathaus Treuenbrietzen durch einen Änderungsantrag verstärkte (Fläming 365 berichtete).
Der Lehrer und Leiter der Geschichtswerkstatt, Valentin Schlegelmilch, machte in seinem Beitrag deutlich, dass die Reichspogromnacht ein Wendepunkt war und als Beschleuniger des Holocaustes diente, der im Tod von Millionen von Jüdinnen und Juden endete. Er sprach auch den neuen Antisemitismus an, der seit dem Krieg im Gaza salonfähig wird. Zum Abschluss sprach Pfarrerin Simone Lippmann-Marsch: Auch wenn der ehemalige Friedhof heute „unauffällig hier am Schwanenteich“ war und heute …
„… niemand mehr die Namen der Beigesetzten kennt, so bleiben sie Teil der Geschichte und Teil dieser Stadt“. Auch ist es nicht umsonst, heute hier zu sein, denn „Geschichte wächst nach“.
Am Ende wurden noch Steine und Blumen niedergelegt. Als sich die Gedenkveranstaltung so langsam auflöste, sagte ein Teilnehmer zu drei anderen: Es gibt mir sehr viel heute hier zu sein und zu gedenken, einfach weil es wichtig ist. Ein anderer erwiderte: Ja, wer wenn nicht wir.
(Alfred Franke)
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5 Antworten
Er spielte die unsinnige Diskussion im Anschluss der SVV an und erinnerte daran, über die wichtigen Themen zu diskutieren!
Wenn man eine Wahl verliert sollte man danach nicht überall „SCHIESSEN“ NUR WEIL MAN BOCKIG IST!!!!
Wenn es wichtigere Themen gibt, warum hat die CDU dann einen Änderungsantrag zur Hissung einer Flagge gestellt und kommentiert jetzt einen Bericht im Internet?
Gedenken ist wichtig und nicht nur bestimmten Tagen im Jahr!!!! Aber die Wahrheit auch! So muss ich einigen Sachenverhalten, die hier wiedergegeben wurden widersprechen. Die letzten Überbleibsel des hiesigen jüdischen Friedhofs, wie Grabsteine wurden in Zeiten der DDR entfernt. Herr Helmut Päpke war Teil System relevanten Geschichtsfälschung des DDR Unrechtsstaates.
Ich finde, man sollte gegenüber Verstorbenen respektvoll bleiben, egal wie man zu ihnen stand.